Medikamente für Herz und Kreislauf sind erklärungsbedürftig

Beratungsszene in der Apotheke

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Die Beratung in der Apotheke ist wichtig: Wer Medikamente gegen eine Herz-Kreislauf-Erkrankung einnimmt, muss gut informiert sein.

Apotheker können ihren Patienten im Umgang mit Arzneimitteln Sicherheit geben und Ängste nehmen“, betont Dr. Hiltrud von der Gathen, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer. „Einmalig eine einzige Tablette schlucken – das ist einfach. Aber eine komplexe Therapie dauerhaft zu befolgen oder mit verschiedenen Arzneiformen umzugehen, kann Patienten leicht überfordern. Hier bieten Apotheken Hilfe an“, so die Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie.

Nur wenige Patienten nehmen gerne Arzneimittel ein. Eine Ursache ist das mangelnde Vorstellungsvermögen über die positive Wirkung auf den Organismus. Eine gute Beratung in der Apotheke schließt Informationslücken. Von der Gathen: „Apotheker können die Wirkung im persönlichen Gespräch wiederholt verständlich erklären. Voraussetzung dafür ist, dass der Patient sich dem Apotheker anvertraut und über seine Probleme spricht. Dieses Vertrauensverhältnis entsteht nur durch persönlichen Kontakt.“

Warum Beratung in der Apotheke so wichtig ist

Ein Beispiel ist das verzögerte Wirkmaximum von Blutdrucksenkern. Die erwünschte maximale Blutdrucksenkung tritt oft erst nach Wochen ein. Wenn der Patient nichts von dieser Verzögerung wissen und zwischendurch selbst ihren Blutdruck messen, sind sie möglicherweise von der vermeintlich ausbleibenden Wirkung enttäuscht und brechen die Behandlung ab. So eine Situation könnte durch gezielte Beratung in der Apotheke verhindert werden.

Ein weiteres Beispiel: Gegen akute Herzbeschwerden bekommen betroffene Menschen Nitrosprays verordnet. Ein solches Spray sollten die Patienten immer bei sich haben – deshalb brauchen sie zwei: Eins für den Nachttisch, eins für unterwegs. Wenn das Nitrospray allerdings in der Hosentasche getragen wird, kann es von der Körperwärme beeinträchtigt werden. Da Männer in der Regel keine Handtasche benutzen, ist für sie der Hinweis wichtig, das Notfallspray in der Jackentasche mit sich zu tragen. Derartige kleine Ratschläge haben große Wirkung, so Hiltrud von der Gathen. Patienten sollten sich die Anwendung von Arzneien immer erklären lassen: So müssen Nitrosprays grundsätzlich im Sitzen und nicht im Liegen unter die Zunge gesprüht werden. Reicht eine einmalige Anwendung nicht aus, können bis zu drei Hübe im Abstand von jeweils 30 Sekunden angewandt werden. Dies kann der Patient nach frühestens zehn Minuten wiederholen. Bleiben die Schmerzen länger bestehen, muss der Notarzt gerufen werden.

Beratung in der Apotheke verbessert die Therapietreue

Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck werden gleichzeitig mit mehreren Wirkstoffen behandelt. „Kombinationspräparate sind der gleichzeitigen Einnahme verschiedener Monopräparate meist überlegen, denn sie verbessern die Therapietreue“, sagt Professor Rolf Daniels von der Universität Tübingen. Je weniger verschiedene Tabletten ein Patient schlucken muss, desto länger hält er seine Behandlung in der Regel durch. Besonders bei mehrmaliger Einnahme pro Tag spielt das eine Rolle: Mehr als 8 von 10 Patienten, die ein Medikament nur einmal täglich einnehmen sollen, tun dies langfristig zuverlässig. Muss dagegen dreimal täglich ein Mittel eingenommen werden, sind es nur noch 6 von 10 Patienten. Daniels: „Die geschickte Auswahl von Arzneimitteln kann also dazu beitragen, dass eine Therapie langfristig erfolgreich ist.“

Laut der vor kurzem veröffentlichten „Europäischen Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck“ sind Zweier- oder Dreier-Kombipräparate als Therapiestandard anzusehen. Daniels: „Aber sie sind bislang erst für die Patienten zugelassen, bei denen Monopräparate nicht ausreichend wirken. Noch hinken viele Zulassungen also der Leitlinie hinterher.“ Kombipräparate können aber auch Nachteile haben: Denn durch das feste Mischungsverhältnis kann der Arzt bei seiner Verordnung schlechter auf individuelle Besonderheiten eingehen. Zudem sind Kombipräparate für den Beginn einer Therapie oft nicht verfügbar, wenn die Dosis der Wirkstoffe langsam gesteigert werden muss.

Eingestellt am: 11. Februar 2019