Ein rtCGM-System erleichtert das Diabetes-Management

Mit einem rtCGM-System den insulinpflichten Diabetes besser managen

Interview mit dem Diabetologen Dr. Jens Kröger

Diabetiker möchten ein möglichst unbeschwertes Leben führen, sicher und selbstbestimmt. Die rtCGM-Technologie hilft ihnen dabei. rtCGM: Was ist damit gemeint? Ein Real-Time-Messgerät (rtCGM) informiert automatisch über Zuckerwerte in Echtzeit und warnt früh vor Über- oder Unterzuckerung. Hier beantwortet der Diabetologe Dr. med. Jens Kröger vier Fragen zur rtCGM-Technologie.

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Herr Dr. Kröger, in der Behandlung von Diabetes ist in den vergangenen Jahrzehnten viel passiert. Heute geschehen Innovationen in immer kleineren Schritten. Von der Blutzuckermessung aus den 1980ern zur digitalen Glukosemessung und Technik unterstütztem Diabetesmanagement. Ist ein rtCGM-System in Verbindung mit der Insulin-Therapie die Zukunft?

Das Diabetesmanagement unterliegt seit Jahren einem kontinuierlichen Wandel. Therapieanpassungen, die noch in den 1980er Jahren per Urin- und Blutzuckerkontrollen erfolgten, können heute mit Hilfe von digitalen Systemen durchgeführt werden. So gibt es Glukosesensoren, die den Glukosewert kontinuierlich ermitteln und damit Menschen mit Diabetes in Echt-Zeit zum aktuellen Glukoseprofil und der korrekten Insulinberechnung informieren. Oder es sind Glukosesensoren im Einsatz, die Glukosewerte an eine Insulinpumpe senden, damit diese die Insulinzufuhr nach Bedarf des Patienten reduziert oder erhöht (Hybrid-Closed-Loop), um die Glukosewerte im angestrebten Zielbereich zu halten.

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Durchführbar ist der Datentransfer vom rtCGMSystem aus via Smartphone als App oder via Diabetessoftware und Cloud. Diese digitalen Voraussetzungen stellen die Basis der heutigen telemedizinischen Sprechstunde dar. Eine solche technische Unterstützung macht es möglich, dass Menschen mit Diabetes auch in Corona- Zeiten effektiv und zeitnah betreut werden können. Menschen mit Diabetes erhalten durch die kontinuierlichen Gewebeglukosedaten der rtCGM-Systeme Hilfe und Informationen im Alltag, die sie viel direkter und komfortabler Therapieentscheidungen treffen lassen können. So sorgen Trendanzeigen, vorausschauende Warnungen und Alarme des Systems für einen entspannteren Alltagsablauf und ermöglichen rechtzeitige Reaktionen und Therapiehandlungen, um die Glukosewerte im Zielbereich zu halten.

Diabetologe Dr. med. Jens Kröger im Experten-Interview
Dr. med. Jens Kroeger | Foto © Archiv

Wo liegt der Unterschied zwischen einem rtCGM-System und einem iscCGM-System für Arzt und Patient?

Systeme zur kontinuierlichen Gewebeglukosemessung, rtCGM-Systeme (real-time), und iscCGM-Systeme (intermittend scanning), auch FGM-Systeme (Flash glucose monitoring) genannt, messen die Glukose im Unterhautfettgewebe. Beim FGM-System werden die Glukosewerte durch das Scannen des Sensors abgerufen und können vom Nutzer manuell auf Smartphone oder Empfangsgerät eingesehen werden, beim rtCGM-System ist dieser Schritt nicht nötig, da die Werte direkt auf der App oder dem Reader erscheinen, damit spart sich der Diabetiker einen Arbeitsschritt. Die direkte Verfügbarkeit der Glukosewerte auf dem Smartphone ist vor allem wichtig, wenn Warnungen und Alarme den Patienten zu hohen und niedrigen Glukosewerten informieren und damit die Möglichkeit zum rechtzeitigen Handeln bei Über- oder Unterzuckerungen geben.

Zusätzlich ist bei beiden Systemen die Möglichkeit gegeben, die ermittelten Glukosewerte kontinuierlich mit anderen Personen zu teilen (Follow-Funktion So sehen Eltern, wie es um den aktuellen Glukoseverlauf ihres Kindes aktuell bestellt ist, oder ältere Menschen finden Unterstützung beim Diabetesteam oder der Familie, die gegebenenfalls mitschauen. Es gibt heute rtCGM-Systeme, die bereits mit Smart Pens und Insulinpumpen oder Gesundheits-Apps kommunizieren, sogenannte interoperable Systeme oder auch iCGM-Systeme. Diese bereiten dem Arzt, dem Diabetesteam und dem Patienten die Daten des Gesundheitsstatus konsolidiert auf und können damit Zeit und Aufwand der Teams in Klinik und Praxis reduzieren. So gibt es für Glukosesensoren eine Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten mit anderen digitalen Unterstützern, die Diabetesteams und Patienten die Möglichkeit bieten, das für sie passende System auszuwählen und zusammenzustellen. Denn die Bedürfnisse nach digitaler Unterstützung sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile der Anwendung von interoperablen Systemen? Wie unterstützen ergänzende Software oder Apps die Therapie?

Der Einsatz von interoperablen Systemen kann bei Menschen mit Diabetes für eine stabilere Stoffwechsellage sorgen und die Anzahl von Über- und Unterzuckerungen reduzieren. Unterschiedliche Diabetes-Apps, Insulin- pumpen, Diabetes-Software, Fitnesstracker etc. können mit einem rtCGM-System kommunizieren und Daten austauschen. Eine große Erleichterung für den Diabetesalltag bietet die Kombination und der Datenaustausch von rtCGM-Systemen und einer Insulinpumpe. So gibt es Insulinpumpen, die vorausschauend in der Lage sind, die Insulinzufuhr bei Hypoglykämiegefahr abzuschalten oder sogar zusätzlich bei erhöhten Glukosewerten automatisiert Insulin kontrolliert und sicher zuzuführen. Neue Funktionen werden via Software-Updates aufgespielt, sodass der Mensch mit Diabetes nicht jedes Mal eine neue Pumpe benötigt. Durch die Unterstützung eines rtCGM-Systems ist es möglich, die Adhärenz von Menschen mit Diabetes für ein effektives Diabetesmanagement zu steigern, damit die Zeitanteile im Glukose-Zielbereich (Time in Range zunehmen können und sich die Stoffwechsellage langfristig stabilisiert. Der Mensch mit Diabetes kann mit Hilfe eines rtCGM-Systems seinen Alltag nach seinen Bedürfnissen gestalten, da er den Sensor zuhause selbst setzen kann, dank vorausschauender Warnungen und Hyposicherheitsalarm täglich weniger Unter- oder Überzuckerungen erlebt und allgemein eine bessere Stoffwechseleinstellung erreichen kann. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist, dass Menschen mit Diabetes mellitus dahingehend mit strukturierten Schulungsprogrammen geschult werden. Für Diabetologen ist auch die Nutzung einer Diabetes- Software ein enormer Zugewinn, da wir auf einem Blick Informationen zur Stoffwechsellage als auch zu Trends des Glukoseverlaufes zur Verfügung haben und so viel genauer die Therapiequalität bewerten und zielgerichtete Therapieentscheidungen treffen können.

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