Diabetischer Fuß: Wenn die Nerven leiden

Der diabetische Fuß kann behandelt werden

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Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühl: Mit solchen Beschwerden macht sich ein diabetischer Fuß bemerkbar. Diabetiker sollten diese Alarmsignale unbedingt ernst nehmen.

Bei mehr als jedem dritten Diabetiker entwickelt sich aufgrund der Stoffwechselstörung ein diabetischer Fuß: Durch langjährig erhöhte Blutzuckerwerte werden vor allem die empfindlichen Nervenbahnen geschädigt, die bis in die Zehen reichen. Ärzte sprechen auch von der diabetischen Neuropathie. Sie macht sich zuerst durch mehr oder weniger auffällige Anzeichen an den Füßen bemerkbar. Manche Betroffene leiden unter starken Beschwerden, andere nehmen die Nervenschädigung kaum oder gar nicht wahr. In beiden Fällen ist die Gesundheit der Nerven und Füße gefährdet.

Ärzte appellieren daher: „Wichtig ist es, die Warnsignale für Nervenschäden an den Füßen rechtzeitig zu erkennen und ernst zu nehmen“, so Prof. Dr. med. Dan Ziegler, Diabetologe aus Düsseldorf und Vorsitzender der Nationalen Aufklärungsinitiative zur diabetischen Neuropathie. Denn je eher er erkannt wird, desto besser kann ein diabetischer Fuß behandelt und seinen Komplikationen entgegengewirkt werden.

Nächtliche Quälgeister

Sobald man im Bett liegt, schmerzen, brennen oder kribbeln beide Füße. Das sind typische Hinweise auf eine Neuropathie. Beschwerden, die durch Nervenschäden verursacht werden, treten oft symmetrisch an beiden Füßen auf und verschlimmern sich in Ruhe oder in der Nacht. Werden Schmerzen hingegen beim Gehen heftiger, kann dies auf Durchblutungsstörungen oder orthopädische Probleme hinweisen. In jedem Fall sollte eine Abklärung durch den Arzt erfolgen.

Wenn die Füße immer kalt sind, sollte man das mal mit der Hand überprüfen: Fühlen sich die Füße beim Anfassen warm an, obwohl man den Eindruck hat, sie seien kalt, senden die Nerven falsche Signale an das Gehirn. Eine Neuropathie kann die Ursache sein. Ebenso können Nervenschäden dazu führen, dass die Füße als heiß und brennend wahrgenommen werden, obwohl sie eigentlich normal temperiert sind.

Diabetischer Fuß: stumme Warnsignale

Oftmals nehmen die kranken Nerven weniger wahr, als sie sollten: Die Sohlen fühlen sich taub an oder die Füße können Berührungen, Temperaturen und echte Schmerzreize kaum noch empfinden. Gerade dieser schleichende Sensibilitätsverlust wird häufig nicht erkannt, ist aber gefährlich: Betroffene Diabetiker spüren nicht, wo der Schuh drückt, und das Risiko für unbemerkte Verletzungen steigt. Erste Hinweise auf diese „stummen“ Warnsignale liefern einfache Tests: Nehmen die Füße die Berührung einer Feder oder die Kälte eines Metallgegenstands noch wahr? Auch vom Arzt sollten die Füße regelmäßig untersucht werden. Er kann mit einfachen, schmerzlosen Tests prüfen, ob die Nerven intakt sind.

Sichtbare Folgen von Nervenschäden

Sind die kleinen Nervenfasern geschädigt, wird die Haut trocken und anfällig für Risse und Wunden. Durch schwächer werdende Nervensignale in den Füßen schwindet zunehmend auch die Fußmuskulatur. Dadurch werden Fehlstellungen wie Hammer- und Krallenzehen oder ein Hallux Valgus begünstigt. Alles zusammen erhöht das Risiko, dass unbemerkt Druckstellen und Blasen an den Füßen entstehen, die schlecht heilen.

„Zögern Sie nicht, bei Auffälligkeiten an den Füßen rechtzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber zu sprechen“, rät der Arzt Gidon Bönhof aus Düsseldorf. „Je eher, umso besser lassen sich Nervenschäden aufhalten, Symptome lindern und die Füße gesund erhalten.“ Um ein diabetisches Fußsyndrom zu vermeiden, ist es wichtig, die empfindlichen Füße täglich zu kontrollieren, sorgsam zu pflegen und auf geeignetes Schuhwerk zu achten. Die 10 wichtigsten Tipps, wie man die Füße bei Diabetes schützt, erklärt Bönhof in einem Video.

Eingestellt am: 4. Juni 2020