Kann man FFP2-Masken wiederverwenden?

FFP 2 Maske
Foto © U. Lentze

Immer mehr Menschen tragen auch im privaten Umfeld FFP2-Masken, um sich und andere vor dem SARS-CoV-2-Erreger zu schützen. Worauf Anwender und Anwenderinnen achten sollten und was genau sich hinter der Sieben-Tage-Regel verbirgt, lesen Sie hier.

Wie können mögliche SARS-CoV-2-Erreger auf und in Masken mit einfachen Methoden von Nutzer*innen im privaten Haushalt effektiv eliminiert werden, ohne dass das empfindliche Maskenmaterial Schaden nimmt und die Wirksamkeit der Maske eingeschränkt wird? Dazu hatte ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftler*innen der FH Münster und der WWU Münster im Auftrag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geforscht und unterschiedliche im Haushalt durchführbare Herangehensweisen im Labor auf ihre Wirksamkeit hin untersucht.

Verschiedene Möglichkeiten der Aufbereitung von FFP2-Masken

Die Methoden der Aufbereitung reichten vom einfachen Trocknen über das Waschen der Masken bis hin zur thermischen Behandlung durch moderates Erhitzen. Dabei konnten die Wissenschaftler*innen zeigen, dass insbesondere die Temperatur ein entscheidender Faktor ist, um eine einfache und effiziente Wiederaufbereitung der FFP2-Masken zu erzielen.

„Wir haben im Hochsicherheitslabor umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden, wie lange SARS-CoV-2 auf FFP2-Masken bei unterschiedlichen Temperaturen infektiös bleibt. Dabei konnten wir zeigen, dass SARS-CoV-2 nicht nur bei Raumtemperatur über einen relativ langen Zeitraum eine infektiöse Wirkung behält, sondern auch bei 70 Grad Celsius nach einer Stunde noch infektiös bleibt“, so Professor Dr. Stephan Ludwig von der WWU Münster, Direktor des Instituts für Molekulare Virologie.

Nach sieben Tagen sinkt die Viruslast

Die Frage ist nur: Wie viele Tage braucht es, bis die Viruslast soweit gesunken ist, dass ein erneutes Tragen sinnvoll möglich ist? „Hier gilt die Sieben-Tage-Regel“, sagt Stephan Ludwig. Idealerweise sollten Privatpersonen eine FFP2-Maske jeweils nur einen Tag lang nutzen. Anschließend sollte die Maske eine Woche lang ruhen. In dieser Zeit verlieren potenziell auf den Masken befindliche Viren weitestgehend ihre Infektiosität, sodass anschließend eine Wiederverwendung möglich ist. Man benötigt also insgesamt sieben FFP2-Masken, um einen täglichen Maskenwechsel vornehmen zu können und einen geschlossenen Maskenkreislauf möglich zu machen. Diese Methode lässt sich sehr einfach für den Privatgebrauch umsetzen. „Nach einer Woche sind nur noch Erreger der eigenen Nasen-, Rachen- und Hautflora auf der Maske nachweisbar“, so Professor Dr. Alexander Mellmann, Direktor des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster.

Ab in den Ofen?

Wer die Regenerationszeit von einer Woche deutlich verkürzen und trotzdem eine vollständige Inaktivierung von SARS-CoV-2 erreichen möchte, für den ist im Privatbereich die Backofen-Methode bei 80 Grad Celsius eine echte Alternative. „SARS-CoV-2 zählt zu den behüllten Viren, und diese reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen“, sagt Prof. Dr. Martin Kreyenschmidt, Leiter des Instituts für Konstruktions- und Funktionsmaterialien der FH Münster. Gemeinsam mit seinem Team – Doktorandin Saskia Kerkeling und Doktorand Christian Sandten – hat er untersucht, wie hoch die Temperatur maximal sein darf, um die Viren, nicht aber die FFP2-Maske zu zerstören. „Von diesem Ansatz grundsätzlich ausgenommen sind allerdings vorgeformte Masken sowie Masken mit Atemventil“, so der Wissenschaftler.

Das optimale Ergebnis wird erzielt, wenn die FFP2-Maske für eine Stunde bei 80 Grad Celsius thermisch behandelt wird. Diese Methode ist einfach und effektiv und kann unter Nutzung des heimischen Backofens im Modus Ober-Unterhitze umgesetzt werden. Dabei sei es sehr wichtig, die Temperatur von 80 Grad Celsius einzuhalten, betont Professor Dr. Hans-Christoph Mertins von der FH Münster. „Viele Backöfen haben leider das Problem, dass die Bandbreite der Temperatur mitunter groß ist. So kann die tatsächliche Temperatur nach oben oder unten von den eingestellten 80 Grad Celsius abweichen.“ Wer die Backofen-Methode nutzen wolle, müsse also die Temperatur genau im Blick haben – das ist mit einem handelsüblichen Backofenthermometer zuverlässig machbar. Noch im Januar will das Team eine Alternative untersuchen, die ohne Temperaturkontrolle auskommt.

Wie sich das Maskenmaterial angesichts der thermischen Behandlung verhält, haben Kerkeling und Sandten genauestens analysiert. „Wir haben die Aufbereitung von FFP2-Masken aus unterschiedlichen Materialien mithilfe der Backofen-Methode im Labor analysiert und dabei insbesondere untersucht, ob es zu einer Beeinträchtigung des Maskenmaterials und damit der Schutzwirkung kommt“, so Sandten. Kreyenschmidt gibt Entwarnung: „Die Viruslast auf den Masken wird durch die Behandlung im Backofen vollständig eliminiert, wobei die Schutzwirkung unangetastet bleibt.“

Zum Weiterlesen:

Informationen zum Privatgebrauch von Masken finden Sie hier.

Antworten auf Fragen zum Coronavirus von der Charité Berlin

Eingestellt am: 19. Januar 2021