Corona-Epidemie: Aktiv gegen die Angst

Angst in Zeiten der Corona-Epidemie

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Home-Office, Kontaktsperre, Quarantäne: Die Corona-Epidemie stellt für uns alle eine extreme Ausnahmesituation dar. Ängste sind da ganz normal. Doch sie lassen sich aktiv bewältigen.

Die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung hat einige Tipps zusammengestellt, die Ihnen helfen, seelisch gesund durch die schwierige Zeit der Corona-Epidemie zu kommen:

Sorgen Sie für eine Tagesstruktur

Nutzen Sie die Zeit, die sie sonst mit dem Weg zur Arbeit verbringen, für ein Frühstück in Ruhe. Aber setzen Sie sich zur gewohnten Zeit an den Schreibtisch. Legen Sie einen „Arbeitsplatz“ in Ihren Räumen fest, den Sie zu den gewohnten Pausenzeiten verlassen. Wenn Ihre Tätigkeit sonst mit viel Kontakt zu Kollegen verbunden ist, versuchen Sie soweit wie möglich, diese Verbindung über das Telefon und digitale Medien aufrechtzuerhalten.

Bewegen Sie sich regelmäßig

Machen Sie zum Beispiel Dehnübungen oder Gymnastik, gerne auch bei geöffnetem Fenster. Angst ist vor allem eine körperliche Reaktion. Durch Bewegungsübungen und bewusstes Atmen signalisieren Sie sich selbst: „Jetzt in diesem Moment ist hier alles in Ordnung.“ Behalten Sie gegebenenfalls Ihre wöchentlichen Sportzeiten bei und weichen Sie auf Indoor-Aktivitäten aus. Apps und Videokanäle können dabei unterstützen.

Essen Sie gut und trinken Sie ausreichend

Für unsere psychische Stabilität ist die Ernährung eine wichtige Grundlage. Bei hohem seelischen Stress braucht unser Körper mehr Flüssigkeit. Regelmäßige Mahlzeiten helfen außerdem bei der Aufrechterhaltung einer Tagesstruktur.

Suchen Sie Ablenkung von der Corona-Epidemie

Neue und angstauslösende Situationen aktivieren unser Bindungssystem: Wir suchen die Nähe vertrauter Personen, bei denen wir Geborgenheit erleben. Wenn gleichzeitig soziale Kontakte zur Durchbrechung von Ansteckungsketten auf ein Minimum reduziert werden sollen, liegt hier wohl die größte Herausforderung. Ein kleiner Plausch mit ausreichend räumlicher Distanz auf dem Weg in den Supermarkt wird trotzdem möglich sein. Nutzen Sie diese Gelegenheiten bewusst. Lächeln Sie den Menschen, denen Sie begegnen, aus der Distanz zu. Lächeln aktiviert Hirnareale, die für Ihr Wohlbefinden sorgen, es vermittelt ein Gefühl von Solidarität.

Sprechen Sie mit Ihren Lieben zu Hause über die aktuelle Lage und nehmen Sie die Sorgen anderer ernst. Aber begrenzen Sie diese Gespräche auch bewusst zugunsten anderer Aktivitäten wie gemeinsames Spielen, Musik hören oder Filme anschauen. Sich abzulenken ist erlaubt und wichtig! Denken Sie auch an Alleinstehende in Ihrem Umfeld – jetzt ist die Zeit für regelmäßige Telefonate. Sich um andere zu kümmern, kann eine gute Bewältigungsstrategie sein.

Jetzt kann auch zuhause etwas erledigt werden

Viele Freizeitaktivitäten sind gerade nicht möglich. Sich zu beschäftigen, ist für manche Menschen ohne Anregung von außen eine Herausforderung. Einiges lässt sich über Mediennutzung kompensieren. Achten Sie dabei darauf, sich maximal zweimal täglich mit Nachrichten zur Corona-Epidemie zu versorgen. Sie halten sonst Körper und Seele in einem permanenten Alarmzustand. Das kann auch die Schlafqualität beeinträchtigen.

Halten Sie Ausschau nach Beschäftigungsmöglichkeiten in Ihrer Wohnung. Jetzt ist Zeit für den Frühjahrsputz! Nehmen Sie sich für jeden Tag eine kleine Aufgabe vor, die sie erledigen wollen. Auch das hilft bei der Tagesstrukturierung und beugt depressiven Verstimmungen vor. Unser Gehirn liebt es, etwas geschafft zu haben! Aufräumen ist sehr geeignet für den Erhalt der seelischen Stabilität. Wenn draußen alles ungewiss ist – bei Ihnen ist etwas geordnet. Vielleicht ist jetzt auch die Zeit, lang vergessene Hobbys zu reaktivieren. Besonders geeignet ist alles, was Ihr Gehirn fordert, sodass Sie gar nicht dazu kommen, sich zu sorgen: zum Beispiel Sudoku, komplizierte Handarbeiten, Programmieren oder eine Sprache lernen. Probieren Sie aus, was zu Ihnen passt!

Eingestellt am: 23. März 2020