Resilienz: Der Selbst-Schutz vor Krisen

Resilienz bedeutet seelische Widerstandskraft: Menschen mit hoher Resilienz können seelische Belastungen, Stress und traumatische Erlebnisse besser verkraften.

Ein junger Mann grüblet.

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Die Tatsache, dass manche Menschen wie Stehaufmännchen auch nach starken seelischen Belastungen schnell wieder auf die Füße kommen, lässt vermuten, dass ihre mentalen Schutz- und Selbstheilungsmechanismen sehr gut funktionieren. Diese seelische Widerstandskraft heißt Resilienz – sie gilt als Wunderwaffe im Kampf gegen stressbedingte psychische Störungen.

Wer gelernt hat, Herausforderungen erfolgreich zu meistern, wird auch in Zukunft ähnliche Situationen besser bewältigen können. Psychologen, Neurowissenschaftler und Mediziner arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, dem Geheimnis der Resilienz auf die Spur zu kommen und wirksame Schutzmaßnahmen zur Vorbeugung seelischer Krisen zu entwickeln.

Resilienz kann man trainieren

Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Sucht haben häufig lange Vorlaufzeiten, in denen chronischer Stress oder kritische Lebensereignisse die seelische Belastbarkeit der Betroffenen Stück für Stück aushöhlen. Hier könnte ein präventives Resilienztraining frühzeitig ansetzen und die Entwicklung einer Krankheit im Keim ersticken.

Es gilt heute als sicher, dass Resilienz eine Fähigkeit ist, die jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt seines Lebens aufbauen und trainieren kann. Dabei geht es vor allem um hilfreiche psychologische Faktoren wie positives Denken und die Fähigkeit, flexibel auf belastende Lebensereignisse zu reagieren. Es macht einen großen Unterschied, ob ich mit meinem Schicksal hadere und mich als hilfloses Opfer sehe, oder ob ich die Situation akzeptieren und mich auf ihre Lösung konzentrieren kann. Weitere Merkmale von Resilienz sind die Fähigkeit, die eigenen Emotionen und Impulse kontrollieren und ein tragfähiges Netz aus sozialen Bindungen aufbauen zu können.

Meditation und Achtsamkeit helfen

Diese psychologischen Schutzmechanismen für die seelische Gesundheit sind mittlerweile gut erforscht und anerkannt. Entsprechende Methoden werden in der Stressbewältigung schon seit langem erfolgreich angewandt. Sie können in speziellen Resilienztrainings wie zum Beispiel dem MBSR Programm nach Jon Kabat-Zinn im Alltag eingeübt werden. Auch regelmäßige Meditation und Konzentrationsübungen aus dem Zen-Buddhismus haben eine positive Wirkung auf unsere geistigen Fähigkeiten und die innere Widerstandskraft.

Am europaweit ersten Resilienz-Zentrum an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz arbeiten seit letztem Jahr fachübergreifend Neurowissenschaftler, Mediziner und Psychologen daran, die grundlegenden Mechanismen der Resilienz zu entdecken. Die entscheidende Frage dabei lautet, welche Prozesse festlegen, wie das Gehirn eine bestimmte Situation oder einen bestimmten Reiz bewertet.

Berufliche Überlastung gefährdet die Gesundheit

Aus diesem Grund hat das Resilienz-Zentrum mehrere Langzeitstudien auf den Weg gebracht. Dabei spielt vor allem das Thema Resilienz im Arbeitsleben eine wichtige Rolle. Gerade hier ist die Gefahr groß, durch ständige Überforderung in einen Teufelskreis aus chronischem Stress und der damit verbundenen Gefahr einer seelischen Störung zu geraten.

Belastende Arbeitsbedingungen können auch Menschen krank machen, die von Natur aus eine robuste Gesundheit besitzen – denn der angeborene und erlernte Stressschutz kann unter Dauerdruck versagen. Deshalb ist hier auch die Verantwortung der Arbeitgeber gefragt, für gesunde Arbeitsbedingungen und positive Umweltfaktoren zu sorgen.

Weitere Informationen zum Thema seelische Krisen bietet das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit.

Eingestellt am: 11. Januar 2018