Psychosomatik: Wenn Körper und Seele gemeinsam leiden

Körperliche Beschwerden ohne erkennbare Ursache sind nicht selten auf psychische Belastungen zurückzuführen. Gut, wenn der behandelnde Arzt sich auf Psychosomatik versteht.

Mann sitzt depressiv im Tunnel.

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Die Psychosomatik versteht den Menschen als geistig-seelisch-sozial-körperliche Einheit: Sie berücksichtigt seelische und soziale Faktoren bei der Krankheitsentstehung. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO finden Ärzte bei jedem vierten Patienten für körperliche Leiden keine organische Ursache. Häufig handelt es sich dabei um Schmerzen und Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems, des Magen-Darm-Trakts oder des Bewegungsapparats.

Bestimmte Organe reagieren besonders empfindlich auf seelische Erschütterungen. Als typische psychosomatische Erkrankungen gelten Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre, Darmentzündungen, Asthma, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Migräne, manche Hautkrankheiten, einige rheumatische Erkrankungen und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte. Nicht selten führt eine anhaltend hohe psychische Belastung zu Depressionen, die manchmal sogar das Herz angreifen und schließlich einen Infarkt auslösen können.

Die Psychosomatik sieht den ganzen Menschen

Organische Leiden kann ein Mediziner in der Regel schnell feststellen und eine entsprechende Therapie verordnen. Doch die seelischen Hintergründe einer psychosomatischen Erkrankung werden oft übersehen. Obwohl diese Störungen in unserer hektischen Leistungsgesellschaft aufgrund der permanenten Überforderung vieler Menschen zunehmen, werden sie nur selten richtig diagnostiziert.

Denn auch in der Arztpraxis herrscht Zeitmangel: Das durchschnittliche Arztgespräch dauert acht Minuten, und meist redet dann der Arzt. Wenn trotz sorgfältiger körperlicher Untersuchung keine organische Ursache für die Beschwerden gefunden wird, beginnt häufig eine Odyssee von Arzt zu Arzt. Manche Patienten kommen sich dabei so vor, als würden sie insgeheim für Simulanten gehalten. Es fehlt einfach die Zeit, ausführlich nach Belastungen im familiären Bereich oder am Arbeitsplatz zu forschen, die zu den Beschwerden geführt haben könnten.

Körper und Seele hängen zusammen

Die Lehre der Psychosomatik besagt: Körper und Seele hängen untrennbar zusammen. Das weiß auch der Volksmund, Redewendungen wie „Aufregung lässt das Herz schneller schlagen“ oder „Ärger schlägt auf den Magen“ belegen es. Dass aus dem engen Zusammenspiel von Seele (griechisch: Psyche) und Körper (Soma) Erkrankungen entstehen können, wussten schon die Ärzte der Antike. Wie sich psychosomatische Störungen genau herausbilden, ist aber bis heute nicht völlig geklärt. Viele Experten halten sie für das Ergebnis andauernder, häufig unbewusster seelischer Konflikte, die an einer „Achillesferse“ des Körpers Symptome auslösen.

Das Wechselspiel zwischen der Psyche, dem Nervensystem, dem Immunsystem und dem Hormonsystem wird seit fast 40 Jahren in einem eigenständigen Forschungsbereich untersucht – der Psychoneuroimmunologie. Sie hat vielfältige Zusammenhänge aufgedeckt und unter anderem durchleuchtet, wie Nerven- und Immunzellen miteinander kommunizieren und wie sich chronischer Stress auf Gehirn, Hormondrüsen und Immunsystem auswirkt.

Gespräche als wesentlicher Teil der Therapie

Psychosomatische Störungen sind gut behandelbar. Gerade wenn für anhaltende Beschwerden keine körperliche Ursache gefunden werden kann, sollten auch seelische und soziale Aspekte bedacht werden. Im Zentrum der Behandlung steht immer das therapeutische Gespräch, ergänzt durch weitere Angebote wie Musik-, Kunst- und Bewegungstherapie bei Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Nicht zuletzt ist die Mitarbeit des Patienten, das sogenannte Selbstmanagement, wichtig: Eine achtsame Alltagsgestaltung, in der sich Stress und Entspannung die Waage halten, können nach und nach helfen, sich wieder gesund und munter zu fühlen.

Eingestellt am: 14. September 2017