Mikrobiom-Forschung: Was ist dran an Ernährungstrends?

Welche Rolle spielen Ernährungstrends für das Mikrobiom
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Das Mikrobiom ist zur Zeit das Trendthema der Magen-Darm-Forschung. Intervallfasten, vegane Ernährung oder Zuckerverzicht – die Hypothesen rund um die Art und Weise, wie wir essen sollten, um unser Mikrobiom zu optimieren, reißen nicht ab.

Professorin Hannelore Daniel klärt auf: „Auch wenn ich es mir als Ernährungswissenschaftlerin anders wünschen würde, aber die Wahrheit ist: Einflüsse der Ernährungsweise auf das Mikrobiom und seine Diversität sind nach heutigem Kenntnisstand erstaunlich gering. Wir können es durch Ernährung eben nur marginal beeinflussen. Vielmehr fungiert es so einzigartig wie ein Fingerabdruck.“ Die Ernährung spielt also eine viel kleinere Rolle als gedacht – schon gar nicht einzelne Lebensmittel. Das bedeutet: Probiotischer Joghurt aus dem Supermarkt kann kaum Einfluss aufs Darmmikrobiom nehmen. „Probiotische Produkte, ob Joghurt oder Kapsel, zeigen letztlich – wenn überhaupt – nur minimale Wirkungen auf die Vielfalt der Bakterien und deren biologische Aktivität. Selbst in Studien mit etablierten Ballaststoffen, von denen man eigentlich weiß, dass diese sich auf die Stuhlkonsistenz auswirken und bei Verstopfung helfen sollen, haben in Bezug auf das Mikrobiom nur bescheidene Ergebnisse gezeigt“, so die Expertin.

Haben Ernährungstrends wie Intervallfasten oder vegane Ernährung Einfluss auf die Darmflora?

Intervallfasten, bei dem etwa nur innerhalb einer bestimmten Stundenanzahl am Tag gegessen und die restlichen Stunden gefastet wird, hatte in den wenigen Studien am Menschen praktisch keine nachweisbaren Effekte auf das Mikrobiom. Gleiches scheint für die vegane Ernährung zu gelten: In einer Studie mit dem Vergleich einer rein pflanzlichen gegen eine rein tierische Kost ergaben sich keine signifikanten Effekte bei der Diversität der Mikrobiota, obwohl bei den beiden Kostformen extreme Unterschiede in der Zufuhr an Protein oder an Ballaststoffen bestehen. Hier sind viel mehr Studien notwendig, die prüfen, wie und wann sich eine Ernährungsumstellung in einer nennenswerten Änderung des Darmmikrobioms widerspiegelt.

Fokus Verdauung: Hör auf deinen Darm!

Wir halten fest: Das Mikrobiom zeigt sich unbeeindruckt von dem, was wir essen. Unsere Verdauung auch? Eine Umfrage*) zeigt: Knapp 80 Prozent der Befragten glauben: „Ja, mit einer gesunden Ernährung kann man eine Verstopfung vermeiden!“ Das ist weitestgehend richtig. Mit einer ballaststoffreichen Ernährung kann man die Stuhlkonsistenz langfristig verbessern und einer Verstopfung vorbeugen. Für eine schnelle Erleichterung bei Verstopfung stoßen Ballaststoffe aber an ihre Grenzen, hier kann der Griff zum Abführmittel  helfen. Und: Auch bei einer ausgewogenen Ernährung kann es zu Verstopfung kommen. Prof. Daniel: „Dieser Kenntnisstand macht auch Mut zu mehr Gelassenheit. Wir sollten essen, was uns schmeckt – und was wir gut vertragen.“ Und damit der Devise folgen: Weniger selbstoptimieren wollen, mehr in sich hinein und auf den Darm hören!

 

*)Darmtrend-Umfrage 2021 im Auftrag von Sanofi. Befragt wurden 1078 Frauen und Männer der deutschen Bevölkerung ab 18 Jahren, die in den letzten zwölf Monaten an Verdauungsbeschwerden (wie harter, unregelmäßiger Stuhlgang oder Verstopfung) litten. Bilendi; Februar 2021 

 

Eingestellt am: 7. Juni 2021