Massagen: Die Kraft der Berührung

Berührung ist ein menschliches Grundbedürfniss und eine ganz besondere Art, miteinander zu kommunizieren. Massage-Formen aus aller Welt nutzen unsere Sehnsucht nach Körperkontakt für mehr Wohlbefinden und Gesundheit.

Ein Paar genießt die erholsame Massage mit schönen Düften.

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Berührungen sind etwas Wunderbares: Sie vermitteln Emotionen, Empfindungen und transportieren Botschaften. Ganz unabhängig von Alter und Geschlecht, quer durch alle Kulturkreise und sozialen Schichten sind sie ein Urbedürfnis des Menschen. Dabei sind es oft nur kleine Gesten und flüchtige Körperkontakte, die Großes bewirken. Ein sanftes Streicheln über den Kopf kann Trost spenden und Mut machen, eine freundschaftliche Umarmung Zuneigung und Verbindlichkeit ausdrücken, ein Schulterklopfen Anerkennung und Respekt bekunden.

Streicheleinheiten sind lebenswichtig

Der Tastsinn ist der erste und feinste Sinn des Menschen. Schon lange bevor ein ungeborenes Baby im Mutterleib sehen und hören kann, entwickelt sich sein Tastsinn. Und nach der Geburt ist Körperkontakt für Säuglinge lebenswichtig, ebenso elementar wie die tägliche Nahrung. Berührungen vermitteln dem neuen Erdenbürger ein Gefühl von Sicherheit, Schutz und Geborgenheit. Deshalb können Eltern ihr Baby gar nicht oft genug sanft in den Armen wiegen, es streicheln, liebkosen und ganz nah am eigenen Körper tragen. Auch sanfte Babymassagen können dazu beitragen, dass das kleine Wesen zu einem gesunden, emotional stabilen Menschen heranwächst.

Nicht nur im Babyalter, sondern ein Leben lang sind Massagen eine wahre Wohltat für Körper, Geist und Seele. Wenn die geübten Hände eines Physiotherapeuten oder Masseurs warm und weich, mal mit sanf-tem Druck und mal kräftig knetend über die Haut gleiten, spürt der Mensch seinen Körper vom Kopf bis zu den Zehenspitzen. Das beruhigt, entspannt, tut gut.

Eine Massage geht im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut – löst Muskelverspannung und Verhärtungen, kurbelt die Hautdurchblutung an, verbessert die Beweglichkeit und kann Schmerzen lindern. Das liegt unter anderem daran, dass der Körper beim Massieren vermehrt Glückshormone, so genannte Endorphine, freisetzt. Das erklärt auch, warum geübte Handgriffe den Stresspegel senken und ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit hervorrufen können.

Massagen mit Wohlfühlfaktor

Wärme, duftende Aromaöle und entspannende, leise Musik können den Wohlfühlfaktor noch verstärken. Dieses Wissen machen sich viele traditionelle und moderne Massage-Techniken zunutze, beispielsweise die Lomi-Lomi-Massage aus Hawaii, bei der der Masseur mit Kokosöl, sanftem Druck und kräftigen Knetbewegungen arbeitet. Auf duftende Öle, Wärme und kräftige, großflächige Berührungen setzt die Esalen-Massage, die in Kalifornien entwickelt wurde. Als „Kunst der bewussten Berührung“ soll sie für Tiefenentspannung sorgen.

Energieblockaden zu lösen, haben sich viele fernöstliche Massagetechniken zur Aufgabe gemacht, so zum Beispiel die chinesische Tuina-Massage. Diese Form der Akupressur ist Teil der traditionellen chinesischen Medizin. Der Masseur behandelt Verspannungen durch kräfti-ges Drücken und Kneten mit den Fingern, den Handballen, Handrücken und Unterarmen.

Thai- und Ayurveda-Massagen: Entspannung pur

Um bestimmte Energiebahnen des Körpers anzuregen, hat sich die Thai-Massage bewährt. Geknetet und gepresst werden Haut und Muskulatur unter Einsatz des ganzen Körpers. Unter anderem arbeitet der Masseur mit den Handballen, Unterarmen, Knien und Füßen. Und damit nicht genug: Durch Ziehen und Heben der Arme und Beine sollen die Muskeln gestreckt werden. Was nach akrobatischer Höchstleistung aussieht, soll den ganzen Körper schließlich lockern und angenehm entspannen.

Andere Massagetechniken, die körperliche und seelische Entspannung versprechen, sind beispielsweise Hot-Stone-Massagen mit Ölen und warmen Steinen, sowie Ayurveda-Massagen, bei denen verspannte Muskeln nach indischem Vorbild mit traditionellen, duftenden Ayurveda-Kräuterölen und langsamen, zentrierenden Bewegungen behandelt werden.

Medizinische Massagen: Heilsame Handgriffe

Während Wellness-Massagen in erster Linie das Wohlbefinden fördern und Blockaden lösen sollen, haben medizinische Massagen und manuelle Therapien die Aufgabe, Beschwerden zu lindern. Die klassische Massage, auch schwedische Massage genannt, soll unter anderem verspannungsbedingte Schmerzen und Erkrankungen des Bewegungsap-parates gezielt lindern. Medizinische Massagen können – im Gegensatz zu Wellness-Massagen – vom Arzt auf Rezept verordnet werden. Physiotherapeuten behandeln Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen dann mit geschulten Griffen und bewährten Techniken.

Eine der bekanntesten manuellen Therapien ist die Osteopathie, bei der der Therapeut mit sensiblen Techniken Einschränkungen und Störungen des Bewegungsapparates und der inneren Organe ertastet. Die behutsame Behandlung, bei der die einzelnen Körperstruk-turen sanft gedehnt und bewegt werden, soll Blockaden lösen und dem Körper wieder zu seinem inneren Gleichgewicht verhelfen. Genaue Kenntnisse der Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers sind für Osteopathen enorm wichtig und fester Bestandteil ihrer mehrjährigen Ausbildung.

Mit zarten Berührungen verwöhnen

Doch auch, wer weder Lust auf fernöstliche Massagekunst hat noch wegen akuter Beschwerden zum Physiotherapeuten muss, kann von der Kraft der Berührung profitieren. Angenehm ist es beispielsweise, sich die strapazierte Nacken- und Rückenpartie hin und wieder vom Partner sanft massieren zu lassen – mit streichelnden Bewegungen und einem duftenden Aromaöl.

Eine Wohltat nach einem langen Arbeitstag ist auch eine kleine Fußmassage, die man auch prima in Eigenregie durchführen kann. Dazu nach dem Duschen einfach einen Klecks Fußcreme auf beide Füße geben und sie mit leichtem Druck und kreisenden Bewegungen in die Haut einmassieren. Bedenkt man, dass in jedem Fuß rund 70.000 Nerven enden, ist es nicht weiter verwunderlich, dass unsere Füße besonders empfänglich für zarte Berührungen sind.

Eingestellt am: 22. Oktober 2015