Herdenimmunität – was ist das?

Impfung der Gesellschaft

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Wenn ausreichend viele Menschen gegen einen Krankheitserreger immun sind – sei es durch eine überstandene Infektion oder durch eine Impfung -, ist die ganze Gesellschaft davor geschützt. Experten sprechen dann von „Herdenimmunität“.

In die Diskussion um das Thema Herdenimmunität während der Corona-Krise hat sich Anfang April 2020 die mehrfach ausgezeichnete Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim in einem Kommentar in der Tagesschau eingemischt und betont die große Bedeutung einer Impfung für das Ende der Epidemie.

Jeder der sich, wenn verfügbar, für eine Impfung entscheidet, trägt zur Herdenimmunität bei

Wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, breitet sich der Erreger nicht aus. Er dringt also nicht zu Menschen vor, die nicht immun sind. Dies funktioniert wie eine Brandschneise bei Feuer – das Feuer breitet sich nicht aus. Genauso verhindert eine große Gruppe von Geimpften die Ausbreitung eines Krankheitserregers – wir unterbrechen die Infektionskette.

Diese Herdenimmunität ist wichtig, denn sie schützt auch die Mitmenschen , die sich nicht impfen können. Dazu zählen Säuglinge, nicht-immune Schwangere, Menschen mit Immundefekt, AIDS-, Transplantations- und Krebspatienten.

Impfungen schützen auch die Mitmenschen

Eine Infektionskrankheit hat man sich leicht eingefangen. Gerade vermeintlich harmlose „Kinderkrankheiten“ wie Masern, Mumps und Röteln sind sehr infektiös. Sie können nicht nur für Kinder, sondern auch für manche Erwachsene gefährlich werden. Das Masernvirus etwa überträgt sich durch Tröpfcheninfektion, ein Husten oder ein Gespräch mit einem Infizierten reichen aus. An Masern erkranken immer mehr junge Erwachsene, die weder geimpft noch nach Durchleiden der Erkrankung immun sind. Eine hohe Durchimpfungsrate schafft Abhilfe. Sie bietet nicht nur dem Geimpften Schutz, sondern geht in ihrer Wirkung noch weit darüber hinaus.

Herdenimmunität in Gefahr

Impfmüdigkeit ist dagegen der größte Feind der Herdenimmunität. Bei sinkenden Durchimpfungsraten sind zwar die Geimpften selbst geschützt, doch der wertvolle Schutz der Gesellschaft entfällt – die Brandschneise ist zu klein. Mögliche Konsequenzen einer sinkenden Durchimpfung beobachteten Forscher in Griechenland in den 1990er Jahren: Rötelninfektionen in der Schwangerschaft führten zu embryonalen Missbildungen.

Der Grund: Die Impfrate hatte in den 1980er Jahren unter 50 Prozent gelegen. Im günstigsten Fall können wir eine gefährliche Krankheit durch eine ausreichend Impfrate in der Bevölkerung ganz ausrotten. Beispiel Pocken: Hier konnten wir durch ein weltweites Impf- und Bekämpfungsprogramm erreichen, dass die Welt vor über 30 Jahren für pockenfrei erklärt wurde.

Zuletzt geändert am 14. April 2020

Eingestellt am: 25. November 2013