Gut beraten bei Diabetes

Wie beuge ich Folgeschäden vor? Am Weltdiabetestag informierte unser Experte bei einer Telefonaktion über aktuelle Therapien.

Spätfolgen vermeiden durch eine gute Einstellung des Diabetes

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Nach aktuellen Schätzungen leben mindestens 7,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland mit einer Diabetes-Erkrankung, die meisten davon mit Typ-2-Diabetes. Die Zahl der Erkrankten wird in den kommenden 2 Jahrzehnten deutlich ansteigen. Die Wissenschaft prognostiziert, dass in 20 Jahren bis zu 12 Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkrankt sein könnten. Welche Maßnahmen geeignet sind und was Diabetiker wissen sollten, um mit ihrer Erkrankung gut leben zu können, erfuhren Betroffene und interessierte LeserInnen während einer kostenfreien Online-Telefonaktion von unserem Experten Dr. med. Michael Meixner, Facharzt für Allgemeinmedizin und Diabetologe aus Witzenhausen.

Lesen Sie hier eine Zusammenfassung neuer Therapieansätze mit Magnesium, Ergebnisse aus der Ernährungsforschung und Nützliches für den Alltag.

Woran erkenne ich eigentlich Diabetes?

Typisch für einen Diabetes ist ein auffällig häufiger Harndrang, starkes Durstgefühl sowie Erschöpfung und Müdigkeit. Zudem können eine trockene, juckende Haut und manchmal Gewichtsverluste, aber auch Übelkeit, Schwindel und Erbrechen sowie ein säuerlicher Geruch in der Atemluft ein Hinweis sein. Wer den Verdacht hat, an einem Diabetes zu leiden, sollte das umgehend mit seinem Hausarzt abklären.

Wie äußert sich eine Über- bzw. Unterzuckerung?

Eine Unterzuckerung (med. Hypoglykämie) kündigt sich mit Schweißausbrüchen, Heißhunger und Herzklopfen an. Eine Entgleisung des Blutzuckers nach oben (med. Hyperglykämie) dagegen mit Müdigkeit, häufigem Urindrang und starkem Durst, Übelkeit und einem Azetongeruch des Atems (riecht wie Nagellackentferner oder faulige Äpfel).

Wie erreiche ich stabile Blutzuckerwerte?

Durch eine gesunde Ernährung und Bewegung. Hier reicht zu Beginn schon regelmäßiges Gehen, z.B. nach jeder Mahlzeit ein zehn bis 15-minütiger Spaziergang oder Gymnastik. So regen Sie ihr Organsystem an und vermeiden hohe Blutzuckeranstiege nach den Mahlzeiten. Stellen Sie sich ihr eigenes Krafttrainingsprogramm zusammen und üben Sie regelmäßig zwei bis dreimal pro Woche. Bevorzugen Sie Klassiker wie z.B. Kniebeugen, Liegestütze, Sit-ups und Hampelmänner, die Sie bequem zu Hause durchführen können. Finden Sie die richtige Dosierung, um dauerhaft dabei zu bleiben. Wenn Sie sich alleine nicht gut motivieren können, schließen Sie sich einer Sportgruppe in einem Verein an. Auf der Homepage https://www.diabetes-programm-deutschland.de/ finden Sie zudem ein deutschlandweites Sportprogramm für Diabetiker aller Altersklassen.

Warum ist Magnesium so wichtig für Diabetiker?

Magnesium spielt eine wichtige Rolle im Zuckerstoffwechsel. Liegt ein Magnesiummangel im Körper vor, kann Zucker aus dem Blut nicht mehr so gut von den Körperzellen aufgenommen werden und der Blutzuckerspiegel steigt an. Diabetiker vom Typ 2 können daher von einer regelmäßigen Magnesium-Einnahme profitieren, weil sie über die Nieren mehr Magnesium ausscheiden als gesunde Menschen. Entsprechend dosierte, gut verträgliche Präparate können die tägliche Magnesiumzufuhr nicht nur von Diabetikern optimal sichern (z.B. Biolectra Magnesium). Dabei sind bei der Einnahme Wechselwirkungen mit Diabetes-Medikamenten nicht zu befürchten. 

Sollten Diabetiker Magnesium zuführen?

Gemäß den Richtlinien für die Ernährung bei Diabetes sollten Diabetiker auch auf magnesiumreiche Lebensmittel achten. Die Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. empfiehlt, sehr früh mit der langfristigen Einnahme eines Magnesiumpräparats zu beginnen. Insbesondere dann wenn andere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Schwangerschaft oder die Einnahme von Entwässerungsmedikamenten vorliegen. 300 bis 400 Milligramm Magnesium pro Tag entsprechen den offiziellen Empfehlungen. Diabetiker sollten bevorzugt biologisch angebaute grüne Blattgemüse, frische Erbsen, Amaranth, Kürbis- und Sonnenblumenkerne oder Mandeln verzehren, um ihren Magnesiumspeicher wieder aufzufüllen.

Welche Regeln gibt es für die Zufuhr von Zucker?

Aus medizinischer Sicht sollten Sie Zucker in Flüssigkeiten (z.B. in Kaffee, Tee, Limonaden oder Energy Drinks) möglichst vermeiden, da er die Blutwerte rasant in die Höhe treibt. Etwas anders verhält es sich mit Zucker, der mit Fett kombiniert ist, wie z.B. in Schokolade oder Mousse. In diesem Punkt sind die Empfehlungen für die Ernährung bei Diabetes liberaler geworden: 30 Gramm Zucker pro Tag sind in Ordnung, wenn der Diabetes gut eingestellt ist, der Zucker in den Kohlenhydratanteil einer Mahlzeit eingerechnet wurde und nicht zusätzlich aufgenommen wird. Außerdem sollte die Ernährung reich an Ballaststoffen sein.

Kann Magnesium eigentlich auch über die Haut wirken?

Tatsächlich ist Magnesium einer der bestuntersuchten Mineralstoffe und die Wirkungen z.B. bei Diabetes, Migräne etc. sind nachweisbar. Dies gilt jedoch für eine orale Anwendung, also in Form von Kapseln, Trinkgranulat, Micro-Pellets und Brausetabletten und nicht über die Haut.

Ich habe einen Schwangerschaftsdiabetes. Was bedeutet das für die Zukunft?

Im Laufe der Schwangerschaft trifft es etwa vier von zehn Frauen. Ein Risikofaktor ist Übergewicht. In den meisten Fällen ist der Diabetes nach der Geburt des Kindes wieder verschwunden, trotzdem muss dieser behandelt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Gynäkologen darüber. Sie sollten ganz besonders Ihr Gewicht kontrollieren, denn Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln, neigen mit fortschreitendem Alter auch dazu, an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Welche Schädigungen können durch überhöhte Zuckerwerte entstehen?

Überhöhte Werte sind für zahlreiche gesundheitliche Schädigungen verantwortlich. So lagern sich Zuckermoleküle im Gewebe ab und schädigen z.B. die feinen Blutkapillaren in den Augen, was durch Netzhautschäden bis zur Erblindung führen kann. Weiterhin können Nieren und die Nerven betroffen sein. Zudem erhöht sich das Risiko für Verkalkungen in den Arterien (Arteriosklerose) –  Schlaganfall und Herzinfarkt drohen! Weitere häufige Erkrankungen in Folge zu hoher Blutzuckerwerte sind schlecht heilende Fußgeschwüre (diabetischer Fuß) und Durchblutungsstörungen in den Beinen (PAVK, periphere arterielle Verschlusserkrankung).

Ich habe Diabetes und bin oft niedergeschlagen. Gibt es einen Zusammenhang? Was hilft mir?

Damit sind Sie nicht allein. Tatsächlich fühlen sich viele Diabetiker in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Über 10 Prozent leiden an einer behandlungsbedürftigen Depression und weitere 20 Prozent an einer depressiven Stimmungsstörung wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Traurigkeit. Sie sollten weiterhin aktiv am Leben teilnehmen – das ist ganz wichtig. Achten Sie dabei trotzdem auf einen gesundheitsfördernden Lebensstil. Treffen Sie sich mit Freunden und der Familie. Verabreden Sie sich regelmäßige zum Spazierengehen an der frischen Luft. Oder besuchen Sie an der VHS einen Gruppen-Kochkurs für Diabetiker, in dem Theorie und Praxis verbunden wird. Sie lernen neue Leute kennen und können sich gegenseitig beim Verändern von Ernährungsgewohnheiten unterstützen.

Ich plane eine Flugreise nach Spanien. Was muss ich als Diabetikerin beachten?

Bei kurzen Flugstrecken sollten Sie während der Flugreise sowie auch anschließend im Urlaub häufiger ihren Blutzucker (Blutglukose) überprüfen, um starke Blutzuckerschwankungen aufgrund der Zeitumstellung, des veränderten Tagesablaufs und/oder unbekannter Speisen zu vermeiden.

Gibt es vorbeugende alltagstaugliche Maßnahmen?

Durchaus. Verzichten Sie zum Beispiel morgens nicht aufs Frühstücken. Laut aktueller Forschungsergebnisse kann bereits der Verzicht auf ein Frühstück an vier bis fünf Tagen pro Woche das Risiko für eine Diabetes-Erkrankung erhöhen. Das Fazit des Forschungsteams zeigt, dass zukünftige Studien notwendig sind, die die Zusammensetzung des Frühstücks sowie die Gründe für die beobachteten Zusammenhänge untersuchen. Grundsätzlich ist jedoch allen Menschen ein regelmäßiges und ausgewogenes Frühstück zu empfehlen.

 

 

Dr. med. Michael Meixner, Diabetologe und Facharzt für Allgemeinmedizin, beantwortete Ihre Fragen.

Eingestellt am: 14. November 2019