Diabetes: Vorsicht Unterzuckerung!

Zittern, Schweißausbrüche, Bewusstseinsstörungen: Unterzuckerungen sind bei Diabetikern gefürchtet. Sie sollten die Frühwarnzeichen kennen und im Akutfall schnell handeln.

3 Zuckerwürfel auf einem Löffel

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Die Unterzuckerung ist eine häufige Diabetes-Komplikation, mit der nicht zu spaßen ist. Dabei kommt es zu einem drastischen Absinken des Blutzuckerspiegels in einen kritischen Bereich, was sich insbesondere aufs Gehirn auswirkt.

Ärzte sprechen von Hypoglykämie: Sie kann unterschiedlichste Symptome und Beschwerden hervorrufen. Bei manch einem Diabetiker führt der Zuckermangel zu Zittern, innerer Unruhe und starkem Herzklopfen, bei anderen zu kalten Schweißausbrüchen und Heißhunger. Besonders dramatisch: Eine Unterzuckerung kann auch mit Verwirrung und Bewusstseinsstörungen einhergehen, was Außenstehende oft falsch interpretieren – so halten manche Menschen unterzuckerte Diabetes-Patienten irrtümlich für betrunken.

Unterzuckerung auch nachts möglich

Bei einer schweren Unterzuckerung, die unter anderem zu Krämpfen und Bewusstlosigkeit führen kann, ist der Patient nicht mehr in der Lage, sich selbst zu helfen. Vor allem, wenn Diabetiker im Straßenverkehr oder bei der Hausarbeit von einer Unterzuckerung überrascht werden, kann das lebensbedrohliche Folgen haben. Einige Diabetiker leiden unter Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen: Die Unterzuckerung überfällt sie sozusagen ohne Vorwarnung.

Besonders problematisch sind Hypoglykämien während der Nachtruhe. Und die sind keine Seltenheit, wie eine Studie ergab: 62 Prozent der Typ-1-Diabetiker und 54 Prozent der Typ-2-Diabetiker erleben danach mehrmals monatlich eine minderschwere nächtliche Unterzuckerung, vor allem zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens.

Erst essen, dann messen

Gefährdet sind vor allem ältere Diabetiker mit längerer Erkrankungsdauer. Sowohl insulinpflichtige Patienten als auch diejenigen, die mit Medikamenten behandelt werden, können in eine Unterzuckerung geraten. Und zwar nicht nur, wenn sie zu viel Insulin gespritzt oder eine falsche Dosis der Tabletten eingenommen haben. Auch andere Faktoren können eine Hypoglykämie nach sich ziehen: wie eine zu geringe Aufnahme von Kohlenhydraten oder übertriebene sportliche Aktivitäten, extreme körperliche Belastungen oder die Kombination von Alkohol und Insulin.

Bemerkt ein Diabetiker erste Anzeichen einer Unterzuckerung, dann heißt es: Rasch reagieren! Am besten sofort hinsetzen oder -legen und schnell wirksame Kohlenhydrate zu sich nehmen, zum Beispiel ein Fruchtsaftgetränk oder ein Glas Cola. Mit Süßstoff gesüßte Getränke oder Diätsäfte sind nicht geeignet! Alternativ können Diabetiker auch mit Traubenzucker gegensteuern, den sie stets griffbereit haben sollten. Unbedingt sollten sie im Falle einer Unterzuckerung die Regel „erst essen, dann messen“ beherzigen, den Blutzuckerspiegel also erst nach der Zuckeraufnahme kontrollieren. Schnelles Handeln bei beginnendem Zuckermangel kann oft verhindern, dass sich aus einer noch kontrollierbaren leichten Unterzuckerung eine schwere Hypoglykämie entwickelt.

Im Zweifel den Notarzt alarmieren

Bei schwerer Hypoglykämie ist der Patient nicht mehr in der Lage, selbst Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Vor einer drohenden Bewusstlosigkeit kommt es durch den Glukosemangel im Gehirn häufig zu Mangelzeichen wie Unkonzentriertheit, Aggressivität oder Verwirrtheit. Bei schwerer Unterzuckerung muss der Notarzt gerufen werden.

Ist der Patient noch bei Bewusstsein, sollten Sie ihm Zucker in Form von gesüßten Getränken zuführen (Limo, Cola – keine Cola light!). Wichtig: Niemals einem Bewusstlosen Trink- oder Essbares einflößen, es besteht Erstickungsgefahr.

Während sich leichte Unterzuckerungen leider nicht immer vermeiden lassen, sollten Diabetiker möglichst keine schweren Verläufe riskieren. Vorbeugend wirken eine stabile Stoffwechseleinstellung und regelmäßige Blutzuckermessungen. Profitieren können Betroffene zudem von solchen Diabetes-Medikamenten, bei denen das Risiko für Unterzuckerungen geringer ist.

Eingestellt am: 11. Februar 2016