Morbus Whipple: Wenn es im Darm rumort

Die seltene Infektionskrankheit Morbus Whipple befällt in der Regel zunächst den Dünndarm und verursacht anhaltenden Durchfall, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust.

Darmflora Großaufnahme

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Der Morbus Whipple wurde schon vor über 100 Jahren erstmals beschrieben. Damals entdeckte der amerikanische Pathologe George Whipple den Erreger der chronischen Infektion: das Bakterium Tropheryma whipplei. Es ist offenbar weit verbreitet und kann auch im Speichel gesunder Menschen nachgewiesen werden. Meistens bleibt der Keim harmlos. Nur in wenigen Fällen kommt es zum Ausbruch der Krankheit – pro Jahr werden in Deutschland rund 30 neue Fälle diagnostiziert.

Da Morbus Whipple so selten ist und die frühen Symptome oft uncharakteristisch bleiben, wird er jedoch wahrscheinlich oft nicht erkannt. Fachärzte für Darmerkrankungen gehen davon aus, dass die Infektion häufiger vorkommt als bislang bekannt.

Chronische Darmentzündung

Die betroffenen Patienten leiden in der Regel zunächst unter chronischem Durchfall und Bauchschmerzen. Aufgrund der gestörten Verdauung kommt es zu einem ungewollten Gewichtsverlust. Eine Infektion mit dem Whipple-Bakterium erfolgt wahrscheinlich über den Mund – die genauen Ansteckungswege sind nicht bekannt.

Die Erreger gelangen über Speiseröhre und Magen in den oberen Abschnitt des Dünndarms. Hier dringen sie in die Schleimhaut ein und verursachen eine chronische Entzündung, die immer wieder zu Unterleibsschmerzen und Durchfall führt. Es kommt zu einer Mangelernährung: Die Patienten nehmen ab und leiden häufig auch unter Blutarmut.

Gefahr fürs Gehirn

Erfolgt keine wirksame Therapie, können sich die Bakterien allmählich im Körper ausbreiten. Sie gelangen dann über die Lymphgefäße des Dünndarms in den Blutkreislauf und besiedeln weitere Organe wie zum Beispiel Herz, Lunge oder Gehirn.

Je nachdem, wo sich die Erreger einnisten, kann es beim Morbus Whipple zu den unterschiedlichsten Symptomen kommen. Relativ häufig treten Gelenkentzündungen und Fieber auf. Ist das Gehirn betroffen, klagen die Patienten über Doppelbilder, Vergesslichkeit oder Schlaflosigkeit. Ohne Behandlung kommt es nach langjähriger Erkrankungsdauer oftmals zu schweren Komplikationen, die tödlich enden können.

Die richtige Therapie hilft schnell

Eine exakte Diagnose ist nur durch den Nachweis der Whipple-Bakterien möglich. Dazu wird eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen. Finden sich die Erreger in der Schleimhaut, bekommt der Patient ein Jahr lang ein spezielles Antibiotikum. Das Mittel muss so lange eingenommen werden, um die Bakterien sicher aus allen befallenen Organen zu eliminieren. Die Beschwerden klingen allerdings schon wesentlich früher ab: Den meisten Patienten geht es bereits nach einer Woche deutlich besser.

Eingestellt am: 19. Juni 2017