Brustkrebs: Chemotherapie ist nicht immer nötig

Genexpressionstests könönen bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie eine wichtige Rolle spielen

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Wird Brustkrebs früh genug entdeckt, lässt sich der Tumor durch Operation entfernen. Ob zusätzlich eine Chemotherapie sinnvoll ist, kann durch einen Gentest festgestellt werden. Er wird betroffenen Frauen künftig von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

Bei Frauen mit frühem Brustkrebs kann der Tumor durch eine Operation oft vollständig entfernt werden. Um das Wiederauftreten der Krebserkrankung zu verhindern, kann nach der Operation zusätzlich eine Chemotherapie notwendig sein. Sie dient dazu, eine mögliche, jedoch nicht nachweisbare Streuung der Krebszellen zu bekämpfen. Doch für welche Frauen ist die enorm belastende Chemotherapie wirklich sinnvoll?

Um unnötige Chemotherapien zu vermeiden, wird das Rückfallrisiko von den behandelnden Ärzten anhand verschiedener Faktoren individuell bestimmt. Doch bei grob geschätzt jeder dritten Frau mit frühem Brustkrebs können die Ärzte allein aufgrund der herkömmlichen Diagnostik und ihrer klinischen Erfahrung keine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie geben.

Wie geht es nach der Brustkrebs-OP weiter?

„Nicht immer ist das Ergebnis einer routinemäßigen Bestimmung des individuellen Rückfallrisikos mittels klinischer Faktoren und Tumoreigenschaften so deutlich, dass Frauen nach einer Brustkrebsoperation eine klare Empfehlung für oder gegen eine zusätzliche Chemotherapie erhalten können“, betont Dr. Monika Lelgemann. Die Fachärztin ist Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA): Der G-BA ist das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen in Deutschland. Er entscheidet, welche medizinischen Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.

„Der nun getroffene Beschluss umfasst den Einsatz eines Biomarker-Tests bei Patientinnen mit einem Tumor, der bestimmte Eigenschaften – nämlich Empfindlichkeit für Hormone wie Östrogen und Progesteron und keinen nachgewiesenen Wachstumsrezeptor – aufweist. Ausreichende Erkenntnisse zur Aussagesicherheit des Tests bestehen aufgrund der Studienlage bisher für Patientinnen ohne Befall der Lymphknoten“, erklärt Dr. Lelgemann.

Ein Gentest gibt mehr Sicherheit

Biomarker-Tests untersuchen, ob die Aktivität von verschiedenen Genen in den Krebszellen – und damit das Risiko für ein Wiederkehren des Tumors – besonders hoch ist. Die auf dem Markt verfügbaren Biomarker-Tests beruhen auf unterschiedlichen Analyseverfahren. Eines davon ist die sogenannte Genexpressionsanalyse.

Der vom G-BA getroffene Beschluss umfasst die Anwendung eines speziellen Tests, dessen Analyseverfahren auf der Genexpressionsanalyse beruht. Die Anwendung des Tests zulasten der Krankenkasse setzt voraus, dass die Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie aufgrund der sonstigen klinischen Kriterien nicht eindeutig getroffen werden kann.

Umfassende ärztliche Aufklärung

Patientinnen mit Brustkrebs im frühen Stadium, bei denen das Rückfallrisiko nicht sicher bestimmt werden kann, können damit künftig einen Biomarker-Test als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse sollen bei bestehender Unsicherheit hinsichtlich des zu erwartenden individuellen Nutzens einer Chemotherapie die gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen der Patientin und ihren Ärzten unterstützen. Für die ärztliche Aufklärung vor der Durchführung des Tests hat der G-BA die verpflichtende Verwendung einer Patientinneninformation festgelegt.

 

Eingestellt am: 27. Juni 2019