Volkskrankheit Allergie

Einer Allergie kann man vorbeugen
Foto © Pixabay-antigone_gone

Allergische Erkrankungen gehören zu den großen gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Lesen Sie hier, wie man Allergien vorbeugen und wie man sie behandeln kann.

Heutzutage sind Allergien zur regelrechten Volkskrankheit geworden: Etwa jeder vierte Deutsche (ca. 25 Prozent der Bevölkerung) leidet inzwischen unter einer oder sogar mehreren Allergien. Grundsätzlich gilt: Eine effektive Behandlung von Allergien ist möglich. Dafür empfiehlt sich eine Diagnose und die Behandlung beim Allergologen. Das sind auf Allergien spezialisierte Hautärzte, HNO-Ärzte, Lungenärzte oder Kinderärzte. Wird eine Allergie jedoch nicht oder nicht fachgerecht behandelt, kann sie weitere dauerhafte Folgen haben: Bekanntes Beispiel ist der Etagenwechsel vom Heuschnupfen zum allergischen Asthma. Trotz der großen wissenschaftlichen Fortschritte erhalten derzeit aber nur etwa zehn Prozent der Allergiegeplagten eine optimale Therapie.

Was ist eine Allergie?

Eine Allergie ist eine Überreaktion des körpereigenen Immunsystems, es bekämpft einen eigentlich harmlosen Stoff aus der Umwelt - ein Allergen. Das Immunsystem reagiert auf Allergene also so ähnlich, wie es normalerweise auf gesundheitsschädliche Erreger wie Bakterien oder Viren reagieren würde. Solche Allergene finden sich beispielsweise in Pflanzenpollen, Tierhaaren, Hausstaubmilbenkot oder Insektengiften. Zur „Bekämpfung“ von Allergenen setzt das Immunsystem dann unter anderem den Botenstoff Histamin frei. Das kann die typischen allergischen Symptome wie juckende, tränende oder brennende Augen, häufigen Niesreiz, verstopfte oder laufende Nase, Atembeschwerden oder Hautausschlag hervorrufen. Sie können aber auch allergisches Asthma oder einen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock auslösen.

Welche Faktoren beeinflussen die Entstehung einer Allergie?

Neben der Vererbung spielen Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle bei der Entstehung bzw. Prävention von Allergien. Die sogenannte Hygienehypothese besagt, dass der Kontakt des Immunsystems während seiner Entwicklung mit Bakterien, Viren oder Parasiten allergiepräventive Wirkung haben kann. Dies könnte auch erklären, warum Kinder, die auf dem Land aufgewachsen sind, seltener unter Allergien leiden als Stadtkinder. Luftschadstoffe gelten als möglicher Risikofaktor. Man geht davon aus, dass die Luftverschmutzung indirekt Allergien fördert, weil Schadstoffe die Schleimhäute reizen und so eine entzündliche Reaktion ausgelöst wird. Auch Tabakkonsum begünstigt sowohl aktiv als auch passiv die Entwicklung von Allergien.

Durch die weltweit gestiegenen Durchschnittstemperaturen und die damit verbundenen längeren Pollenflugzeiten hat auch die Zahl der Pollenallergiker zugenommen. Die Blütezeit mancher Pflanzen hat sich dadurch verändert. Manche Pollen fliegen bereits im Januar und manche bis weit in den Herbst hinein. Pflanzen, die bei uns bisher nicht heimisch waren, verbreiten sich zunehmend durch die milderen Temperaturen. Manche dieser „neuen“ Pflanzen lösen ebenfalls allergische Reaktionen aus, wie beispielsweise die hochallergenen Pollen von Beifuß und Ambrosia.

Auch die Art, wie wir uns ernähren, kann das Allergie-Risiko beeinflussen – und zwar von Anfang an. Babys, die ausreichend lange gestillt werden, sind in der Regel besser vor Allergien geschützt als Babys, die Formulanahrung erhalten. Denn die Muttermilch beinhaltet Immunfaktoren, die sich positiv auf die Besiedelung der Darmflora auswirken.

Wie kann man Allergien vorbeugen?

Um in der Pollensaison nicht auf Aktivitäten im Freien verzichten zu müssen und die Beschwerden unter Umständen zu reduzieren, können Allergiker selbst einiges tun. Zur Reduktion der Pollenbelastung und damit zur Verbesserung des Schlafs bewahrt man Straßenkleidung, Schuhe, Taschen usw. besser außerhalb des Schlafzimmers auf. Wenn möglich, täglich abends vor dem Schlafengehen duschen und Haare waschen. Regelmäßige Nasenspülungen können die Beschwerden lindern.

Da die Pollenbelastung im Tagesverlauf schwankt, sollten Pollenallergiker während der Pollenflugzeit nur zu bestimmten Zeiten lüften. Als einfache Faustregel gilt: Durch
kurzes Stoßlüften früh morgens oder spät abends gelangen nur wenige Pollen in die Wohnung. Wer draußen Sport treiben möchte, sollte dies am besten dann tun, wenn die Pollenbelastung möglichst niedrig ist. Ideal ist Bewegung an der frischen Luft beispielsweise nach einem kurzen Schauer oder an regnerischen Tagen. Ein Pollenflugkalender gibt Aufschluss darüber, welche Pollen gerade fliegen und
wie hoch die regionale Belastung ist.

Urlaub in den Bergen oder am Meer eignet sich ebenfalls für Pollenallergiker. Ab einer Höhe von 2.000 Metern nimmt die Pollenbelastung deutlich ab. Dort, wo der Wind vom Meer her bläst, wie zum Beispiel an der Nord- und Ostsee oder am Atlantik, sind die Bedingungen optimal für eine Allergie-Auszeit.

Wie werden Allergien behandelt?

Die unangenehmen Symptome lassen sich aber durch bestimmte Therapien und den Einsatz von geeigneten Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln günstig beeinflussen. Gegen Niesreiz, laufende oder verstopfte Nase und Augenjucken gibt es eine Vielzahl an anti-allergischen Wirkstoffen, sogenannte Antihistaminika, in Form von Nasensprays und Augentropfen. Diese lindern jedoch nur kurzzeitig die Beschwerden und haben oft unangenehme Nebenwirkungen wie Müdigkeit. Ein präventiver Allergieschutz bzw. eine Linderung allergischer Symptome soll auch mit einem diätetischen Lebensmittel, einer Lutschtablette, erreicht werden können.

Eine Behandlungsmethode, mit der sich eine Allergie ursächlich bekämpfen lässt, ist die spezifische Immuntherapie (SIT) - auch Hyposensibilisierung genannt. Bei einer Hyposensibilisierung wird dem Körper in steigenden Dosisschritten regelmäßig das Allergen zugeführt, damit er sich langsam daran gewöhnt. Die Beschwerden können
dadurch nach etwa drei Jahren deutlich verbessert sein oder sogar verschwinden. Bei Pollenallergien startet eine spezifische Immuntherapie idealerweise im Herbst nach
dem Ende der Pollensaison. Denn während des Pollenflugs ist das Immunsystem von Allergikern belastet. Für den Start einer spezifischen Immuntherapie ist es jedoch günstiger, wenn das Immunsystem wieder entlastet ist - das ist nach dem Ende des Pollenflugs der Fall. Durch eine spezifische Immuntherapie kann auch die Wahrscheinlichkeit verringert werden, dass Allergien auf weitere Allergene hinzukommen. Zudem kann der sogenannte Etagenwechsel in die Lunge vermieden werden. Bei einem Etagenwechsel entwickelt ein Allergiker zusätzlich noch asthmatische Beschwerden.

 

Eingestellt am: 4. Februar 2021