Schwangere brauchen Folsäure

Frauen mit Kinderwunsch sollten unbedingt Folsäure einnehmen – und zwar schon vor der Schwangerschaft! Bei Folsäuremangel drohen dem Baby schwere Behinderungen.

Folsäurekapsel

| © sulupress – Fotolia.com

Laut einer aktuellen Studie traten in einem Zeitraum von elf Jahren in Europa bei 8.400 Neugeborenen Fehlbildungen an der Wirbelsäule auf. Mediziner sprechen von Spina bifida – die Erkrankung führt häufig zu schwerer körperlicher und geistiger Behinderung.

Die meisten Fälle von Spina bifida hätten bei ausreichender Versorgung der werdenden Mutter mit Folsäure vor und während der Schwangerschaft vermieden werden können. Fehlt es ab der Befruchtung an dem wertvollen Vitamin, kann sich beim Embryo das Neuralrohr nicht schließen – daraus bilden sich später Rückenmark und Gehirn. Mögliche Folgen der Spina bifida sind unter anderem ein offener Rücken oder Wasserkopf.

Vorbild USA

Um diese schweren Fehlbildungen zu verhindern, ist eine Anreicherung von Grundnahrungsmitteln mit Folsäure in über 70 Ländern gesetzlich vorgeschrieben – dazu zählen zum Beispiel die USA und Kanada. Dort hat die Vorschrift dazu geführt, dass die Häufigkeit von Spina bifida deutlich zurückgegangen ist. Im Gegensatz dazu haben es Deutschland und alle anderen europäischen Länder bisher versäumt, eine verpflichtende Folsäureanreicherung einzuführen.

Im Vergleich zu den USA treten in Europa mehr als anderthalbmal so viele Fehlbildungen des Neuralrohrs mit den entsprechenden gravierenden Folgen auf.

Folsäure täglich einnehmen

Frauen mit Kinderwunsch sollten deshalb frühzeitig ein Nahrungsergänzungsmittel mit Folsäure einnehmen. Laut Ernährungsbericht 2012 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) erreichen viele Frauen im gebärfähigen Alter mit ihrer normalen Kost keine ausreichende Folsäureversorgung. Nur mittels entsprechender Vitaminpräparate kann der Richtwert für Schwangere (550 Mikrogramm Folsäure pro Tag) erreicht werden.

Erfolgt die Einnahme erst nach Bekanntwerden der Schwangerschaft, kann es bereits zu spät sein – denn Neuralrohrdefekte manifestieren sich schon in den ersten acht Wochen nach der Befruchtung.

Studien zeigten, dass eine Nahrungsergänzung mit Folsäure vor und während der Schwangerschaft zu einem deutlichen Rückgang an Neuralrohrdefekten führt. Daher empfiehlt die DGE allen Frauen, die schwanger werden möchten oder könnten, zusätzlich zu einer gesunden Ernährung täglich ein Präparat mit 400 Mikrogramm Folsäure einzunehmen.

Was während der Schwangerschaft noch benötigt wird

Um eine gute Versorgung des Kindes sicherzustellen, sollten werdende Mütter auch darauf achten, genügend Eisen aufzunehmen. Ebenfalls wichtig sind Omega-3-Fettsäuren: Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Gehirn und Augen.

Da es vielen Menschen in Deutschland an Vitamin D mangelt, kann eine ergänzende Zufuhr zumindest im Winter sinnvoll sein. Für schwangere Vegetarierinnen und Veganerinnen wird zudem eine Nahrungsergänzung mit Vitamin B12 empfohlen.

Eingestellt am: 19. September 2016