Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt rufen?

Ein plötzlicher Blutdruck-Anstieg ist für den Betroffenen immer beunruhigend. Aber nicht in jedem Fall handelt es sich um einen Notfall.

Plastische Buchstaben, 112 steht darauf, alles in knallrot.

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Regelmäßiges Blutdruckmessen ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme, um die schwerwiegenden Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Vorhofflimmern oder Nierenschädigung zu verhindern. Besonders problematisch ist ein plötzlicher Blutdruck-Anstieg – dabei kann der Blutdruck sogar in Ruhe Werte von 190 bis 200 mmHg (oberer Wert) oder mehr erreichen.

Blutdruck-Krise oder Blutdruck-Notfall?

Entscheidend für das weitere Vorgehen in dieser Situation ist, ob ein plötzlicher Blutdruck-Anstieg nur mit geringfügigen Missempfindungen wie Gesichtsröte, leichtem Kopfweh, Unruhegefühl, schnellem Schwitzen unter Belastung auftritt – und der Patient ansonsten keine ernsten Beschwerden hat. Dann handelt es sich um eine Bluthochdruck-Krise.

Wenn jedoch der hohe Blutdruck mit ernsten Beschwerden verbunden ist, liegt ein Bluthochdruck-Notfall vor. Als ernste Beschwerden eingestuft werden Brustschmerzen, Atemnot, neurologische Ausfälle (Seh- und Sprechstörungen), Krampfanfälle wie bei Epilepsie (nicht Wadenkrämpfe), Benommenheit, Lähmungen, Übelkeit, Erbrechen und Nasenbluten.

Bluthochdruck-Notfall: Sofort die 112 wählen!

„Beim Bluthochdruck-Notfall muss sofort unter der 112 der Notarzt alarmiert werden, weil Herzinfarkt oder Schlaganfall die Folge sein können“, warnt Professor Thomas Budde vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. „Diese starken Beschwerden sind für die Beurteilung entscheidend, ob es sich um einen Notfall handelt oder nicht, und nicht die absolute Höhe des Blutdrucks, die durchaus auch unter 200 mmHg liegen kann“, betont der Kardiologe.

Beim Anruf der Rettungsleitstelle unbedingt den Verdacht auf Bluthochdruck-Notfall äußern, damit nicht ein Krankenwagen geschickt wird, sondern ein Rettungswagen mit Notarzt. Nur er kann sofort am Einsatzort die Behandlung beginnen.

Bluthochdruck-Krise: Bitte Ruhe bewahren

Für die Bluthochdruck-Krise, bei der es durch den hohen Blutdruck zu geringfügigen Missempfindungen kommt, hat der Arzt mit dem Patienten, der in den meisten Fällen bereits mit Medikamenten behandelt wird, in der Regel besprochen, was zu tun ist. Tritt ein hoher Blutdruck zum Beispiel von über 190/100 mmHg erstmals ohne ernste Beschwerden auf, kann es sich um einen Zufall handeln. Dann sollten Betroffene nicht in Panik geraten, sondern sich ruhig hinlegen, Musik hören und eine halbe Stunde warten und dann sehen, wie sich der Blutdruck verhält. In aller Regel gehen die Blutdruckwerte auf etwa 160/100 mmHg zurück. Ist der Patient in ärztlicher Behandlung, dann ist er in der Regel vom Arzt darüber informiert worden, wie er selbst den krisenhaft erhöhten Blutdruck, der oft durch Stress verursacht ist, senken kann.

Auch nach einer Bluthochdruck-Krise sollte der Blutdruck die nächsten Tage sorgfältig überwacht werden. Wenn der krisenhaft erhöhte Blutdruck zum ersten Mal gemessen wird, sich aber nicht senken lässt und unverändert hoch bleibt, ist eine sofortige Behandlung beim Arzt oder in der Klinik-Ambulanz angezeigt.

Tipp:  Mit einer kostenfreien Notfall-Checkliste bietet die Deutsche Herzstiftung Hilfen zur raschen Klärung, ob ein Bluthochdruck-Notfall vorliegt und was zu beachten ist. Die Notfall-Checkliste steht hier zum Download bereit.

Eingestellt am: 21. Juli 2017