Bluthochdruck effektiv behandeln – mit Mini-OP der Niere

Bluthochdruck behandeln mit Mini-OP der Niere

Bei der renalen Denervierung werden die Nerven der Haupt- und Nebennierenarterien verödet. Foto: © Aktion Meditech

Will man Bluthochdruck effektiv behandeln, reichen Medikamente oft nicht aus. Ergänzend hilft eine innovative Mini-OP: Bei der sogenannten „renalen Denervierung“ werden überaktive Nierennerven verödet, die den hohen Blutdruck mitverursachen.

Den Bluthochdruck effektiv behandeln: Das ist für die Betroffenen ganz entscheidend. Denn ein dauerhaft überhöhter Blutdruck gehört zu den wesentlichen Ursachen für Infarkt und Schlaganfall. Viele Menschen in Deutschland leben mit einem ernsten Risiko. Laut Daten des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung und des Robert Koch-Instituts hat jeder dritte Erwachsene Bluthochdruck – das sind rund 20 Millionen Patienten. Die Gefahr für Herz und Kreislauf steigt mit wachsendem Lebensalter an: Während bei den über 55-Jährigen jeder zweite betroffen ist, leiden in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen bereits drei von vier Menschen unter Bluthochdruck.

Bluthochdruck ist tückisch. Denn er verursacht lange Zeit keine Beschwerden, bleibt deshalb oft über Jahre unbemerkt. Erst bei sehr hohem Blutdruck treten mitunter Symptome auf wie etwa Kopfschmerzen (häufig morgens), Schwindel, Übelkeit, Gesichtsrötung, Nasenbluten und Schlaflosigkeit. Manchmal kommt es auch zu Sehstörungen oder Atemnot bei Belastungen.

Risikofaktor Bluthochdruck

Bei dauerhaft zu hohem Blutdruck (Hypertonie) steigt das Risiko für Schäden an lebenswichtigen Organen wie Herz, Gehirn, Nieren und Augen. Infarkt, Herzschwäche, Schlaganfall und Nierenversagen gehören zu den möglichen Folgen. Kann man den Bluthochdruck effektiv behandeln, wird das Entstehen von Folgeerkrankungen verhindert oder zumindest hinausgezögert. Die Lebenserwartung steigt damit erheblich.

Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht man von Hypertonie, wenn der systolische Blutdruck dauerhaft über 140 mmHg liegt oder der diastolische, niedrigere Wert größer als 90 mmHg ist. Der systolische Wert ergibt sich, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut in die Arterien drückt (Pumpphase). Der diastolische Druck wird gemessen, wenn sich das Herz entspannt und die Herzkammern neues Blut aus den Venen aufnehmen (Erholungsphase).

Ganz entscheidend: Bluthochdruck effektiv behandeln

Bei der Behandlung von Bluthochdruck wird zunächst versucht, mit nichtmedikamentösen Maßnahmen wie Reduzierung der Kochsalzzufuhr, geringem Alkoholkonsum, Nikotinverzicht, Abnehmen und Stressabbau zum Erfolg zu kommen. Reicht das nicht aus, werden zur medikamentösen Therapie sogenannte Blutdrucksenker gegeben. Die Auswahl des geeigneten Medikaments hängt unter anderem vom Alter, den Begleiterkrankungen sowie vom Ansprechen des Blutdrucks auf die Präparate ab. Medikamente beseitigen in aller Regel nicht die Ursache der Hypertonie, sondern helfen lediglich, den Bluthochdruck in gesunden Grenzen zu halten. Das setzt eine konsequente Einnahme und Blutdruckkontrolle voraus. Allerdings nimmt jeder zweite Patient seine Bluthochdruckmittel nicht regelmäßig ein.

Bei etwa 35 Prozent der Patienten lässt sich zudem in der klinischen Praxis der Bluthochdruck mit diesen Maßnahmen nicht kontrollieren. Hier ist je nach Indikation die Erweiterung des therapeutischen Spektrums erforderlich, um das hohe kardiovaskuläre Risiko zu vermindern und den Blutdruck zu senken.

Innovative Therapie

Der Blutdruck wird weitgehend von den Nieren gesteuert. Sind bestimmte Nerven in den Nieren überaktiv, führt das zu einem erhöhten Blutdruck. Mit der sogenannten renalen Denervierung steht ergänzend zur medikamentösen Therapie ein minimal-invasives Verfahren zur Behandlung von Patienten mit Bluthochdruck zur Verfügung: Durch einen speziellen spiralförmigen Katheter werden dabei überaktive Nervenstränge rund um die Nierenarterien verödet und deaktiviert. Nach der Operation wird der Katheter wieder entfernt. Die renale Denervierung ist damit ein medizinischer Eingriff, bei dem kein Implantat im Körper zurückbleibt.

Je nach Krankengeschichte, Testergebnissen und Symptomen entscheidet der behandelnde Arzt gemeinsam mit Experten und einer spezialisierten Klinik, ob die renale Denervierung für den Patienten geeignet ist. Studiendaten belegen, dass der Blutdruck mit Hilfe der renalen Denervierung um mehr als 10 mmHg gesenkt werden kann. Dadurch mindert sich das Risiko für Folgeerkrankungen, und die Lebensqualität der Patienten verbessert sich.

Eingestellt am: 29. Oktober 2019