Parkinson sicher diagnostizieren

In Deutschland leiden rund 300.000 Menschen unter Parkinson. Doch nicht immer wird die Gehirnerkrankung richtig diagnostiziert.

Rosa Gehirn mit Tabletten.

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Meist tritt Parkinson erst in reiferen Jahren jenseits der 50 auf. Aber immerhin jeder zehnte Parkinson-Patient erkrankt schon vor dem 40. Geburtstag. Verursacht wird die langsam fortschreitende neurologische Störung durch den Verlust von Nervenzellen in einer tiefen Hirnregion, der sogenannten Substantia nigra. Sie produziert den Botenstoff Dopamin, der eine wichtige Rolle bei der Kontrolle von Bewegungen spielt.

Der Mangel an Dopamin bewirkt Funktionsstörungen wichtiger Nervenzellen – die Betroffenen verlieren allmählich die Kontrolle über bestimmte Bewegungsabläufe.

Häufige Parkinson-Symptome

Die ersten Anzeichen der Erkrankung sind individuell sehr unterschiedlich. In vielen Fällen wird zuerst ein Zittern bemerkt, das meist nur auf einer Körperseite und auch in Ruhe auftritt. Manchmal ist es anfangs auch nur ein „inneres Zittern“ bei Anstrengung oder Aufregung. Hinzu kommt eine Verlangsamung der Bewegungen und Muskelsteifigkeit.

Typisch sind Schwierigkeiten beim Gehen, kleine Schritte oder das Hängenbleiben an Hindernissen mit einem Fuß. Die Arme schwingen beim Gehen kaum mit. Auch das „Einfrieren“ (Freezing) mitten in der Bewegung ist ein charakteristisches Symptom – ebenso wie eine kleiner werdende Handschrift.

Psychische Veränderungen können erste Anzeichen sein

Allerdings treten eindeutige Symptome erst relativ spät im Krankheitsverlauf auf. Frühe Hinweise auf die Erkrankung können psychische Veränderungen wie Lustlosigkeit oder depressive Verstimmung sein. Auch Schmerzen in der Schulter oder Verstopfung sind manchmal erste Hinweise, aber diese Symptome können natürlich auch viele andere Ursachen haben.

Alarmierender ist eine Störung des Geruchssinns schon Jahre vor den Bewegungseinschränkungen. Dabei lässt weniger das Riechvermögen nach, als dass bestimmte Gerüche verwechselt werden. Falls noch Schlafstörungen hinzukommen, bei denen Betroffene Trauminhalte durch heftige Bewegungen oder das Sprechen im Schlaf ausagieren, sollte eine genauere ärztliche Untersuchung erfolgen.

Parkinson kann gut behandelt werden

Mit der Zeit werden gestörte Bewegungsabläufe, Muskelstarre und Zittern immer stärker und schränken die Beweglichkeit und Selbständigkeit schließlich deutlich ein. Eine möglichst frühzeitige Diagnose und fachkundige Parkinson-Behandlung mit Medikamenten, die den Dopamin-Mangel ausgleichen, kann die Symptome für viele Jahre aber wirksam bekämpfen. Sie ermöglicht den Erkrankten ein relativ normales Leben.

Doch manchmal zeigen die Medikamente nicht die erwünschte Wirkung, sondern lediglich starke Nebenwirkungen. Möglicherweise ist dann die Diagnose Parkinson fehlerhaft und muss überprüft werden.

Klare Diagnose mit dem DAT-Scan

Die klinische Verdachtsdiagnose sollte im Zweifel durch ein bildgebendes Verfahren bestätigt werden, etwa wenn die gewählten Medikamente nicht wirken. In speziellen Fällen, in denen neben Parkinson auch andere Krankheiten in Betracht kommen, könnte eine Ultraschalluntersuchung des Hirnstamms oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) Aufschluss geben.

Der bei Parkinson charakteristische Untergang der Dopamin-produzierenden Zellen lässt sich mithilfe der Nuklearmedizin nachweisen. Sie kann den sogenannten Dopamintransporter DAT sichtbar machen, ein Transporteiweiß, das wie ein Recycling-System den ausgeschütteten Botenstoff Dopamin wieder zurück in die Nervenzelle schafft. Bei unklaren Diagnosen empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften deshalb den DAT-Scan.

Viele Fehldiagnosen

Mehrere Studien zeigten, dass zehn bis fünfzehn Prozent der Patienten, die anhand der klinisch-neurologischen Untersuchung als eindeutige Parkinson-Fälle diagnostiziert wurden, beim anschließenden DAT-Scan einen unverdächtigen Befund aufwiesen – die anfängliche Diagnose war also falsch.

Für den DAT-Scan bekommen Patienten radioaktiv markiertes Jod in die Vene injiziert, das sich über die Blutbahn auch im Gehirn verteilt. Drei Stunden nach der Injektion wird eine tomographische Aufnahme gemacht. Dafür muss der Patient eine Dreiviertelstunde ruhig liegen, während die Kamera um seinen Kopf kreist. Die Strahlenbelastung liegt unter der einer Röntgenaufnahme. Bei einer Schwangerschaft oder Jodallergie kommt das Verfahren allerdings nicht in Betracht.

Eingestellt am: 11. Juli 2017