Mit dem Hörgerät wieder mitten im Leben stehen

So funktioniert ein Hörgerät

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Oft ist ein Hörgerät der einzige Ausweg, um einen Hörverlust zuverlässig auszugleichen – egal ob er angeboren ist, sich mit der Zeit entwickelt hat oder aus einer Altersschwerhörigkeit resultiert. Moderne Hörgeräte können nahezu jede Hörminderung beheben.

Jedes Hörgerät besteht aus einem Lautsprecher, einer Energiequelle (Batterie oder Akku), einem oder mehreren Mikrofonen sowie einem digitalen oder analogen Verstärker. Die eingehenden Geräusche und Töne werden zunächst über die Mikrofone aufgenommen und dann an den Verstärker weitergeleitet. Dieser passt das akustische Signal dann entsprechend der Hörminderung des Trägers an und kann es, abhängig vom Hörgeräte-Modell, beispielsweise verstärken oder von Störgeräuschen befreien. Früher erfolgte die Verstärkung analog; heute verfügt nahezu jedes Hörgerät über einen digitalen Verstärker in Form eines Prozessors.

Nachdem das Audiosignal entsprechend optimiert wurde, wird es an den Lautsprecher weitergeleitet. Abhängig von der Bauform übermittelt dieser dann über einen Schallschlauch oder ein Röhrchen das angepasste Audiosignal an das Ohr des Hörgeräteträgers. Die nötige Energie hierfür erhält das Hörgerät von einer Batterie oder einem Akku. Im Falle einer Batterieversorgung müssen diese regelmäßig neu gekauft und gewechselt werden. Der Akku hingegen kann wiederverwendet werden, muss allerdings in bestimmten Abständen aufgeladen werden. Bei den meisten Hörgeräten erfolgt dies in der Nacht, da sie in diesem Zeitraum nicht getragen werden.

Störlärm wird automatisch unterdrückt

Die rasante Technologie-Entwicklung macht auch vor der Hörgerätebranche nicht Halt. Neben der reinen Verstärkung des Audiosignals ermöglichen die Prozessoren der aktuellen Hörgeräte-Neuheiten die Verwendung zahlreicher Zusatzfunktionen. Abhängig von Hersteller und Modell verfügen moderne Hörsysteme beispielsweise über eine automatische Störlärm-Unterdrückung, die Möglichkeit des direktionalen Hörens (in eine bestimmte Richtung) oder eine eingebaute Bluetooth-Technologie: mit Bluetooth lässt sich das Hörgerät kabellos mit dem Smartphone verbinden und per App unkompliziert steuern und anpassen.

Je nach den individuellen Anforderungen und Wünschen des Hörgeräteträgers kann dieser in Zusammenarbeit mit seinem Hörakustiker dann ein Hörgerät mit passendem Funktionsumfang auswählen.

Moderne Hörgeräte können nahezu jede Anforderung erfüllen

Grundsätzlich können Hörgeräte anhand ihrer Bauform in Hinter-dem-Ohr-Geräte, Ex-Hörer-Geräte und Im-Ohr-Geräte unterteilt werden. Innerhalb dieser Kategorisierung gibt es wiederum Unterschiede zwischen den einzelnen Geräten.

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte werden auf den hinteren Bereich der Ohrmuschel aufgelegt. Diese Bauform kann auch bei einem starken Hörverlust verwendet werden, da der große Abstand zwischen dem Mikrofon und dem Lautsprecherausgang Rückkopplungen – also ein erneutes Aufnehmen des bereits verstärkten Signals – verhindert, und zudem der Verstärker aufgrund des größeren Platzangebotes noch deutlich leistungsstärker ist.

Unauffällig: Im-Ohr-Hörgeräte

Ex-Hörer-Hörgeräte unterscheiden sich von den Hinter-dem-Ohr-Modellen durch ihren externen Hörer, welcher mit Hilfe einer individuellen Otoplastik im Gehörgang gehalten wird. Sie sind ebenfalls für alle Formen des Hörverlustes geeignet. Ob sich der Träger in Absprache mit dem Hörakustiker für ein Ex-Hörer- oder ein Hinter-dem-Ohr-Modell entscheidet, hängt vor allem von der vorliegenden Gehörgangsform sowie dem persönlichen Trageempfinden ab.

Von den beiden anderen Bauformen unterscheiden sich die Im-Ohr-Hörgeräte vor allem durch ihre Lage. Abhängig von der jeweiligen Ausführung füllen diese die Ohrmuschel beispielsweise komplett aus oder liegen, von außen nahezu unsichtbar, tief im Gehörgang. Letztere eignen sich dank ihrer Lage vor allem für Hörgeräteträger, die großen Wert auf eine unauffällige Versorgung legen. Da im Gehörgang nur begrenzt Platz für die umfassende Technik ist, können mit dieser Bauform in der Regel nur leichte bis mittelgradige Hörminderungen versorgt werden. Ist der Gehörgang zu schmal oder zu stark gekrümmt, können Im-Ohr-Modelle ebenfalls nicht verwendet werden. 

Ein Hörverstärker ist kein Hörgerät

Hörverstärker werden gerne als günstige Alternative zum Hörgerät angepriesen, obwohl sich beide Geräte in ihrer Funktionsweise in einem entscheidenden Punkt deutlich voneinander abgrenzen: Zwar nimmt der Hörverstärker das Audiosignal ebenfalls über Mikrofone auf und leitet dieses dann über einen Lautsprecher verstärkt an das Ohr weiter – allerdings erfolgt keine Verarbeitung durch den Prozessor, wie es bei Hörgeräten der Fall ist.

Konkret bedeutet dies, dass bei einem Hörverstärker alle eingehenden Signale – also auch Störgeräusche – filterlos verstärkt werden und das Ohr beschallen. Da der Hörverstärker außerdem nicht zwischen verschiedenen Tonhöhen unterscheiden kann, werden auch die Frequenzbereiche, die der Betroffene unter Umständen noch problemlos hören kann, in erhöhter Lautstärke weitergegeben. Dies kann aufgrund der konstanten Lärmbelastung im schlimmsten Fall eine Verschlechterung des Hörvermögens zur Folge haben.

Im Zweifel der Arztempfehlung folgen

Hörgeräte fallen in Deutschland in die Kategorie der Medizinprodukte und werden von einem Hörakustiker nach einem Hörtest an den individuellen Hörverlust des Betroffenen angepasst. Hörverstärker hingegen sind freiverkäuflich, erfordern keine professionelle Anpassung und können daher bei falscher Verwendung mehr Schaden als Nutzen bringen. Wird eine Hörminderung diagnostiziert, ist es in der Regel sinnvoll, der Versorgungsempfehlung des Hals-Nasen-Ohren-Arztes nachzugehen.

Eingestellt am: 15. März 2019