Klimawandel: Gesundheitsrisiko für Touristen

Der Klimawandel bringt auch für Reisende neue Risiken: Touristen müssen zukünftig verstärkt mit tropischen Erkrankungen, Hitzestress und Quallenplagen rechnen.

Vom Tsunami zerstörte Stadt.

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Tropische Erkrankungen breiten sich zunehmend auch auf der Nordhalbkugel aus, berichteten die Experten des CRM (Centrum für Reisemedizin) auf der Internationalen Tourismus-Börse 2016 in Berlin. Eine wesentliche Ursache dafür ist, dass die Überträgermücken in Europa und Amerika inzwischen durch den Klimawandel derart gute Bedingungen vorfinden, dass sich auch die Krankheitserreger in ihnen vermehren und festsetzen können.

So kam es beispielsweise 1999 zu einem Ausbruch des West-Nil-Fiebers in den USA, im Jahr 2007 zu Chikungunya-Virus-Infektionen in Norditalien, und 2010 sorgte das Dengue-Virus in Südfrankreich und Kroatien für Krankheitsfälle bei Einheimischen und Touristen. Auch die Malaria konnte seit 2013 nach Europa vordringen – in Griechenland wurden in den letzten Jahren mehrere Fälle registriert.

Ganz wichtig: konsequenter Mückenschutz

In jüngster Zeit breitete sich das Chikungunya-Virus in Süd-, Mittel- und Nordamerika aus – allein in der Urlaubsregion Dominikanische Republik erkrankten in fünfzehn Monaten über 500.000 Menschen an den typischen Symptomen hohes Fieber mit schweren Gelenkschmerzen.

Zuletzt traten Zika-VirusInfektionen außerhalb des Großraums Afrika auf, zunächst in Französisch-Polynesien, dann in Brasilien. Gleichzeitig beobachten Wissenschaftler das Phänomen der „Highland-Malaria“ in Afrika: Durch den Klimawandel dehnen sich die Übertragungsgebiete der Malaria zunehmend auch in Gebirgsregionen aus.

Um sich vor diesen Infektionen zu schützen, sollten Reisende nachts unter Moskitonetzen schlafen und ihre Haut tagsüber und abends mit Mitteln eincremen, die den Wirkstoff DEET enthalten. Empfehlenswert ist zudem Kleidung, die mit einem Insektizid wie zum Beispiel Permethrin imprägniert wurde.

Mehr Herzinfarkte bei Hitze

Der Klimawandel wird sich zwar am stärksten in tropischen Regionen wie Afrika auswirken. Doch auch Großstädte in Europa und Amerika leiden häufiger unter extremen Hitzewellen. Besonders gefährdet bei Spitzentemperaturen sind kleine Kinder, Schwangere, Nierenkranke und Senioren – letzteren drohen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zu den häufigsten Todesursachen auf Reisen gehören.

Menschen aus diesen Risikogruppen sollten deshalb besser nicht in die größte Hitze fahren. Im Übrigen gilt: am besten mit Personen ähnlicher körperlicher Konstitution verreisen, keine überlangen Wegstrecken zurücklegen, zwischendurch in kühlere Bereiche zurückziehen.

Quallen werden zur Qual

Die Erderwärmung beeinflusst auch das ökologische Gleichgewicht der Meere. Immer wieder beklagen Mittelmeerländer neuerdings regelrechte Quallen-Invasionen. Bisher verursachen die Quallen dort zwar keine lebensbedrohlichen Verletzungen – schlimmstenfalls kommt es zu Rötungen, Verbrennungen und Narben.

Allerdings wurde inzwischen auch die gefährliche Portugiesische Galeere, eine Qualle aus der Karibik, vor den Kanaren, Portugal und der spanischen Festlandküste gesichtet. Ihr Stich kann zu Lähmungserscheinungen bis zum Atemversagen und Herzstillstand führen. Gleiches gilt für die Würfelqualle, die sich ebenfalls ausbreitet – in Thailand starb kürzlich eine Touristin, die nachts im Meer badete und mit dem Tier in Berührung kam.

Kreuzfahrtschiffe öfter in Seenot

Mit höheren Temperaturen steigt auch der Wasserdampfgehalt in der Luft – mit der Folge von heftigeren Niederschlägen und Überschwemmungen. Zugleich beobachten Experten weltweit eine deutliche Zunahme von Wirbelstürmen. Da auch Kreuzfahrten immer beliebter werden, steigt automatisch das Risiko von Schiffsunfällen: In den vergangenen fünf Jahren sind mehrfach Kreuzfahrtschiffe wegen problematischer Wetterverhältnisse in Seenot geraten.

Schließlich macht sich die Erwärmung auch in den Skigebieten bemerkbar. Selbst wenn es noch möglich ist, die Pisten künstlich zu beschneien, verändert sich damit die Schneekonsistenz – damit erhöht sich das Risiko für schwere Ski-Unfälle. Wintersportler sollten sich daher auf die geänderten Pistenverhältnisse einstellen.

Eingestellt am: 13. Mai 2017