E-Zigaretten sind nicht harmlos

E-Zigaretten liegen im Trend. Zwar enthält ihr Dampf weniger Schadstoffe als Tabakrauch – dennoch sind sie keineswegs harmlos.

e-Zigarette und zerbrochene Tabakzigarette

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Viele Raucher gehen davon aus, dass sie mit E-Zigaretten gesünder rauchen können. Schließlich produzieren die elektrischen Inhalationsgeräte weniger Schadstoffe als Tabakrauch, und manchmal ist auch kein Nikotin drin. „Trotzdem sind E-Zigaretten gesundheitlich bedenklich“, erklärt Gabriele Bartsch, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Elektronische oder elektrische Zigaretten liegen im Trend. Immer mehr Raucher greifen dazu, wie aktuelle Zahlen des Jahrbuchs Sucht 2016 der DHS zeigen: Bei Rauchern ab 16 Jahren hat sich der Anteil derer, die schon mal E-Zigaretten ausprobiert haben, von 2012 bis 2014 verdreifacht. Gerade Raucher setzen darauf, dass E-Zigaretten gesünder sind als konventionelle. Oder sie erhoffen sich, dass sie mit Hilfe der elektronischen Variante den Ausstieg schaffen.

Profitieren Raucher vom Umstieg auf E-Zigaretten?

Sogar ein bis zwei Prozent der Nichtraucher haben schon einmal elektrische Zigaretten ausprobiert. Kein Wunder, dass immer mehr Spezialgeschäfte eröffnen, die ausschließlich solche Zigaretten verkaufen. Haben E-Zigaretten für Raucher gesundheitliche Vorteile oder schaden sie mehr, als sie nutzen?

Die Wissenschaftler sind uneins. „Tatsächlich fällt bei E-Zigaretten das Verbrennungsprodukt Teer weg, das Krebs oder eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung auslösen kann“, sagt Bartsch. „Doch auf der anderen Seite inhalieren die Nutzer ein Chemiegemisch, von dem man noch gar nicht weiß, wie schädlich es für die Gesundheit ist.“

Es wird gedampft

In E-Zigaretten wird kein Tabak verbrannt, sondern eine Flüssigkeit (Liquid) erhitzt und der dabei entstehende Dampf eingeatmet. Die Nutzer rauchen also streng genommen nicht, sie „dampfen“. Hauptbestandteile der Flüssigkeit sind Propylenglykol, Aromastoffe und meistens Nikotin in unterschiedlichen Konzentrationen. „Es ist bekannt, dass Propylenglykol, das in Verneblungsanlagen auf der Bühne genutzt wird, die Atemwege reizt“, warnt Bartsch.

Einige der Aromastoffe können allergische Reaktionen auslösen und einige Liquids enthalten sogar krebserregende Substanzen. Auch Nikotin steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen, fördert zumindest das Wachstum bestehender Tumore und ist der Stoff, der körperlich abhängig macht.

Wird das Rauchen „renormalisiert“?

Eine E-Zigarette ist also höchstens im Vergleich zum herkömmlichen Glimmstengel weniger giftig. „Das heißt, nur starke Raucher könnten möglicherweise profitieren, sofern sie vollständig auf E-Zigaretten umsteigen – was die wenigsten tun“, resümiert Bartsch. „Für Nichtraucher dagegen bedeuten E-Zigaretten ein Gesundheitsrisiko.“

Kritiker befürchten zudem eine „Renormalisierung“ des Rauchens, was die Erfolge der Tabakprävention zunichte machen könnte: Schließlich ist der Anteil der Raucherinnen und Raucher seit Jahren rückläufig, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Doch bei den jungen Leuten sind mittlerweile besonders die E-Shishas beliebt. Sie funktionieren wie E-Zigaretten, nur dass das Mundstück einer Wasserpfeife nachgeahmt ist.

Cooles Image

„Die elektronischen Inhalationsgeräte haben ein so cooles Image, dass auch Jugendliche, die Nein zum Tabak sagen, eine E-Zigarette oder E-Shisha ausprobieren“, berichtet Bartsch. Zumal gerade E-Shishas harmlos daherkommen: Sie sind meistens nikotinfrei, bunt bemalt und locken mit süßen oder fruchtigen Aromamischungen. „Es besteht die Gefahr, dass Jugendliche und sogar Kinder über den Weg der E-Zigaretten und E-Shishas zum Tabakrauchen verführt werden“, warnt Suchtexpertin Bartsch.

In Befragungen gaben die meisten Nutzer von E-Zigaretten an, sie zur Entwöhnung vom Tabakrauch einzusetzen. Und tatsächlich gibt es wissenschaftliche Hinweise, dass E-Zigaretten den so genannten Suchtdruck reduzieren können – doch insgesamt ist die Datenlage noch widersprüchlich.

Suchtgefahr durch das orale Ritual

„Als Hilfsmittel für einen Rauchstopp sind die elektronischen Zigaretten wenig geeignet, weil sie das orale Ritual – also das Ziehen an einer Zigarette – aufrechterhalten und damit das Suchtgedächtnis aktivieren“, betont Gabriele Bartsch. Suchtexperten gehen davon aus, dass ein Rauchstopp im Kern eine Verhaltensänderung bedeutet und die Raucherinnen und Raucher sich von eingeübten Rauchmustern verabschieden müssen. „Doch dafür muss man sich entscheiden, gar nicht mehr zu einer Zigarette zu greifen – sei es eine konventionelle oder eine elektrische“, so Bartsch.

Beim Schritt in ein rauchfreies Leben können Programme helfen, wie sie zum Beispiel die AOK mit „Ich werde Nichtraucher“ anbietet. Bartsch: „Sehr starke Raucher, denen es schwerfällt aufzuhören, sollten als zusätzliches Hilfsmittel lieber anerkannte Nikotinersatzpräparate nutzen.“

Eingestellt am: 30. Dezember 2016