Borreliose: Wenn Zeckenstiche Folgen haben

Zecken können Borreliose übertragen

Foto © Lentze

Gegen die größte Gefahr durch Zeckenstiche gibt es keine Impfung: Die Borreliose kann noch nach Jahren zu Gelenkentzündungen und chronischen Schmerzen führen. Gute Vorsorge ist daher wichtig.

In Zeiten der Corona-Epidemie sehnen wir die ersten warmen Tage besonders herbei, um endlich der Isolation zuhause zu entfliehen. Die Parole „Bitte Abstand halten“ gilt dann aber nicht nur für andere Menschen – sondern auch für Zecken. Denn Zeckenstiche können gefährlich werden. Die Blutsauger übertragen zwar keine Corona-Viren, aber sehr häufig Borrelien: Diese Bakterien verursachen die Borreliose. Sie äußert sich wie eine Corona-Infektion zunächst durch grippeähnliche Symptome.

Vier Millionen Menschen in Deutschland haben chronische Schmerzen. Jeder vierte von ihnen hat nach Ansicht von Medizinern sein Leiden einem vor Jahren unbemerkten oder unzureichend behandelten Zeckenstich zu verdanken. Eine unbemerkte Borreliose kann noch Jahre nach der Infektion Gelenkentzündungen, Muskelschmerzen, Immunschäden, Blutarmut und sogar eine Form der Leukämie hervorrufen.

Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden

Eine Impfung gegen Borreliose ist nicht möglich. Was Infektionen durch Zecken betrifft, ist nur die Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) verfügbar. Diese Gehirnhautentzündung ist aber selten. Die Borreliose kommt 50 bis 100 Mal häufiger vor. So sind etwa in der Region um den Bodensee fast 60 Prozent aller Zecken Träger von Borrelien. Generell kann in Deutschland jede dritte bis fünfte Zecke die Infektion übertragen.

Natürlich ist auch FSME nicht harmlos, schwere Komplikationen wie Nervenschäden und Rückenmarksentzündungen sind möglich. Wer in den Risikogebieten lebt und oft in der Natur ist, sollte sich impfen lassen. Einmal ausgebrochen, ist gegen die Virus-Infektion medikamentös nichts mehr zu machen. Anders sieht es bei der Borreliose aus. Sie kann mit Antibiotika wirksam behandelt werden.

Hautrötung ist ein Warnsignal

Die Antibiotika müssen aber rechtzeitig eingesetzt werden, damit es nicht zu gravierenden Spätfolgen kommt. Wenn innerhalb von zwei Wochen nach einem Zeckenstich grippeähnliche Beschwerden auftreten mit hohem Fieber (bis 39,5 Grad) und Gelenk- oder Muskelschmerzen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ein frühes Anzeichen für Borreliose ist eine sich ausdehnende Hautrötung um die Einstichstelle (Wanderröte). Dieses Symptom tritt allerdings nur in etwa der Hälfte aller Fälle auf.

Die beste Waffe gegen von Zecken übertragene Krankheiten ist immer noch die Vorsorge, damit es erst gar nicht zum Stich kommt. Dabei ist es hilfreich, etwas mehr über die Blutsauger zu wissen. Die Zecke entwickelt sich als Larve aus den Eiern, die das Weibchen im Waldlaub ablegt. Die nur einen halben Millimeter großen Jungen sind bereits aktive Blutsauger. Allerdings erwischen sie meist nur Kleintiere wie Mäuse und Ratten. Im zweiten Stadium, als etwa einen Millimeter große Nymphen, suchen sich die Jungzecken erneut einen Wirt. Aus der Nymphe entsteht die erwachsene Zecke.

Nach jedem Waldspaziergang den Körper absuchen

Zecken lauern im Gras oder Gebüsch bis in Höhen von etwa einem Meter. Erst wenn ihnen ein Tier oder Mensch so nahe kommt, dass sie die Ausdünstungen der warmen Haut wittern, lassen sie sich abstreifen. Sie stechen mit ihrem hornigen Blutsäbel aber nicht sofort zu, sondern krabbeln bis zu eineinhalb Stunden auf dem Körper, um die beste Einstichstelle zu finden. Zecken lieben besonders gut durchblutete Partien wie Kopfhaut, Ohren, Hals, Arm- und Kniebeugen, Leisten, Hände und Füße.

Die Krabbelzeit sollte genutzt werden, um nach dem Waldspaziergang den Körper abzusuchen. So kann man Zecken finden, bevor sie sich in die Haut gebohrt haben. Ärzte empfehlen neuerdings zur Zeckenentfernung vor dem Stich Fusselrollen, die sowohl krabbelnde Zecken als auch die nur millimetergroßen Nymphen mit ihrem Klebstoff packen.

Zum Schutz vor Zecken gilt:

* Meiden Sie Unterholz, Gebüsch und hohes Gras im Wald und auch im Park.
* Tragen Sie festes Schuhwerk, lange Hosen und Kniestrümpfe.
* An unbedeckten Körperstellen können Insekten-Repellents Zecken abschrecken.
So kriegen Sie die Zecke weg:
* Bitte nicht mit Alleskleber oder Öl beträufeln, sonst bleibt dem Insekt die Luft weg. Eine Zecke, die keine Luft mehr kriegt, würgt aber ihre Verdauungssäfte in die Wunde – und gerade darin sind die Krankheitserreger enthalten.
* Aus dem gleichen Grund sind nur schmale Pinzetten oder Zeckenzangen, die das Tier direkt an der Einstichstelle auf der Haut packen, ratsam. Wird nämlich Druck auf den Zeckenkörper ausgeübt, ergießen sich etwaige Keime aus dem Leib des Blutsaugers in die Wunde.
* Manche Ärzte raten, im Zweifelsfall die Zecke mit einer scharfen Schere abzuschneiden. Der schwarze Punkt, der in der Haut zurückbleibt, ist nicht der Kopf, denn Zecken haben keinen Kopf. Es handelt sich um das Stechwerkzeug, das von der Haut mit der Zeit abgestoßen wird.
* Sobald sich nach einem Zeckenstich eine kreisförmige Rötung zeigt oder grippeähnliche Beschwerden auftreten, sofort zum Arzt! Da Symptome oft mit Verzögerung auftreten, sollte jeder Zeckenstich mindestens vier Wochen beobachtet werden.
Eingestellt am: 3. April 2020