Bluthochdruck besonnen behandeln

Zwei neue Studien empfehlen sehr strenge Zielwerte bei Bluthochdruck. Viele Patienten sind nun verunsichert. Doch die Deutsche Hochdruckliga rät davon ab, die Behandlung kurzfristig zu ändern.

Herz mit idealem Blutdruck

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Bisher gilt für fast alle Bluthochdruck-Patienten das gleiche Therapieziel: Der obere (systolische) Wert soll möglichst unter 140 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) liegen. Doch zwei aktuelle Studien haben diese Vorgabe erschüttert: Sie ergaben, dass „typische, unkomplizierte Bluthochdruck-Patienten“ noch seltener einen Infarkt oder Schlaganfall erleiden, wenn der obere Blutdruckwert unter 120 mmHg abgesenkt wird.

Diese Empfehlung kann jedoch nicht verallgemeinert werden, betont Professor Martin Hausberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga (DHL): „Die Studienergebnisse dürfen nicht einfach auf alle Hochdruckpatienten übertragen werden.“ Denn sie gelten nur für bestimmte Patienten – so waren Diabetiker und viele Personen mit weiteren Erkrankungen von der Untersuchung ausgeschlossen. Die DHL rät deshalb den Ärzten: Sie sollten jeden Fall individuell betrachten, um sich gemeinsam mit dem Patienten für die geeignete Therapie zu entscheiden.

Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen

Grundsätzlich sollten Menschen mit Bluthochdruck nicht vorschnell ermuntert werden, ihre Werte übermäßig zu senken. Denn die dazu nötige intensivierte Therapie hat ihren Preis: Um den strengen Zielwert von 120 mmHg zu erreichen, müssen viele Bluthochdruckpatienten drei oder mehr synthetische Medikamente einnehmen – entsprechend höher ist ihr Risiko für Nebenwirkungen wie Kreislaufzusammenbrüche, Ohnmacht, Elektrolytstörungen und akutes Nierenversagen. „Senkt man den Bluthochdruck intensiv, müssen die Patienten hinsichtlich der Nebenwirkungen engmaschig kontrolliert werden“, betont Professor Hausberg.

Der Experte rät davon ab, vorschnelle Rückschlüsse zu ziehen: „Wir müssen abwarten, ob sich die Ergebnisse beider Studien weiter bestätigen“, erklärt Hausberg. „Auch die Rolle, die die eingesetzten Medikamente für den Behandlungserfolg spielen, ist noch nicht klar.“

Im Übrigen gilt: Wer als Patient aus Gründen der Vorsorge ehrgeizige Blutdruckzielwerte anstrebt, sollte sich nicht allein auf die Messungen beim Arzt verlassen. Wenn geschulte Menschen in Ruhe zu Hause messen, liegen ihre Blutdruckwerte erfahrungsgemäß 5 bis 20 mmHg niedriger als bei üblicher manueller Messung in der Praxis.

Weitere Informationen unter www.hochdruckliga.de

Eingestellt am: 2. Mai 2016