Wie wirken Biologicals?

Die Wirkung von Biologicals

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Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel sind die Hoffnung vieler kranker Menschen. Ein bedeutendes Einsatzgebiet sind entzündlich-rheumatische Erkrankungen.

Hinter den Begriffen Biologika oder Biologicals verbergen sich ganz unterschiedliche Arzneimittel, denen die biotechnologische Produktion gemeinsam ist. Wie der Name bereits vermuten lässt, werden die Wirkstoffe nicht chemisch hergestellt, sondern vielmehr von lebenden Organismen oder Zellen, zum Beispiel von in Kultur gezüchteten Bakterien oder Pilzen. Damit die gewünschten Wirkstoffe überhaupt erzeugt werden können, müssen die Organismen jedoch zunächst gentechnisch verändert werden. Biologicals werden nicht in Tablettenform eingenommen, sondern gespritzt. Das liegt daran, dass die großen und sehr komplexen Wirkstoffmoleküle im Magen-Darm-Trakt schnell abgebaut würden und nicht in ausreichender Menge ins Blut gelangen könnten.

Insulin stand am Anfang

Das erste Biological war übrigens ein allseits bekanntes Medikament: das Insulin zur Behandlung von Diabetes. Biotechnologisch hergestelltes Insulin ersetzt seit Jahrzehnten seinen Vorgänger – nämlich jenes Insulin, das früher aus den Bauchspeicheldrüsen von Schweinen und Rindern gewonnen wurde. Weitere Beispiele für moderne Biologicals sind Gerinnungsfaktoren für Patienten mit Bluterkrankheit, Impfstoffe, Wachstumshormone für Kinder mit hormonell bedingtem Minderwuchs und Immunmodulatoren, die etwa zur Behandlung von chronischen Viruserkrankungen eingesetzt werden. Auch aus der Krebstherapie sind Biologicals nicht mehr wegzudenken.

Unterschiedliche Wirkprinzipien

Während die biotechnologische Produktion allen Biologika gemeinsam ist, unterscheiden sich ihre Wirkprinzipien erheblich voneinander. Ein Teil der Medikamente behebt einen Mangel, zum Beispiel einen Insulinmangel bei Diabetes oder einen Enzymmangel bei erblich bedingten Enzymmangel-Krankheiten. In der Krebstherapie kommen hingegen etwa biotechnologisch hergestellte Antikörper zum Einsatz. Sie binden an bestimmte Rezeptorproteine, die auf der Oberfläche von Krebszellen häufig, auf gesunden Zellen aber selten zu finden sind. Die gezielte Blockade dieser Rezeptoren kann verhindern, dass die Krebszelle weiter wächst.

Stark gegen Rheuma

Bei rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis schalten Biologicals unterschiedliche entzündungsfördernde Botenstoffe aus, etwa TNF-alpha oder Interleukin-6. Dies gelingt, indem die Medikamente entweder den natürlichen Bindungspartner dieser Botenstoffe passgenau imitieren oder als Antikörper binden. Durch die Bindung der entzündungsfördernden Stoffe durch die Biologika werden die Botenstoffe blockiert. Sie können nun nicht mehr an den Rezeptoren der Zellen andocken und dort die Entzündungsreaktion in Gang setzen. Einige Biologika blockieren keine Botenstoffe, sondern bestimmte Abwehrzellen, die ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung der chronischen Entzündung spielen. Biologicals, die zur Behandlung von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden, hemmen also auf unterschiedliche Weise die überschießende Immunreaktion des Körpers. Das bedeutet aber auch, dass sie auch andere Immunreaktionen unterdrücken, die zur Abwehr von Krankheitserregern sinnvoll sind. Für Rheuma-Patienten bedeutet das: Durch die Behandlung mit Biologicals kann auch das Infektionsrisiko steigen.

Eingestellt am: 20. Mai 2014