Testosteronmangel

Häufiges Problem mit zahlreichen Symptomen

Expertenrat bei Testosteronmangel
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Ein Mangel an dem "Männerhormon" Testosteron bleibt oftmals unerkannt, seine Symptome aber können die Lebensqualität stark beeinträchtigen und sogar die Lebenserwartung reduzieren. Woran sich die Problematik erkennen lässt und was Betroffenen hilft, erklärte Professor Dr. Frank Sommer, der Experte unserer Telefonaktion zum Weltmännertag. Lesen Sie hier die Antworten des Experten zu ausgewählten Fragen der Anrufer.

Seit einiger Zeit fühle ich (62) mich antriebslos, bin manchmal gereizt und habe immer seltener Lust, etwas zu unternehmen. Das fällt vor allem meiner Frau immer häufiger auf. Lohnt es sich, meinen Testosteronwert überprüfen zu lassen?

Prof. Dr. Sommer: Unbedingt! Denn ein Testosteronmangel führt nicht nur zu Potenzproblemen – auch eine nachlassende Leistungsfähigkeit, Stimmungsschwankungen bis hin zur einer Depression sind typische Symptome. Hausärzte oder Urologen können den Testosteronspiegel im Blut einfach bestimmen und beim Nachweis eines Mangels eine Therapie mit einem regelmäßig auf die Haut aufzutragenden Testosteron-Gel oder mit Injektionen verordnen. Nach drei bis vier Wochen kehren Libido und Antriebskraft meist langsam zurück, und depressive Stimmungen können nach ca. einem Vierteljahr verschwinden.

Schon seit längerem habe ich (59) kaum noch Lust auf Sex, und wenn es dazu kommt, ist meine Erektion nicht mehr so wie früher. Kann das an einem Testosteronmangel liegen?

Prof. Dr. Sommer: Ja, bei Potenzstörungen oder sexueller Unlust liegt neben anderen Ursachen, die auch ärztlich abgeklärt werden müssen, häufig zusätzlich ein Mangel an dem männlichen Sexualhormon vor. Falls Sie PDE-5-Hemmer wie Sildenafil verwenden und selbst diese nicht richtig helfen, kann dies ebenfalls auf einen Testosteronmangel hindeuten. Denn damit das Medikament meist gut wirken kann, muss der Testosteronspiegel im normalen Bereich liegen.

Ich bin ein Mann (56) und leide seit einiger Zeit unter Beschwerden, die eigentlich typisch für Frauen-Wechseljahre sind, nämlich Schwitzen, Hitzewallungen und Schlaflosigkeit. Gibt es bei Männern auch Wechseljahre?

Prof. Dr. Sommer: Auch bei Männern verändert sich im Alter der Hormonhaushalt: Abhängig von Lebensstil und Gesundheitszustand nimmt die Testosteronproduktion mit zunehmendem Alter häufig ab. Daher leidet etwa jeder vierte bis fünfte Mann ab sechzig an zu niedrigen Testosteronwerten und den daraus resultierenden Beschwerden. Da die Problematik aber nicht auf jeden Mann zutrifft, sollte man nicht von „männlichen Wechseljahren“ sprechen.

Ich (58) habe vor wenigen Wochen die Diagnose Diabetes Typ 2 erhalten. Stimmt es, dass sich die Erkrankung mit einer Testosterontherapie rückgängig machen lässt?

Prof. Dr. Sommer: Das ist richtig – sofern Ihr Testosteronspiegel erniedrigt ist oder im unteren Normbereich liegt. Dann kann eine Testosterontherapie dazu beitragen, dass sich ein kürzlich diagnostizierter Typ-2-Diabetes zurückentwickelt. Auf gleiche Weise kann übrigens auch die Entstehung eines Typ-2-Diabetes verhindert werden. Diese Erkenntnisse hat eine neue wissenschaftliche Studie erbracht, die zudem gezeigt hat, dass es gerade für Männer mit Diabetes Typ 2 oder seiner Vorstufe Prädiabetes sehr wichtig ist, auf ihren Testosteronspiegel zu achten.

Laut eines Online-Selbsttests liegt bei mir (48) der Verdacht auf einen Testosteron­man­gel vor. Wie funktioniert die Behandlung mit Testosteron überhaupt, und muss ich diese selbst bezahlen?

Prof. Dr. Sommer: Wenn Sie den Verdacht haben, unter einem Testosteronmangel zu leiden, sollten Sie zeitnah Ihren Hausarzt oder besser einen Urologen oder Andrologen aufsuchen. Mit einer Blutunter­suchung kann der Arzt völlig unkompliziert und schnell feststellen, ob Sie mit Ihrer Vermutung richtig liegen. Bestätigt sich der Verdacht, kann der Arzt eine Testosterontherapie verordnen, um Ihren Testosteronspiegel wieder anzuheben. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen, wenn der Tes­tosteronmangel durch zwei Blutuntersuchungen eindeutig nach­gewiesen ist und Sie entspre­chende Be­schwerden haben. Für die Behandlung haben sich vor allem Testosteron-Präparate in Form von transdermalen (auf die Haut aufzutragenden) Gelen oder intramuskulären Spritzen bewährt. Testos­te­ron-Gele werden einmal täglich auf be­stimmte Hautareale wie beispielsweise Schultern oder Ober­arme auf­getragen und stellen zu­verlässig wieder normale Testosteronwerte im Blut her. Wenn Sie allerdings keine täglichen Gel-Anwendungen wünschen, gibt es Alternativen. Besprechen Sie ge­meinsam mit Ihrem Arzt, welche Darreichungsform für Sie am besten geeignet ist.

Ich (50) habe gelesen, dass das Nachlassen der Testosteronproduktion im Alter etwas ganz Natürliches ist, das eigentlich gar nicht behandelt werden muss. Stimmt das?

Prof. Dr. Sommer: Richtig ist, dass sich auch bei Männern der Hormonhaushalt im Alter verändert. Die Produktion des wichtigsten männlichen Sexualhormons Testosteron nimmt etwa ab dem 40. Lebensjahr langsam ab. Dieser Vorgang ist tatsächlich ganz natürlich und (noch) nicht problematisch. Kommen allerdings Begleiterkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder erhöhte Blutfettwerte hinzu, kann der Testosteronspiegel unter den Normalwert rutschen. Hierdurch ergibt sich dann ein spürbarer Mangel, von dem im Alter ab 60 Jahren bereits etwa jeder vierte bis fünfte Mann be­troffen ist. Begleitet wird er von Beschwerden, die sich nach und nach einschleichen – wie Abgeschlagenheit, Erektionsproblemen, sexueller Unlust, Schlaf­stö­rungen oder Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression. Unter derartigen Be­schwerden können Betroffene zum Teil sehr leiden. In diesen Fällen ist eine Testosteronthe­rapie absolut sinnvoll, da sich die Be­schwerden dadurch unkompliziert und gut verträglich lindern bzw. be­seitigen lassen. Zudem haben Stu­dien ge­zeigt, dass ein unbehandelter Tes­tosteronmangel sogar die Lebenserwartung senken kann. Auch aus diesem Grund ist bei zu niedrigen Testos­teronwerten eine Testoste­rontherapie sinnvoll. Und nicht dass Sie denken, dass ein Testoste­ronmangel nur über 60-Jährige betreffen kann: Ich habe sogar einige wenige Patienten in der Männergesundheits-Spezial-Sprechstunde, die sogar unter 30 Jahre alt sind!

Wegen meiner Rückenprobleme komme ich (61) seit knapp zwei Jahren nicht mehr ohne starke Schmerzmittel aus. Nun habe ich gelesen, dass eine Opioid-Therapie zu Testos­teronmangel führen kann. Ist das richtig und falls ja, was kann ich tun?

Prof. Dr. Sommer: Ja, tatsächlich kann eine Schmerztherapie mit Opioiden einen Mangel an Testosteron und damit auch be­gleitende Beschwerden hervorrufen – und das passiert gar nicht selten! Denn Studien haben gezeigt, dass über die Hälfte der männlichen Patienten, die über längere Zeit mit Opioiden (starke Schmerzmittel, die morphinartige Eigenschaften aufweisen) behandelt werden, einen Testosteronmangel als Nebenwirkung entwi­ckeln. Dieser kann zu den typi­schen Testosteronmangel-Symptomen führen wie sexuelle Unlust, Erek­tionsstörungen, aber auch Erschöpfung, Konzentrationsschwäche oder Schlafstö­rungen. Wenn Sie derartige Be­schwer­den bei sich feststellen, sollten Sie Ihren Arzt oder einen Urologen oder Andrologen darauf ansprechen und einen möglichen Testos­teronmangel abklä­ren lassen. Bestätigt sich der Verdacht, lässt sich der Testosteronspiegel zum Beispiel mit einer Testoste­ron-Gel-The­rapie wieder leicht ins Gleichgewicht bringen. Das ist im Übrigen besonders für Rücken­schmerzpatienten wichtig, denn ein Testosteronmangel kann auch zum Muskelabbau führen, und eine geschwächte Rückenmuskulatur kann wiede­rum chronische Rückenschmerzen ver­ursachen. Möglicherweise kommt aber auch ein Wechsel des Schmerzmittels infrage, sodass sich die Testosteronproduktion wieder erholen kann.

Ist es sinnvoll, seinen Testosteronwert regelmäßig überprüfen zu lassen? Und falls ja, ab welchem Alter sollte das passieren?

Prof. Dr. Sommer: Der Testosteronspiegel kann bei Männern bereits ab dem 40. Lebensjahr langsam absinken. In manchen selteneren Fällen sogar noch wesentlich früher! Deshalb rate ich sogar dazu, dass man um die 20er Jahre einmal seinen Wert bestimmen lassen sollte, damit man, wenn man im weiteren Lebensverlauf Symptome entwickelt, auch seinen individuellen Wert, bei dem man sich wohl gefühlt hat, kennt. Eine re­gelmäßige Überprüfung der Testosteronwerte ist vor allem dann sinnvoll, wenn Risiko­faktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder er­höhte Blutfett­werte vorliegen. Und das gilt natürlich umso mehr, wenn Sie bereits an entspre­chenden Symptomen leiden, die auf einen Testosteronmangel hinweisen. Hierzu zählen Po­tenzprobleme, sexuelle Unlust, Antriebs­schwäche oder Muskelabbau.

Bei mir (63) wurde ein Testosteronmangel festgestellt, und mein Arzt hat mir eine Tes­tosterontherapie empfohlen. Ich habe aber Angst, dass ich durch die Therapie Pros­ta­takrebs bekommen könnte.

Prof. Dr. Sommer: Diese Sorge kann ich Ihnen nehmen. Bevor der Arzt Ihnen eine Testosterontherapie ver­schreibt, wird er den Zustand Ihrer Prostata genau untersuchen. Sollte bei Ihnen bereits ein Prostatakar­zinom diagnostiziert worden sein, wird der Arzt eine Testosteron­therapie tatsäch­lich ausschlie­ßen. Wenn eine bösartige Veränderung der Prostata vom Arzt sicher ausge­schlossen wurde, besteht durch die Testosterontherapie kein erhöhtes Risiko, an Prostata­krebs zu erkranken. Ihr behandelnder Arzt wird Sie zudem im ersten Behandlungsjahr in re­gelmä­ßigen Abständen für Kontrolltermine in die Praxis bestellen, um Ihren Gesundheitszu­stand zu überprüfen.

Kann ich (55) meine körpereigene Testosteronproduktion unterstützen und wenn ja, wie?

Prof. Dr. Sommer: Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung haben wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden und zugleich auch auf den Testosteronspiegel. Vor allem Sport – am besten zwei- bis dreimal in der Woche moderates Kraft- und Ausdauertraining – pusht die Eigenpro­duktion von Testosteron. Zugleich hilft die Bewegung im Kampf gegen Übergewicht. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Faktor, denn gerade die Fettzellen in der Bauchregion – also der für Männer typische „Bierbauch“ – führen zur Reduktion des Testosteronwertes im Blut. Liegt ein Testosteronmangel vor, fehlt aber leider oftmals der Antrieb für einen gesünderen Lebens­stil. Wenn ein Testosteronmangel nachgewiesen wurde, kann eine Testosterontherapie und die dadurch erzielte Normalisierung des Testosteronspie­gels Ihnen dabei helfen, Ihren inneren Schweine­hund besser zu überwinden. Man kann hier von einer Art „Initialzündung“ sprechen, die Betroffene aus der Abwärtsspirale herausholt und sie zu einer ausgewogeneren Ernährung und regel­mäßiger körperlicher Aktivität motiviert.

 

Ob auch Sie von einem Testosteronmangel betroffen sein könnten und einen Arzt aufsuchen sollten, können Sie mit einem anonymen Selbsttest herausfinden, zum Beispiel auf dem Online-Informationsportal www.mannvital.de.

Es ist sinnvoll, sich neben einer Testosterontherapie auch körperlich zu bewegen und auf seine Ernährung zu achten. Hier finden Sie ein einfaches Trainingsprogramm, welches die Muskeln des Körpers gut stimuliert: 3x3x3, das Drei-Minuten-Workout für Erfolgreiche

Eingestellt am: 3. November 2021