Trauerspiel auf Deutschlands Straßen

Ein zentrales Mahnmal soll an die Verkehrstoten erinnern

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Wir alle sind täglich im Verkehr unterwegs – als Fußgänger, Radler oder Autofahrer. Und wir alle wollen gesund ankommen. Deshalb ist Umsicht geboten. Wie gefährlich es auf den Straßen ist, zeigt diese Zahl: Seit Gründung der Bundesrepublik wurden mehr als 700.000 Verkehrstote gezählt.

In wenigen Wochen wird die Zahl der 2018 im Straßenverkehr Getöteten veröffentlicht. Erste Schätzungen weisen darauf hin, dass mehr Todesopfer als im Vorjahr zu beklagen sein werden. Mit über 700.000 Verkehrstoten seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde in den vergangenen 70 Jahren die Bevölkerung einer ganzen Großstadt durch den Autoverkehr ausgelöscht. Hinzu kommt eine noch sehr viel höhere Zahl an Schwerverletzten – auch diese Menschen und ihre Angehörigen erleben unermessliches Leid.

„Zehn Getötete pro Tag, über 3.000 pro Jahr, und alle nur Zahlen in der Statistik. Damit muss Schluss sein. In Berlin und im Bund haben sich die Regierungen der „Vision Zero“, also der Reduktion der schweren Personenschäden und Verkehrstoten auf Null als Planungsleitlinie verständigt. Ein zentrales Mahnmal ist dazu ein wichtiger Schritt, um Bewusstsein zu schaffen und Verantwortung anzuerkennen“, so Frank Masurat, Mitbegründer des Personenbündnisses Mahnmal-Verkehrstote.

Jeder Verkehrstote ist einer zu viel

Zwar würden die Getöteten jedes Jahr aufs Neue ausgiebig bedauert, aber dennoch scheine es, dass die Verantwortlichen in der Politik den jährlichen Blutzoll akzeptieren, um das automobile Verkehrssystem am Leben zu erhalten – so das Bündnis. Den Angehörigen der Getöteten bleibt nur die private Trauer. Oft werde der Unfalltod als Folge persönlichen Fehlverhaltens oder technischen Versagens im Einzelfall bagatellisiert.

„Es sind tausende Einzelfälle pro Jahr. Auch wenn niemand die Getöteten will, so liegt doch die Verantwortung für das Gesamtsystem, das jährlich mehrere tausend Tote produziert, im Bundesverkehrsministerium. Diese Verantwortung nicht wahrzunehmen, ist nicht nur falsch, sondern schäbig und unanständig!“ so Denis Petri, Mitbegründer des Personenbündnisses.

Zentrales Mahnmal beim Verkehrsministerium

Das Personenbündnis Mahnmal für die Verkehrstoten fordert ein zentrales Mahnmal der Bundesrepublik Deutschland für die im Straßenverkehr Getöteten gegenüber dem Bundesministerium für Verkehr. Es soll ein zentraler Trauerort geschaffen werden, der sich in räumlicher Nähe zum verantwortlichen Ministerium befindet. Den Getöteten solle in einer Art und Weise gedacht werden, die klar die Verantwortung der Bundesregierung anerkennt.

„Wie den im Einsatz getöteten Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr muss auch den im Straßenverkehr Getöteten zentral gedacht werden. Wie bei den Soldatinnen und Soldaten will zwar niemand deren Tod, allerdings wird er als notwendig erachtet und somit in Kauf genommen. Die Bundesregierung muss sich mit dem Mahnmal zu ihrer Verantwortung bekennen, wenn sie den mörderischen Autoverkehr weiterhin so beibehalten will, und Andreas Scheuer und seine Mitarbeiter*innen müssen jeden Tag an ihre Verantwortung erinnert werden“, fordert Yvonne Hagenbach, Mitbegründerin des Personenbündnisses.

Das Personenbündnis hat entsprechende Petitionen an die Petitionsausschüsse des Deutschen Bundestages und des Berliner Abgeordnetenhauses gerichtet sowie eine Onlinepetition gestartet.

Eingestellt am: 1. Februar 2019