Trigeminus: Hilfe bei Gesichtsschmerzen

Bei der Trigeminus-Neuralgie kommt es zu extrem starken Gesichtsschmerzen. Auslöser der Attacken sind oft minimale äußere Reize. Der Trigeminus plagt vor allem Menschen über 40 Jahre.

Mann mit Schmerzen im Gesicht, rot gekennzeichnet

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Der Trigeminus ist ein Gesichtsnerv. Er übermittelt zum Beispiel Berührungs- oder Schmerzreize vom Gesicht an das Gehirn, ist aber auch für die Motorik der Kaumuskulatur zuständig. Der Trigeminusnerv unterteilt sich in drei Äste, die Empfindungen aus unterschiedlichen Gesichtsregionen an das Gehirn weiterleiten: Der erste Ast von Stirn und Augen, der zweite von Wange und Oberkiefer und der dritte vom Unterkiefer.

Die Schmerzen bei einer Trigeminusneuralgie kommen schlagartig: scharf und stechend und meist nur einseitig. Die Attacken dauern normalerweise nur einige Sekunden bis maximal zwei Minuten, dafür können sie mehrfach täglich dicht hintereinander auftreten. Solche Episoden peinigen Betroffene oft über Wochen und Monate, dann folgen wieder kürzere oder längere schmerzfreie Phasen.

Meist harmlose Auslöser

Die Auslöser der heftigen Schmerzen sind oft harmlos: ein kühler Windhauch, eine kurze Berührung oder alltägliche Tätigkeiten wie zum Beispiel Kauen, Sprechen oder Zähneputzen. Aber auch emotionaler Stress löst unter Umständen den Schmerz aus, der manchmal mit kleinen Muskelkrämpfen in der betroffenen Gesichtspartie einhergehen kann.

Aus Angst vor der nächsten unberechenbaren Attacke wagen manche Betroffene kaum noch zu essen oder zu trinken und riskieren dadurch weitere Probleme. Langjährig Gepeinigte kämpfen nicht selten auch mit Depressionen.

Eingezwängter Nerv

Die blitzartigen Schmerzen werden häufig von einem Blutgefäß ausgelöst, das kurz hinter seiner Austrittsstelle im Hirnstamm auf den Nerv drückt. Der eingezwängte Nerv macht dann durch Schmerzimpulse auf sich aufmerksam. Diese „klassische“ Form der Trigeminusneuralgie ist die bei weitem häufigste. Meist treten die Schmerzattacken im Bereich des zweiten und des dritten Nervenastes im Bereich der Kiefer auf.

Von der eher seltenen symptomatischen Trigeminusneuralgie spricht man, wenn eine zugrunde liegende Erkrankung die Schmerzen auslöst. Das kann ein Hirntumor sein, Multiple Sklerose (MS) oder auch eine Kopfverletzung. In einem solchen Fall sind auch die Phasen zwischen den Attacken manchmal von dumpfen Schmerzen oder Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln begleitet und können in beiden Gesichtshälften auftreten.

Eine genaue Diagnose ist wichtig

Weil nicht alle Schmerzen im Gesichtsbereich auf eine Trigeminusneuralgie zurückgehen, müssen Untersuchungen andere Ursachen wie zum Beispiel Probleme mit den Kiefergelenken oder Zähnen oder auch Clusterkopfschmerzen ausschließen.

Deswegen wird der Facharzt, der Neurologe, den Patienten genau befragen, die Sensibilität prüfen und bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) zur Untersuchung des Schädels einsetzen. Die Behandlung richtet sich dann nach der Schmerzursache.

Bei Trigeminus helfen Schmerztabletten nicht

Es bringt nichts, eine klassische Trigeminusneuralgie mit Schmerzmitteln zu behandeln. Bis die Wirkung der Tablette nach 15 bis 30 Minuten einsetzt, ist die Attacke schon wieder abgeklungen. Wirkungsvoller ist eine vorbeugende Behandlung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, die sonst zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden. Anti-Epileptika blockieren die Weiterleitung bestimmter Nervenimpulse und sollen Schmerzen und Anfallshäufigkeit reduzieren. Die Arzneidosis wird gesteigert, bis die Schmerzattacken unter Kontrolle sind. Bleiben Patienten vier bis sechs Wochen anfallsfrei, wird sie schrittweise wieder reduziert.

Bei jedem zweiten bis dritten Patienten wirkt die medikamentöse Behandlung nicht auf Dauer. Wenn auch Versuche mit naturheilkundlichen Verfahren keine Linderung bringen, versprechen nur operative Eingriffe wie die mikrovaskuläre Dekompression oder eine Verödung der Schmerzfasern (Thermokoagulation) Besserung. Eine schonende Alternative zur OP bieten radiochirurgische Verfahren: Dabei wird der Trigeminus-Nerv nah am Hirnstamm einmalig mit dem „Gamma Knife“ oder „Cyber Knife“ und einer hohen Strahlendosis bestrahlt.

Eingestellt am: 12. Juni 2016