Notfall-Verhütung: die Pille danach

Die Pille danach verschiebt den Eisprung

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Der Jahresreport zur Notfallverhütung 2018 enthüllt: Nach drei Jahren Notfall-Pille ohne Rezept gibt es immer noch eine große Unwissenheit. Viele Frauen wissen zum Beispiel nicht, dass sie die Notfall-Pille rezeptfrei in der Apotheke bekommen können.

Seit nunmehr drei Jahren ist die Pille zur Notfallverhütung rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Auch in diesem Jahr wurden wieder über 1.000 Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren mit einer repräsentativen forsa-Umfrage zu ihrem Wissensstand zur Notfall-Pille befragt. Während 2017 noch 37 Prozent der befragten Frauen nicht wussten, dass die Notfall-Pille seit 2015 rezeptfrei in Apotheken erhältlich ist, so wissen heute immerhin 76 Prozent um diese Möglichkeit. Jüngere Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren sind hierbei häufig besser informiert als Frauen bis 40 Jahre. Doch auch wenn sich dieses Ergebnis verbessert hat: Ein Viertel der befragten Frauen wissen noch immer nicht, dass sie die Notfall-Pille rezeptfrei in der Apotheke bekommen können.

Die Notfall-Pille verzögert den Eisprung

Leider kaum Wissenszuwachs hat es im vergangenen Jahr im Bereich der Wirkweise gegeben: Immer noch 37 Prozent der Befragten glauben, dass die Pille danach einer Abtreibung gleichkommt. Ein alarmierendes Ergebnis. Es zeigt, dass die Kommunikation rund um die Notfallkontrazeption verbesserungswürdig ist. Denn die Notfall-Pille führt in keinem Fall zu einem Abort. Sie verzögert den Eisprung, sodass es nicht zu einer Befruchtung kommen kann.

Apothekerin Dr. Ute Koch aus Berlin: „Es ist noch nicht allgemein bekannt, dass die Notfall-Pille eine Schwangerschaft verhüten, aber keinesfalls abbrechen kann. Dieses Unwissen über die Wirkweise erzeugt leider auch unbegründete moralisch-ethische Vorbehalte gegenüber der Notfall-Pille. Allein auf die Frauen bezogen besteht noch Nachholbedarf, was das Wissen über die rezeptfreie Verfügbarkeit der Notfall-Pille betrifft. Dieses wiederum ist aber die Grundvoraussetzung dafür, dass sich eine Frau das Präparat unbürokratisch und somit zeitnah in der Apotheke holen und einnehmen kann. Die Notfall-Pille wirkt unabhängig von ihrem Wirkstoff umso effektiver, je früher sie nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr angewendet wird.“

Zwei Wirkstoffe zur Notfallverhütung

Derzeit gibt es auf dem Markt zwei Wirkstoffe im Bereich Notfall-Verhütung: Levonorgestrel (LNG), ein Wirkstoff mit über 30 Jahren Erfahrung, und Ulipristalacetat (UPA), das relativ neu am Markt besteht. Der Unterschied beider Wirkstoffe liegt unter anderem im empfohlenen Zeitraum der Anwendung nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. LNG-haltige Notfallkontrazeptiva können innerhalb eines Zeitraumes von 72 Stunden, solche mit dem Wirkstoff UPA innerhalb eines Zeitraumes von 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden.

Unabhängig vom Wirkstoff sind die Mittel zur Notfallverhütung jedoch nur dann wirksam, wenn sie rechtzeitig vor dem Eisprung eingenommen werden. Auch andere mögliche Gegenanzeigen sind vor der Einnahme zu beachten. Zum einen bei schwerem Asthma bronchiale, das durch Einnahme von oralen Glucocorticoiden behandelt wird, oder bei einer eingeschränkten Leberfunktion: Hier sollte nur ein Notfallkontrazeptivum mit LNG an die Patientin abgegeben werden. Wegen des über 30-jährigen Einsatzes des Wirkstoffs Levonorgestrel in der Verhütung weisen entsprechende Präparate Langzeiterfahrungen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit auf.

Wenn die ungewollte Schwangerschaft eine Katastrophe wäre

Gerade bei sehr jungen und vielleicht sogar minderjährigen Anwenderinnen der Notfall-Pille wäre eine ungeplante Schwangerschaft ein erheblicher Einschnitt in ihre Lebensplanung bzw. Zukunftspläne. Dr. Ute Koch: „Hauptgründe hierfür sind eine noch nicht abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung, noch keine finanzielle Sicherheit und/oder noch kein fester Lebenspartner.“ Aus einer repräsentativen Wiederholungsbefragung zur Jugendsexualität der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2015 geht hervor, dass unter den sexuell aktiven Mädchen und jungen Frauen nur ein kleinerer Teil Erfahrungen mit der Pille danach hat.

„Die ‚Pille danach‘ wird jedoch nicht als prinzipieller Ersatz für andere Mittel/Methoden betrachtet. Die Notwendigkeit ihres Einsatzes ergibt sich meist aus ‚Unfällen‘ oder mangelnder Achtsamkeit bei der Anwendung des normalerweise verwendeten Verhütungsmittels. Dass sie nicht leichtfertig genommen wird, geht auch daraus hervor, dass sich vier von zehn Anwenderinnen Gedanken um die Nebenwirkungen der Einnahme machen“, heißt es dort. Dass die Notfall-Pille kein prinzipieller Ersatz für andere Verhütungsmethoden ist, erklärt sich nicht zuletzt über den Preis. Manche Pille danach kostet über 30 Euro. Für andere, zum Beispiel solche mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, belaufen sich die Kosten einmalig auf etwa 17 Euro.

Seit die Pille danach rezeptfrei erhältlich ist, sind Apotheken für viele Menschen nach Verhütungspannen die erste Anlaufstelle. Um die nächste bzw. diensthabende Apotheke zu finden, gibt es verschiedene Angebote für die Apothekensuche – zum Beispiel auf aponet.de, meine-notfallpille.de und apotheken.de.

Eingestellt am: 5. November 2018