NOTES: Operieren (fast) ohne Schnitte

Moderne Operationen

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Minimal-invasive Operationen mit der Schlüsselloch-Technik haben sich neben traditionellen Techniken bewährt. Inzwischen versuchen Chirurgen, Schnitte möglichst ganz zu vermeiden.

Die Abkürzung NOTES steht für „Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery“. Auf Deutsch bedeutet das sinngemäß „endoskopische Operationen durch natürliche Öffnungen“.

Natürliche Öffnungen nutzen

Bisher führt der Chirurg bei den minimal-invasiven Eingriffen (Schlüssellochtechnik) die Instrumente durch winzige Schnitte in den Körper ein, um größere Wunden zu vermeiden. Die neue Methode geht noch weiter, indem sie Schnitte möglichst ganz vermeiden möchte. Die Instrumente können zum Beispiel über den Mund, die Vagina, die Harnröhre oder den After eingeführt werden. Durch einen kleinen Schnitt können sie von dort schwerer zugängliche Operationsgebiete erreichen, wie zum Beispiel die Gallenblase. Ist der operative Eingriff beendet, wird der Minieinschnitt mit Clips, Gewebeankern oder Klammern wieder verschlossen. Ganz ohne Schnitte kommt das neue Verfahren also noch nicht aus, doch fast ganz ohne sichtbare Narben.

Noch im Experimentierstadium

Technisch ist es heute kein Problem mehr, über ein flexibles Endoskop etwa in der Dicke eines kleinen Fingers oder auch dünner mithilfe einer winzigen Kamera und Instrumenten zum Beispiel die Magenwand zu öffnen, um in die Bauchhöhle zu schauen und dort zu operieren. So lassen sich schwer zugängliche Organe wie die Bauchspeicheldrüse besser erreichen. Die Magensäure verhindert zudem eine mögliche Keimübertragung. Sehr viel problematischer erscheint aus diesem Grund aber ein Operationsweg über den Darm mit seinen gefährlichen Keimen. Auch die Harnröhre dürfte sich aufgrund ihres geringen Durchmessers für viele Operationen kaum eignen. Bisher wurden an verschiedenen spezialisierten Zentren für minimal-invasive Chirurgie erst rund zweieinhalbtausend Eingriffe nach der neuen Methode durchgeführt, dabei handelt es sich vor allem um Gallenblasenoperationen über die Vagina. Hinzu kommen Dickdarm-, Magen- und Blinddarm-Operationen. Doch noch befindet sich das neue Operationsverfahren im Erprobungsstadium. Es verlangt von den Chirurgen sehr viel Erfahrung mit minimal-invasiven Methoden und die dafür erforderliche Kunstfertigkeit. Auch muss das OP-Instrumentarium noch besser auf das neue Verfahren abgestimmt werden.

Vorteile und kritische Stimmen

Dass minimal-invasive Verfahren und insbesondere die NOTES-Operationstechnik nur kleine, kaum sichtbare Narben hinterlassen, ist eher ein kosmetischer Vorteil. Doch haben Patienten durch die fast schnittfreie Operationsmethode auch ein geringeres Risiko für Wundheilungsstörungen, denn es wird weniger Gewebe verletzt. Dadurch genesen sie schneller und benötigen weniger Schmerzmittel. Für mehrfach kranke, alte Patienten wie für sehr stark Übergewichtige ist eine Operation per Bauchschnitt oft problematisch. NOTES ermöglicht bei ihnen komplikationsärmere natürliche Operationswege. Bisher schwer zugängliche Organe sind leichter zu erreichen. Kritiker befürchten hingegen ein erhöhtes Infektionsrisiko, wenn Bakterien aus der Scheide oder dem Darm in den Operationsbereich gelangen. Die OPs sollten außerdem nur in Kliniken mit Schwerpunkt-Zentren für minimal-invasive Chirurgie von erfahrenen Spezialisten durchgeführt werden. Zum Abwägen der Vorteile und Risiken natürlicher Operationswege fehlen noch Langzeituntersuchungen.

Eingestellt am: 14. Juni 2015