Myokardszintigrafie – was ist das?

Abstraktes rotes Herz vor Herzrhythmuslinie

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Bei unklaren Herzbeschwerden kann diese ambulante nuklearmedizinische Untersuchung den Patienten eine Katheter-Untersuchung in der Klinik ersparen.

Schmerzen, Druck, Engegefühl hinter dem Brustbein: Liegt bei einem Patienten der Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit (KHK) vor, muss geklärt werden, wie stark die Herzgefäße „verkalkt“ und verengt sind. Dafür stehen verschiedene diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung: von der Echokardiographie über die Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie) und die Magnetresonanztomografie (MRT) bis zur Myokardszintigrafie.

Ambulante Untersuchung

Die Szintigrafie des Herzens führen Nuklearmediziner ambulant in ihrer Praxis durch. Der Patient muss erst einmal wie beim Belastungs-EKG in der Praxis auf das Fahrrad steigen. Über eine Blutdruckmanschette und EKG-Elektroden ist er dabei mit Messgeräten verbunden. Hat er beim Radeln seine höchstmögliche Belastungsstufe erreicht, bekommt er eine gering strahlende, radioaktive Substanz in eine Armvene gespritzt. Mit dem Blutfluss speichert der Herzmuskel das Mittel vorübergehend. So kann der Nuklearmediziner mit einer rotierenden Gammakamera verfolgen, wie viel Blut in den einzelnen Herz-Arealen ankommt, während sich der Patient auf einer Liege ausruht. Dabei entstehen dreidimensionale Bilder des Herzens. Durch die Koppelung mit dem EKG kann auch die Belastbarkeit beurteilt werden. Die Bilder zeigen, ob alle Bereiche des Herzmuskels ausreichend mit Blut versorgt werden. Mangelhafte Durchblutung weist auf verengte Herzkranzgefäße und auf ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt hin. In dem Fall kann eine Herzkatheteruntersuchung nötig werden.

Das Risiko einschätzen

Erfahrungsgemäß zeigt die Myokardszintigrafie meistens trotz einiger Beschwerden eine normale Durchblutung. Dann ist das Risiko, in den fünf nächsten Jahren an einem Herzinfarkt zu sterben, gegenüber der Normalbevölkerung nicht wesentlich erhöht. Eine Studie aus den Niederlanden belegt sogar, dass die Sterberate oft auch nach 15 Jahren nicht wesentlich erhöht ist. Eine Ausnahme von dieser Regel bilden allerdings Patienten, die bereits wegen einer Koronaren Herzkrankheit in Behandlung waren. Auch bei älteren Menschen über 75 Jahren ist das Risiko leicht erhöht, selbst wenn die Myokardszintigrafie eine normale Durchblutung anzeigt.

Geringe Strahlenbelastung

Bei der Myokardszintigrafie ist die Strahlenbelastung vergleichsweise gering. Sie entspricht einer Computer-Tomografie des Oberkörpers. Das radioaktive Kontrastmittel scheidet der Körper mit dem Urin und dem Stuhl wieder aus. Deshalb ermöglicht diese Untersuchungsmethode auch Verlaufskontrollen bei Patienten mit erhöhtem Herzrisikoprofil. Die Aussagekraft der Myokardszintigrafie ist nach Expertenmeinung höher als die einer Computer- oder Magnetresonanztomografie des Herzens. Dies mag einer der Gründe sein, weshalb diese Untersuchung in den USA seit vielen Jahren weitaus gebräuchlicher ist als in Deutschland. Sie wird bei uns von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, ist jedoch nicht geeignet bei einer Schwangerschaft, nach einem akuten Herzinfarkt oder bei hochgradiger Herzschwäche oder einer anderen schweren Organerkrankung.

Eingestellt am: 18. Februar 2015