Keine Angst vor Cortison

Hand zeichnet  chemische Formel

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Ob gegen Rheuma, Multiple Sklerose, Hautkrankheiten, Allergien, Tumoren oder Nierenleiden: Bei vielen Erkrankungen verordnet der Arzt Cortison.

Cortison ist das stärkste entzündungshemmende Mittel, über das die Medizin verfügt. Bei Cortison denkt manch einer gleich an böse Nebenwirkungen. Doch Medikamente aus der Gruppe der Glucocorticoide sind sicherer und besser als ihr Ruf.

Hormon mit wichtigen Aufgaben

Cortison basiert auf Cortisol, einem lebenswichtigen Hormon, das der Körper selbst in der Nebenniere herstellt. Eine seiner wichtigsten Funktionen ist die Stressanpassung: Jede Belastung des Körpers, egal ob von innen oder außen, kann nur überwunden werden, wenn innerhalb kürzester Zeit genügend Cortisol zur Verfügung steht. Ohne das Hormon hätten wir keine Energie und wären praktisch nicht belastbar; es spielt im Stoffwechsel eine zentrale Rolle.

Oft lebensrettend

Als Medikament wirkt Cortison bei einigen akuten Krankheitsbildern lebensrettend – zum Beispiel bei schweren Asthmaanfällen, allergischen Schockzuständen oder drohenden Organschäden bei fortgeschrittenem Rheuma. Glucocorticoide können Entzündungen hemmen, überschießende Immunreaktionen verhindern und eine beschleunigte Zellteilung verlangsamen. Das schlechte Image stammt aus den 1950er Jahren. Damals war der Wirkstoff neu und erzielte insbesondere bei Rheuma verblüffende Erfolge. Doch schon bald zeigten sich erhebliche Nebenwirkungen: Die Gesichter der Patienten schwollen an, ihre Haut wurde dünn wie Pergamentpapier, eine beschleunigte Osteoporose führte zu Knochenbrüchen.

Nebenwirkungen vermeiden

Seitdem sind jedoch mehr als 60 Jahre vergangen. In dieser Zeit wurden Anwendungsformen entwickelt, die das Risiko der Therapie erheblich reduzieren. Nebenwirkungen treten vor allem bei langfristiger und hoch dosierter Cortison-Behandlung auf. Kurzfristig kann auch eine stärkere Dosis ohne Bedenken eingenommen werden. Weil die unerwünschten Effekte inzwischen gut bekannt sind, wird der Arzt bei einer längerfristigen Therapie stets versuchen, die niedrigst-mögliche Dosis zu wählen. Zudem ist wichtig: Wird Cortison länger als sieben Tage eingenommen, wird die Eigenproduktion des Körpers eingeschränkt. Deshalb Cortison nicht abrupt absetzen, sondern langsam ausschleichen. Und: Cortison, falls vom Arzt nicht anders verordnet, frühmorgens einnehmen, das ahmt das natürliche morgendliche Hoch nach und reduziert die Nebenwirkungen.

 

Eingestellt am: 2. Februar 2015