Karies bei Kleinkindern: Früher Zahnarztbesuch schützt

Ab dem ersten Milchzahn zum Zahnarzt

Foto: © proDente e.V./Johann Peter Kierzkowski

Karies bei Kleinkindern hat erschreckend zugenommen. Rechtzeitige Früherkennung beugt vor: Ab dem 1. Juli können Eltern ihr Baby schon nach Durchbruch des ersten Zähnchens beim Zahnarzt vorstellen. Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenkasse.

Eigentlich war Karies bei Kleinkindern und Schulkindern schon auf dem Rückzug. In den letzten Jahren nahm sie jedoch wieder dramatisch zu - nach aktuellen Studien hat fast die Hälfte der Sechs- bis Siebenjährigen mindestens einen löchrigen Zahn, viele sogar mehrere. Karies im Milchgebiss tut nicht nur weh. Wird sie nicht rechtzeitig behandelt, steigt die Gefahr, dass nach dem Zahnwechsel auch die bleibenden Zähne erkranken.

Bisher wurde frühkindliche Karies oft erst bei der Einschulung entdeckt, wenn Zahnärzte in die Klassen kommen. Dann ist es manchmal aber schon zu spät, weil die empfindlichen Milchzähne bereits irreparabel geschädigt sind. Die Mehrzahl der Karieslöcher, die bei der Einschulung entdeckt werden, entstand in den ersten drei Lebensjahren. Schuld ist zumeist ein übermäßiger Gebrauch der Nuckelflasche. Zahnärzte sprechen deshalb auch von "Nuckelflaschenkaries".

Karies bei Kleinkindern bedroht auch die Allgemeingesundheit

Die Karies bei Kleinkindern hat in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen, fast jedes sechste Kleinkind ist betroffen. Der Grund: Beim Nuckeln an der Flasche werden vor allem die Frontzähne ständig von Flüssigkeit umspült. Zucker- oder säurehaltige Getränke - dazu zählen auch Milch und gesüßte Tees - können dann die empfindliche Schmelzschicht der Milchzähne schnell auflösen. Eltern sollten das Fläschchen deshalb ausschließlich zum Trinken geben und spätestens am ersten Geburtstag durch einen Becher ersetzen. Das Fläschchen darf nicht zum Ersatz für den Schnuller werden und auf keinen Fall als Einschlafhilfe dienen.

Karies bei Kleinkindern gilt inzwischen als häufigste chronische Krankheit im Vorschulalter. Ein wesentlicher Beitrag zur Vorsorge ist der frühzeitige Besuch beim Zahnarzt. Seine Praxis und sein Team lernen Kinder am besten schon im Alter von sechs bis neun Monaten kennen, sobald die ersten Milchzähne da sind. Der Erstkontakt im Kleinkindalter hat einen entscheidenden Vorteil: Die frischen Milchzähne sind in aller Regel völlig gesund, eine Behandlung daher nicht erforderlich. Kind und Zahnarzt können sich in entspannter Atmosphäre begegnen und miteinander vertraut machen. Gleichzeitig kann das Praxisteam den jungen Eltern gute Tipps zur Zahnpflege beim Kind geben. Folgen auf den ersten Termin regelmäßig weitere Früherkennungsuntersuchungen, bemerkt der Zahnarzt die Entwicklung von Karies schon sehr früh – meistens lässt sich die Erkrankung dann noch ohne Bohrer stoppen.

Zusätzliche Früherkennungsuntersuchungen ab dem sechsten Lebensmonat

Ab dem 1. Juli 2019 werden erstmals auch Kleinkinder unter drei Jahren in die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen einbezogen. Zwischen dem 6. und 34. Lebensmonat besteht nun auch ein Anspruch auf drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen. Diese sind zeitlich auf die U-​Untersuchungen abgestimmt. Kinder zwischen dem 34. Lebensmonat und dem vollendeten 6. Lebensjahr haben weiterhin unverändert Anspruch auf drei weitere zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen. Dieses erweiterte Präventionsangebot soll insbesondere das Auftreten der frühkindlichen Karies vermeiden. „Wir sind sehr zufrieden, dass Eltern mit ihren Kindern zukünftig schon ab Durchbruch des ersten Zahnes zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch nehmen können", sagt Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorsitzender des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen. "Die hierfür von den Beitragszahlern der Krankenkassen aufzubringenden Mittel dienen der Gesunderhaltung der Zähne bei den Kleinsten unserer Versicherten. Sie sind gut angelegt, denn nach wie vor stellt die Milchzahnkaries ein Problem dar, wodurch die Mundgesundheit des Kindes beeinträchtigt ist, aber auch seine Entwicklung und Lebensqualität. Wir erhoffen uns daher, dass die neuen Leistungen regen Zuspruch erfahren und dazu beitragen, die Mundgesundheit von kleinen Kindern weiter zu verbessern.“

Auch Dr. Wolfgang Eßer, Vorstands-Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, wünscht sich, dass Eltern dieses Vorsorgeangebot im Interesse ihrer Kinder wahrnehmen: „Mit den neuen Untersuchungen legen wir das Fundament für eine dauerhafte Zahn- und Mundgesundheit von gesetzlich versicherten Kindern. Karies, Zahnfleischentzündungen, Zahnverlust und daraus resultierende Folgeerkrankungen lassen sich von Anfang an vermeiden. Alle Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern die neuen Untersuchungen möglichst regelmäßig wahrnehmen.“

Eingestellt am: 18. Juli 2019