Was kann die Polypille?

Weiße Pille auf grünem Grund

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Chronisch kranke Menschen brauchen oft eine Vielzahl von Arzneimitteln. „Polypillen“ sollen die Tabletteneinnahme vereinfachen und die Therapietreue erhöhen.

Morgens zwei kleine grüne Pillen und eine weiße Kapsel, mittags eine halbe gelbe und eine dicke weiße Tablette, abends wieder eine von den grünen und dazu noch eine braune Kapsel: Insbesondere ältere Menschen, die unter mehreren Erkrankungen leiden, müssen Tag für Tag viele Tabletten einnehmen. Da ist es kein Wunder, wenn die Arzneimittel schon mal unregelmäßig geschluckt, falsch dosiert oder ganz vergessen werden. Beobachtungen aus der Praxis zeigen: Je mehr Medikamente der Arzt verordnet, desto weniger befolgen die Patienten seine Therapievorgaben. Nicht selten, weil sie schlichtweg überfordert sind.

Weniger Pillen, mehr Treue

Doch die unzureichende Therapietreue, Mediziner sprechen von mangelnder Compliance oder Therapie-Adhärenz, kann schlimme Folgen haben. Beispielsweise für Patienten, die unter Bluthochdruck, zu hohen Cholesterinwerten oder Durchblutungsstörungen leiden: Nehmen sie ihre Medikamente nur unregelmäßig oder nicht richtig dosiert ein, steigt das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Reduziert man hingegen die Anzahl der Medikamente, steigt die Therapietreue an, wie Untersuchungen zeigen. Vor diesem Hintergrund scheint es sinnvoll, mehrere Wirkstoffe in einer Tablette zu kombinieren und so die Anzahl der erforderlichen Arzneimittel zu verringern. Ein Medikament, das durch seine besondere Kombination von Substanzen gleich mehrere Krankheiten bekämpfen kann, wird als „Polypille“ bezeichnet.

Eine Dosierung für alle?

Bislang gab es für Bluthochdruck-Patienten entsprechende Präparate mit einer Kombination aus zwei oder drei blutdrucksenkenden Substanzen. Neuer sind Polypillen, die zusätzlich zu den Blutdrucksenkern auch den Blutfettspiegel senkende und gefäßschützende Medikamente enthalten – und damit mit nur einer Tablette gleichzeitig gegen Bluthochdruck, zu hohe Cholesterinwerte und Durchblutungsstörungen helfen. Vorteil: Menschen mit Herzinfarkten, Schlaganfällen und schweren Gefäßerkrankungen müssen nur ein einziges Medikament einnehmen.

Weitere Studien sind erforderlich

Ein Nachteil von Polypillen: Sie lassen es bisher nicht zu, die einzelnen Wirkstoffe individuell zu dosieren, um bestimmte Zielwerte zu erreichen. Dadurch kann es passieren, dass der eine Patient mit einem Wirkstoff behandelt wird, den er eigentlich gar nicht braucht, während ein anderer vielleicht zu gering dosiert bleibt.

Fest steht, dass weitere, größere Studien erforderlich sind, bis Polypillen als Standard-Therapie eingesetzt werden können. Die Forschung läuft auf Hochtouren.

 

Eingestellt am: 2. Februar 2015