Hilfe bei Nesselsucht

Eine Frau kratzt sich kräftig am Arm.

© Gina Sanders – Fotolia.com

Bei Nesselsucht kommt es zu stark juckendem Hautausschlag. Vielfach bleibt die Ursache unklar – deshalb ist die Behandlung oft nicht einfach.

Nach Schätzung der Fachleute ist jeder vierte Erwachsene zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr mindestens einmal von dem akuten Hautausschlag betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Die Nesselsucht oder Urtikaria, wie Mediziner sie nennen, verdankt ihren Namen der Brennnessel: Die Symptome ähneln den Hautreizungen, die das Unkraut verursacht.

Unerträglicher Juckreiz

Plötzlich und ohne erkennbaren Grund zeigen sich Rötungen auf der Haut, denen schon nach kurzer Zeit blassrote bis rote Quaddeln folgen: Sie können klein wie ein Stecknadelkopf oder groß wie eine Handfläche sein. Unter den Quaddeln sammelt sich Flüssigkeit an, die Haut beginnt zu spannen und zu brennen. Doch noch quälender ist der Juckreiz und das Bedürfnis, sich ständig zu kratzen.

Tagsüber stört der Juckreiz die Konzentrationsfähigkeit, nachts raubt er den Schlaf. Zusätzlich können starke Schwellungen auftreten, so genannte Angioödeme: häufig im Gesicht, an Kopf, Hals und Armen, auch an Händen und Füßen. Wenn gar noch die Augenlider oder Lippen stark anschwellen, mögen Betroffene nicht mehr aus dem Haus gehen. Treten die Beschwerden häufiger auf, ist die Lebensqualität deutlich gemindert – und auch die berufliche Tätigkeit wird beeinträchtigt.

Nesselsucht kann chronisch werden

Verschwinden die typischen Krankheitszeichen nach einiger Zeit und kehren nicht mehr wieder, spricht man von akuter Nesselsucht. Diese häufige Verlaufsform dauert nicht länger als sechs Wochen. Bleiben die Symptome über diesen Zeitraum hinaus bestehen, handelt es sich um die chronische Urtikaria. Auch in diesem Fall treten die Symptome plötzlich auf und dauern viele Stunden bis zu mehreren Tagen an. Die einzelnen Quaddeln bestehen nicht länger als 24 Stunden, können sich dann aber an anderen Körperstellen erneut zeigen.

So unmittelbar wie sie erscheinen, verschwinden sie alle wieder, um dann – nach Tagen oder Wochen – erneut den Betroffenen das Leben schwer zu machen. Bei der Hälfte der Nesselsucht-Patienten beträgt die gesamte Krankheitsdauer etwa sechs Monate. Bei manchen Menschen kann die Haut aber über Jahre immer wieder zum „Brennpunkt“ werden.

Ein Quaddeltagebuch hilft

Zum Hautarzt gehen die Betroffenen am besten während eines akuten Erkrankungsschubs. Erster Schritt einer effektiven Behandlung ist die Suche nach den Auslösern. Dabei ist es hilfreich, wenn die Betroffenen ein Quaddeltagebuch führen: Wann traten die Beschwerden auf, wie stark war der Juckreiz, was wurde gegessen oder getrunken, wurden Medikamente eingenommen oder bestand starker Stress?

Rund zwei Drittel der Betroffenen wissen nicht, was hinter ihren Beschwerden steckt. In Frage kommen viele Auslöser, wie etwa Reaktionen auf Druck, Wärme oder Licht, der Kontakt mit bestimmten Stoffen in Nahrungsmitteln oder Medikamenten sowie körperliche oder seelische Belastungen. Wichtig: Bei starker Luftnot und Schluckbeschwerden sofort den Notarzt rufen!

Behandlung mit Medikamenten

Wenn die Auswertung des „Urtikaria-Tagebuchs“ nicht weiter führt, und auch verschiedene Testverfahren keine eindeutigen Ergebnisse liefern, kann eine medikamentöse Behandlung helfen. Die Standardtherapie mit oralen Antihistaminika zeigt allerdings nur bei jedem zweiten Betroffenen die erhoffte Wirkung. Häufig kann der Juckreiz nur mäßig oder gar nicht gelindert werden, die Quaddeln und Schwellungen bleiben.

Patienten, bei denen die Beschwerden über Monate oder Jahre hinweg auftreten, fühlen sich ihrer Erkrankung oft hilflos ausgeliefert. Die Erforschung innovativer Therapien zeigt erste Erfolge. Ein neues Medikament eignet sich für Patienten, bei denen die bisherige Behandlung nicht erfolgreich war. Der Wirkstoff muss dem Patienten vom Hautarzt gespritzt werden.

Tipps bei Nesselsucht

– Die Haut schonen. Wegen des Kratzdrangs Fingernägel möglichst kurz halten und keine enge, scheuernde Kleidung tragen.

– Gegen den Juckreiz kühlen. Kaltes Wasser, Kompressen oder kühlende Gele mildern den Juckreiz. Eine kühle Dusche und ein kühles Schlafzimmer helfen. Auf keinen Fall Vereisungssprays oder Kühlakkus aus dem Gefrierschrank verwenden.

– Hausmittel probieren. Feuchte Umschläge mit Kamillen- oder Pfefferminzsud können die gereizte Haut etwas beruhigen.

– Ruhe bewahren. Stress kann Schübe auslösen, Entspannungstechniken helfen.

Zuletzt geändert am 25. Januar 2021

Eingestellt am: 2. September 2016