Hämorrhoiden: Keine falsche Scham

Trotz der unangenehmen Beschwerden bei Hämorrhoiden suchen nur etwa vier Prozent der Betroffenen einen Arzt auf – die meisten aus Scham. Doch der frühe Facharztbesuch kann Operationen vermeiden.

Eine Patientin im Gespräch mit ihrem Arzt.

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Die Mehrheit der Patienten mit einem Hämorrhoidalleiden versucht – häufig aus Scham – ihre Beschwerden durch Hausmittel und Salben selbst zu beheben. Doch dadurch wird eine fachgerechte Behandlung oft zu lange hinausgezögert.

Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfehlen, schon bei ersten Anzeichen wie Juckreiz, Brennen, Schmerzen im Analbereich sowie Blut am Stuhl oder Toilettenpapier den Haus- oder Facharzt aufzusuchen. Zögern Patienten die Diagnose und Therapie hinaus, müssen die geschädigten Blutgefäße am After oft operiert werden.

Die Scham überwinden

Hämorrhoidalleiden zählen zu den häufigen und zunehmenden Beschwerden in Industrieländern. Experten vermuten genetische Faktoren, aber auch ungünstige Ernährung, mangelnde Bewegung und Übergewicht als Ursachen für die steigende Erkrankungshäufigkeit.

Eine einseitige und ballaststoffarme Kost führt häufig zur Verstopfung. Beim Toilettengang erhöht sich dadurch der Druck auf die Hämorrhoiden. Kommt es dann zu einem Blutrückstau, wölben sich die Gefäße mit der Schleimhaut nach außen und verursachen Probleme.

Auf übertriebene Hygiene verzichten

Bei der Entstehung von Beschwerden im Analbereich spielt häufig auch übertriebene Hygiene nach dem Stuhlgang eine Rolle, beispielsweise mit feuchtem oder rauem Toilettenpapier. Besonders schonend für den After ist die Reinigung mit einem feuchten Waschlappen oder einer Analdusche.

Suchen Patienten bei ersten Beschwerden einen Facharzt auf (Gastroenterologe oder Proktologe), reichen in über 95 Prozent der Fälle konservative Behandlungsmethoden aus – wie stuhlregulierende Medikamente, ausreichend Bewegung und ballaststoffreiche Kost.

Die Operation wäre oft vermeidbar

Erreichen Patienten aufgrund verspäteter Behandlung jedoch den dritten oder vierten Schweregrad der Erkrankung, ist häufig ein operativer Eingriff notwendig. Von den rund 50.000 Hämorrhoiden-Operationen im Jahr ließe sich ein Großteil vermeiden, wenn Patienten früher zum Facharzt gingen.

Nicht jeder Juckreiz am After ist auf Hämorrhoiden zurückzuführen. Gastroenterologen müssen hier eine große Bandbreite an Erkrankungen in Betracht ziehen: Ekzeme, Pilze oder Infektionen mit Herpes oder Humanen Papillomaviren (HPV) können ähnliche Symptome hervorrufen. Am besten ist es daher, gleich einen Proktologen aufzusuchen – also den Facharzt, der auf den Enddarm spezialisiert ist.

Eingestellt am: 17. Oktober 2016