Luftverschmutzung gefährdet das Herz

Luftverschmutzung fördert nicht nur Erkrankungen der Lunge. Feinstaub und giftige Gase können darüber hinaus auch Herz und Gefäße schädigen.

Autobahn mit Feinstaub-Schild

© Sauerlandpics – Fotolia.com

Nicht nur in China oder der Dritten Welt, auch in Deutschland stellt die Luftverschmutzung ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. So zeigten Studien, dass bei anhaltender Luftverschmutzung eine Schädigung der Herzkranzgefäße und der feinen Adern im Gehirn beschleunigt wird. „Dadurch kommt es zum vorzeitigen Ausbruch der wichtigsten Erkrankungen in diesen Gefäßregionen: koronare Herzkrankheit und Schlaganfall“, warnt Prof. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

„Wer in einer Stadt mit viel Autoverkehr joggen gehen oder Rad fahren möchte, sollte deshalb nicht entlang intensiv befahrener Straßen laufen, sondern eher in Parks oder im Grüngürtel, wo man weniger verschmutzte Luft einatmet“, rät der Kardiologe.

Herzpatienten besonders gefährdet

Mit der eingeatmeten Luft gelangen gasförmige Stoffe und kleine Partikel über die Atemwege bis in die Lungenbläschen. Diese Fremdgase und Fremdstoffe führen in den unteren Atemwegen wegen der Aktivierung der dort ansässigen Abwehrzellen zu einer Entzündungsreaktion.

Im weiteren Verlauf wird diese Entzündung verstärkt und greift von den Bronchien auf das gesamte Lungengewebe über, später auf den ganzen Körper bis hin zur Arteriosklerose (Verkalkung) in allen Gefäßregionen. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) kann auch ein nur kurzfristiger Kontakt mit stark verschmutzter Luft die Gefährdung für das Herz erhöhen.

„Dieseltreibstoff aktiviert die Blutplättchen und erhöht so deren Neigung zu verklumpen, was die Entstehung eines Herzinfarkts befördert“, betont Prof. Meinertz. Kommt es kurzfristig zur akuten Luftverschmutzung mit deutlichem Anstieg der Schadgase und Staubpartikel, erhöht sich bei Menschen mit Herzschwäche das Risiko, ins Krankenhaus zu müssen.

Wie kann man sich schützen?

Herzspezialisten wie Prof. Meinertz empfehlen generell, sportliche Aktivitäten auf Straßen mit hoher Verkehrsdichte zu vermeiden. Wer in Gegenden mit starker Luftverschmutzung lebt, schützt seine Wohnung am besten durch Ventilations- oder Filtrationssysteme. Insbesondere ältere Patienten mit Herz- und Lungenerkrankungen sollten bei hoher Luftverschmutzung nicht öfter als nötig aus dem Haus gehen.

„Jedoch ist nicht hinnehmbar, dass es überhaupt in Deutschland zu Verschmutzungswerten kommen kann, die es chronisch kranken Menschen unmöglich machen, sich im Freien aufzuhalten“, mahnt Prof. Meinertz und sieht hierzulande einen hohen Handlungsbedarf in der Politik, die das Problem der Luftverschmutzung sträflich vernachlässigt habe. Zum Beispiel in Stuttgart im Sommer 2016, wo bei hoher Smogbelastung nur eine Empfehlung ausgegeben wurde, das Auto stehen zu lassen – anstatt ein Fahrverbot zu verhängen.

Tipp: In dem Experten-Ratgeber „Psychischer und sozialer Stress“ informieren Herzspezialisten über verschiedene Formen von Stress (Arbeitsbelastung, Lärm, Luftverschmutzung), die schädigend auf das Herz-Kreislauf-System wirken können. Anzufordern ist der Band kostenfrei unter www.herzstiftung.de/stress.html, per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de oder telefonisch unter 069 955 128 400.

Eingestellt am: 23. Juni 2017