Aneurysma: Alarmstufe rot

Als Aneurysma bezeichnen Ärzte Schwachstellen an den Schlagadern: Die betroffenen Gefäße können plötzlich reißen. Oft besteht dann akute Lebensgefahr.

Blut fließt.

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Joni Mitchell hatte Glück im Unglück: Im Frühjahr 2015 war die damals 71-jährige Musikerin in ihrem Haus in Los Angeles bewusstlos zusammengebrochen. Sie wurde sofort ins Krankenhaus auf die Intensivstation gebracht. Ursache war ein Aneurysma: Eine geschädigte Ader im Gehirn der Sängerin war geplatzt. Durch die schnelle Hilfe hielt sich der neurologische Schaden in Grenzen, doch musste Joni Mitchell danach mühsam wieder laufen lernen.

Nicht immer macht sich ein Aneurysma so dramatisch bemerkbar. Doch wenn die Schwachstelle an einer Schlagader sich zunehmend stärker ausbuchtet und schließlich reißt, kann der Vorfall durch innere Blutungen und Folgekomplikationen auch zu bleibenden Behinderungen führen oder sogar tödlich enden.

Ausbuchtung einer Schlagader

Ein Aneurysma kann sich theoretisch überall an den Wänden von arteriellen Blutgefäßen bilden. Das sind die Schlagadern, die sauerstoffreiches Blut zu den Organen transportieren. Am häufigsten entsteht es im Bereich der Hauptschlagader (Bauchaorta). Sehr viel seltener bilden sich Aneurysmen an der Brustaorta oder an den Hirngefäßen.

An einer Schwachstelle der Arterie kommt es zu einer spindelförmigen Ausbuchtung oder zu einer sackartigen Ausstülpung. Nach einem Herzinfarkt kann sich auch eine Ausbuchtung an der Herzwand bilden (Herzaneurysma). Die Gründe für die Entstehung lassen sich nicht immer sicher feststellen. Eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle.

Ein Aneurysma verursacht kaum Beschwerden

Erkrankungen wie Bluthochdruck und Arteriosklerose begünstigen die Bildung eines Aneurysmas. Rauchen ist ebenfalls ein bedeutender Risikofaktor, doch auch bestimmte Erkrankungen wie rheumatisches Fieber oder Syphilis erhöhen das Risiko für Aussackungen an den Schlagadern. Betroffen sind vor allem ältere Menschen und Männer deutlich häufiger als Frauen.

Ein Aneurysma wird meist zufällig bei einer Routine-Untersuchung entdeckt, denn zunächst verursacht es keinerlei Beschwerden. Erst wenn sich die Ausbuchtung der Arterie immer weiter ausdehnt und die Gewebespannung steigt, kann es zu unspezifischen Symptomen kommen: bei großen Arterien im Bauch- oder Brustbereich zum Beispiel zu einem Pulsempfinden oder Druckgefühl, auch zu Brustschmerzen, Herzschmerzen oder Schmerzen im Bauch. Im Kopfbereich können Augenmuskellähmungen und Doppeltsehen Warnsignale sein.

Riss in der Gefäßwand

Mit der Zeit kann sich beim Aneurysma der Durchmesser der Ausbuchtung immer mehr aufblähen, bis die Gefäßwand schließlich einreißt (Ruptur). Betroffene spüren das als extrem starken, „vernichtenden“ Schmerz, häufig begleitet von Übelkeit und Schläfrigkeit bis zum Bewusstseinsverlust, bei Hirnaneurysmen auch von Symptomen eines Schlaganfalls wie Lähmungen und Gefühlsstörungen. Ein solcher Notfall muss umgehend im Krankenhaus behandelt werden, weil die inneren Blutungen und Folgekomplikationen lebensbedrohend sein können.

Manche Aneurysmen bleiben ein Leben lang symptomlos. Kleine Aneurysmen, die keine Beschwerden machen, werden regelmäßig kontrolliert. Ziel der Behandlung ist, dass sie sich nicht vergrößern – deswegen müssen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und andere Begleiterkrankungen behandelt werden. Für Raucher gilt sofortiger Nikotinstopp. Je größer das Aneurysma wird, desto größer wird auch die Gefahr eines Risses. Deshalb sollte das Aneurysma ab einem bestimmten Durchmesser operativ beseitigt werden.

Moderne Operationsmethoden retten Leben

Bei einer Ruptur muss in jedem Fall operiert werden. Möglich ist eine offene Operation, bei der das Aneurysma am Blutgefäß aufgeschnitten und durch eine rohr- oder y-förmige Kunststoffprothese ersetzt wird. Alternativ kann eine Stentprothese mithilfe der Schlüssellochchirurgie an die geschädigte Stelle vorgeschoben werden. Diese Methode eignet sich allerdings nicht für alle Patienten.

Bei Aneurysmen im Gehirn wird entweder offen operiert und das Aneurysma per Clip abgeklemmt (Clipping), oder man schiebt eine weiche Platinspirale (Coil) über einen feinen Katheter bis in das Hirnaneurysma vor. Dort rollt es sich zu einer festen Spirale auf, die nun die Aussackung am Blutgefäß voll ausfüllt.

Eingestellt am: 27. Oktober 2016