Typisch Männer: eher zum Baumarkt als zum Arzt

Blasenschwäche ist eine Volkskrankheit, die auch Männer in den „besten Jahren“ trifft. Doch selbst bei hohem Leidensdruck scheuen viele Männer den Arztbesuch.

Herrentoilette

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Auch Männer leiden unter Blasenschwäche – sie reden nur nicht darüber. Für das starke Geschlecht ist Harninkontinenz noch immer ein Tabu. Dabei ist der Leidensdruck oft hoch, sagt Dr. Ricarda M. Bauer vom Klinikum München-Großhadern: „Betroffene scheuen sich vor längeren Reisen oder sitzen im Kino immer außen. Sie richten ihr Leben zwangsweise nach der nächsten Toilette aus.“

Dabei ist professionelle Hilfe sehr gut möglich. „Aber es gibt viele Männer, die anstatt zum Arzt lieber in den Baumarkt gehen“, so Dr. Bauer.

Mit Kabelbindern gegen Blasenschwäche

Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist traurige Realität. „Männer sind – auch was diese Krankheit angeht – äußerst erfinderisch.“ Diese Erfahrung macht die Oberärztin oft. Sie berichtet von Kabelbindern aus dem Baumarkt oder den Binden der Frau, die das Problem kaschieren sollen. „Noch mit Küchenrolle obendrauf.“

Dabei ist bei einer Blasenschwäche in den meisten Fällen Linderung möglich, die Hälfte der Patienten kann sogar geheilt werden: „Wenn die betroffenen Männer endlich einen Spezialisten aufsuchen würden.“

Männer quält vor allem plötzlicher Harndrang

Es ist vor allem die sogenannte Dranginkontinenz, die dem Herrn ab 50 zu schaffen macht. Auch Männer – ob Manager oder Arbeiter –, die ansonsten kerngesund mitten im Leben stehen. „Alles ist gut. Aber zwei Sekunden später müssen sie plötzlich und ganz schnell auf die Toilette.“ Dr. Ricarda M. Bauer, die sich auch in der Deutschen Kontinenz Gesellschaft engagiert, appelliert eindringlich: „Mit Inkontinenz muss sich grundsätzlich niemand abfinden. Ein guter Arzt kann helfen!“

Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft bietet rund 1.300 zertifizierte Beratungsstellen und 80 Beckenbodenzentren. Sie setzt sich seit 1987 für eine Verbesserung der Diagnose, Behandlung und Prävention ein – von Harn- und Stuhlinkontinenz sowie dem Einnässen beim Kind. Unter www.kontinenz-gesellschaft.de finden Betroffene und Angehörige wertvolle Informationen, zertifizierte ärztliche Beratungsstellen sowie Kontinenz- und Beckenbodenzentren in ihrer Nähe.

Eingestellt am: 19. April 2017