Wie der Klimawandel das Reisen verändert

Der Klimawandel wird das Reisen verändern.
Foto © U. Lentze

Tropische Mücken in Deutschland, fortschreitende Erwärmung von Nord- und Ostsee, Bergstürze in den Alpen: Der Klimawandel verändert unseren Kontinent. Die Auswirkungen spüren auch Reisende – sie müssen sich nicht nur beim Flug in die Ferne auf neue Gesundheitsrisiken einstellen, sondern auch im Europa-Urlaub.

Der Klimawandel hat Folgen, die zunehmend auch bei uns spürbar werden. So erwärmt sich Europa seit den 1980er-Jahren etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Unser Kontinent ist damit der sich am schnellsten erwärmende Erdteil. Und die Wärme lockt unter anderem tropische Mückenarten an, die ernste Krankheiten verbreiten können – wie etwa Infektionen mit Chikungunya-, Dengue- oder West-Nil-Viren.

Diese Viren stellten lange nur in den Tropen und Subtropen ein Gesundheitsrisiko dar. Doch inzwischen dringen sie bis nach Europa vor. „Auffällig war im Sommer 2025 ein erster Chikungunya-Fall im Elsass – dieser markiert die bislang nördlichste dokumentierte lokale Übertragung von Chikungunya in Europa“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Tropenmediziner und Präsident der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR). „Ob es sich dabei um einen Ausreißer oder einen Vorboten für anhaltende Übertragungen in der Region handelt, ist noch unklar.“

Mückenschutz ist heute genauso wichtig wie Sonnenschutz

Zurückzuführen ist die Entwicklung auf die rasante Ausbreitung invasiver Stechmückenarten, die als Überträger fungieren – allen voran die Asiatische Tigermücke. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ist die Tigermücke inzwischen in 16 europäischen Ländern und 369 Regionen heimisch – vor zehn Jahren waren es erst 114 Regionen. Das spiegelt sich auch in den Fallzahlen wider: 2025 meldete das ECDC Rekordzahlen von Chikungunya-Fällen in Frankreich (788 Fälle) und Italien (384 Fälle). Auch beim West-Nil-Virus verzeichnet das ECDC deutliche Zunahmen seit Beginn der Überwachung im Jahr 2008.

„Sorgfältiger Mückenschutz als Gesundheitsvorsorge muss vor allem bei Mittelmeerreisen so selbstverständlich werden wie die Verwendung von Sonnencreme“, betont Tomas Jelinek. Reisende sollten sich dabei auch nach der Rückkehr weiter schützen – mindestens 14 Tage lang, wenn sie aus Regionen mit von Mücken übertragenen Infektionen kommen. Denn Tigermücken kommen durch den Klimawandel bereits in Teilen Deutschlands vor. Sie übertragen hier zwar bislang keine Krankheiten, aber das könnte sich bald ändern: „Nimmt eine Mücke bei einem infizierten Reiserückkehrer das Virus auf, kann es auch innerhalb Deutschlands zu Übertragungen kommen“, warnt Jelinek.

Bakterien stören den unbeschwerten Badeurlaub an der Ostsee

Die Ostsee ist eines der sich weltweit am schnellsten erwärmenden Meere. Sie bietet inzwischen ideale Bedingungen für die Verbreitung von Vibrionen. Diese Bakterien bevorzugen einen niedrigen Salzgehalt und vermehren sich bei Wassertemperaturen über 20 Grad besonders stark. In langen und heißen Sommern sind diese Bedingungen in weiten Bereichen der Ostsee gegeben.

Vor allem bei älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem können Vibrionen Wundinfektionen und sogar eine Blutvergiftung auslösen, wenn sie über kleine Verletzungen in den Körper eindringen. „Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sollten vor Ort immer auf Vibrionen-Warnungen der lokalen Behörden achten und das Schwimmen an belasteten Küstenabschnitten meiden“, empfiehlt Tomas Jelinek. Für gesunde Menschen ist das Risiko einer Vibrionen-Infektion in der Regel gering.

Der Klimawandel macht Städtereisen im Sommer zur Tortur

In den europäischen Metropolen werden in den kommenden Sommern zunehmend extreme Hitzeereignisse auftreten. Durch dichte Bebauung, versiegelte Flächen und wenig Vegetation kommt es zum sogenannten Hitzeinsel-Effekt: Die Städte heizen stark auf und kühlen sich nachts wenig ab. Prognosen zufolge könnte der Klimawandel vor allem in Athen, Budapest, Madrid, Ljubljana, Rom, Sofia sowie auch in Paris und Zürich künftig heftige Hitzeperioden auslösen.

Hohe Temperaturen sind vor allem für ältere Menschen sowie Herzkranke, Diabetiker*innen und Personen mit neurologischen Erkrankungen oder eingeschränkter Nierenfunktion belastend und teils gesundheitsgefährdend. Auch Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder benötigen besonderen Schutz. „Für Risikogruppen kann es sinnvoll sein, Reisezeit und Reiseziel anzupassen, also beliebte Städtereisen außerhalb der Hochsommermonate zu legen“, rät Jelinek.

Erhöhte Gefahr beim Bergsteigen

Das Abschmelzen von Gletschern und das Auftauen von Permafrostböden verändert die Alpen rasant. In der Folge sind Bergflanken und Felswände weniger stabil. Außerdem steigt das Risiko für Starkregen. Die Verhältnisse in großen Höhen werden damit insgesamt unberechenbarer. Das erfordert von Bergurlaubern eine sorgfältige Tourenplanung. Lokale Wetterdienste und Warnungen sollten engmaschig verfolgt werden.

„Insgesamt sind Urlaube in Europa auch in Zeiten des Klimawandels mit der richtigen Vorbereitung sehr sicher“, so das Fazit von Professor Jelinek. Er gibt allerdings zu bedenken, dass das Reisen selbst eine erhebliche Klima- und Umweltbelastung darstellt – deren Folgen vor allem jene tragen, die sich gar keine Reisen leisten können: „Urlauber sollten deshalb immer auch überlegen, was sie dazu beitragen können, die Klima- und Umweltbelastung ihrer Reise so gering wie möglich zu halten.“