Schneeräumen und Gesundheit: So geht beim Schippen alles glatt

Auch beim Schneeräumen auf die Gesundheit achten
Foto: © freepik.com/pvproductions

Schnee ist schön. Aber auf dem Gehweg sorgt er für Sturzgefahr. Schneeräumen ist deshalb Pflicht. Das Schippen und Schieben kostet jedoch viel Kraft – Rücken und Kreislauf können dabei stark belastet werden. Mit der richtigen Technik und passenden Geräten gelingt das Räumen kraftschonend und sicher.

Wenn es schneit und Gehwege und Einfahrten unter einer weißen Decke verschwinden, bringt das zwar echte Winterstimmung. Was schön anzusehen ist, erhöht aber leider die Unfallgefahr. Glatte Bürgersteige und vereiste Stufen führen jedes Jahr zu zahlreichen Stürzen. Um das Risiko zu mindern, gibt es die gesetzliche Pflicht zum Schneeräumen: Wege und Zufahrten rund ums Haus müssen so geräumt werden, dass sie sicher begehbar bleiben.

In vielen Kommunen gilt das werktags ab 7 Uhr, an Sonn- und Feiertagen etwas später und bei anhaltendem Schneefall oft auch mehrmals am Tag. Für ein sicheres und gründliches Schneeräumen braucht es die richtige Technik, passende Geräte und umsichtiges Handeln. „Wer Schnee räumt, sorgt nicht nur für freie Wege, sondern vor allem für Sicherheit“, betont André Siegl, Referent für Arbeits- und Gesundheitsschutz beim TÜV-Verband. „Wichtig ist, Schnee möglichst gleichmäßig zu räumen, geeignete Geräte zu nutzen und körperliche Überlastung zu vermeiden.“

Die richtige Räumtechnik schont Rücken und Herz

Schneeräumen kann echte Schwerstarbeit sein. Die Bewegung belastet Rücken, Schultern und das Herz-Kreislauf-System – vor allem, wenn der Schnee nass und schwer ist. Wer unachtsam arbeitet, riskiert schnell Schmerzen oder im schlimmsten Fall Verletzungen. Deshalb lohnt sich eine möglichst schonende Räumtechnik. André Siegl empfiehlt: „Besser schieben statt heben, kleinere Schneemengen bewegen und die Schaufel nah am Körper führen.“

So bleibe die Belastung kontrollierbar. Regelmäßige Pausen helfen, die Kräfte sinnvoll einzuteilen. Besonders ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen sollten die Belastbarkeit von Herz und Muskeln realistisch einschätzen und im Zweifel Unterstützung organisieren, statt sich selbst zu überfordern.

Zum Schneeräumen das richtige Werkzeug nutzen

Sicherer und schonender wird das Schneeräumen, wenn dabei die am besten geeigneten Geräte zum Einsatz kommen. Die richtige Auswahl für den Winterdienst ist nicht nur eine Frage von Komfort und Tempo, sondern auch der Sicherheit. Ob klassische Schneeschaufel, breiter Schneeschieber oder motorbetriebene Schneeräummaschinen: Nicht jedes Gerät passt zu jeder Situation. Schneeschaufeln eignen sich vor allem für kleinere Flächen, schmale Wege und Treppen. Schneeschieber sind ideal für breitere Gehwege, Hofzufahrten und längere Strecken.

„Schneefräsen kommen vor allem dort zum Einsatz, wo große Flächen, regelmäßiger Schneefall oder hohe Schneemengen zu bewältigen sind“, sagt Siegl. Wer Schnee räumt, sollte auch an den Schutz des eigenen Körpers denken und ausreichend Abstand zu bewegten Teilen und zum Auswurfbereich halten. Material, Griffform und ein technisch einwandfreier Zustand der Geräte sind ebenso entscheidend. Gleichzeitig ist darauf zu achten, wohin der Schnee geschoben wird. Gullys und Abläufe müssen frei bleiben, damit Schmelzwasser abfließen kann und sich keine neuen Eisflächen bilden.

Besser Schieben als Heben

Bei der klassischen Schneeschaufel steht ergonomisches Arbeiten im Mittelpunkt. Ein möglichst leichter und langer Stiel aus Holz oder Aluminium ermöglicht ein Räumen mit geradem Rücken. Gebogene Stiele oder D-Griffe können die Handgelenke zusätzlich entlasten. Grundsätzlich gilt: am besten kleine Schneemengen bewegen und die Kraft aus den Beinen einsetzen. Auch ein Blick auf die Schaufelkante lohnt sich. Metallkanten sind robust, können auf empfindlichen Untergründen aber Schäden verursachen und im ungünstigen Fall sogar rutschige Stellen hinterlassen. Wer seinen Körper zusätzlich entlasten möchte, greift zu Geräten wie dem Schneeschieber, der hauptsächlich auf Schieben statt Heben setzt.

Am sichersten lässt sich Schnee räumen, wenn der Oberkörper möglichst gerade bleibt, die Füße leicht versetzt stehen und die Knie leicht gebeugt sind. Ruckartige Drehbewegungen sollten vermieden werden. Ideal ist es, den Körper stets in Räumrichtung mitzunehmen. Zu breite oder schwere Modelle können vor allem bei nassem Schnee schnell überfordern. Eine etwas schmalere Variante ist daher oft die bessere Wahl. Rutschfeste Griffe und – je nach Modell – unterstützende Räder erhöhen zusätzlich die Kontrolle, besonders auf glatten Flächen.

Streuen ist bei Glätte unverzichtbar

Schneeräumen allein sorgt noch nicht automatisch für Sicherheit. Vor allem bei Eis, festgetretenem Schnee oder überfrierender Nässe besteht oft weiterhin ein erhebliches Sturzrisiko. Dann ist zusätzliches Streuen unerlässlich, damit Gehwege wirklich trittsicher werden. In vielen Kommunen darf man ausschließlich umweltfreundliche, sogenannte abstumpfende Streumittel wie Splitt oder spezielles Granulat verwenden. Sie legen sich als körnige Schicht auf die Oberfläche, erhöhen die Griffigkeit und sorgen so dafür, dass Gehwege auch bei Eis deutlich sicherer begehbar sind.

„Auf Streusalz sollte generell verzichtet werden. Es belastet Umwelt und Tiere, kann Pflanzen schädigen und Materialien angreifen“, sagt Siegl. In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei stark vereisten Flächen, kann es sehr gezielt und sparsam eingesetzt werden. Wichtig ist außerdem, Streugut nach dem Winter wieder zu entfernen.