Reisedurchfall: Keine Antibiotika nehmen

Reisedurchfall ist das mit Abstand häufigste Gesundheitsproblem unterwegs: Bis zu 50 Prozent der Fernreisenden sind betroffen. Auch wenn die Symptome unangenehm sind – eine Selbstbehandlung mit Antibiotika ist nicht zu empfehlen.

Frau in Urlaubskleidung mit Tabletten, Hut und Toilettenpapierrolle in der Hand.

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In den allermeisten Fällen ist ein Reisedurchfall nicht gefährlich und klingt nach zwei bis vier Tagen von selbst wieder ab. Vorbeugende Maßnahmen wie eine sorgfältige Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene sowie regelmäßiges Händewaschen können viele Durchfallerkrankungen verhindern.

Fallen Reisende dennoch „Montezumas Rache“ zum Opfer, sollten sie auf die Selbstbehandlung mit einem Antibiotikum verzichten, empfiehlt das Centrum für Reisemedizin (CRM). Denn die Einnahme von Antibiotika erhöht das Risiko für eine Infektion mit multiresistenten Darmbakterien deutlich, wie eine aktuelle Studie aus Finnland zeigte.

Gegen multiresistente Keime wirkt kein Antibiotikum

Die finnische Untersuchung ergab: Jeder fünfte Tourist, der Länder mit niedrigem Hygienestandard bereist, kehrt mit multiresistenten Darmkeimen in die Heimat zurück. Das Risiko, sich solch gefährliche Erreger einzufangen, war erhöht, wenn die Urlauber unterwegs an Reisediarrhoe erkrankten – und es stieg nochmals deutlich, wenn der Reisedurchfall mit einem Antibiotikum bekämpft wurde.

Je nach Reiseland waren bis zu 80 Prozent der Urlauber, die gegen den Durchfall Antibiotika eingenommen hatten, im Anschluss mit multiresistenten Darmkeimen besiedelt. „Ein solcher Keim muss den Träger nicht notwendigerweise krankmachen, er kann aber zu einem großen Problem werden, wenn er auf geschwächte Personen übertragen wird, die daran erkranken und dann wegen der Resistenz des Bakteriums nicht adäquat behandelt werden können“, betont Professor Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM.

Bei anhaltendem Fieber zum Arzt

Bei den allermeisten Reisedurchfällen sei eine Antibiotikatherapie nicht notwendig, so Prof. Jelinek. Wenn Durchfälle schleimig-blutig sind oder mit anhaltendem Fieber einhergehen, ist die Behandlung mit Antibiotika mitunter jedoch unvermeidlich. In solchen Fällen sollten Reisende im Urlaubsland möglichst einen Arzt aufsuchen. „Gewöhnliche Reisedurchfälle, auch wenn sie wässrig sind, heilen in kurzer Zeit von alleine aus – wichtig ist vor allem, dass die verlorene Flüssigkeit und Mineralstoffe ersetzt werden“, erklärt Prof. Jelinek. Entsprechende Trinklösungen gibt es als fertige Mischungen in der Apotheke zu kaufen.

Wenn Touristen ein Medikament gegen Durchfall griffbereit haben möchten, um die wenigen Urlaubstage nicht im Hotelzimmer verbringen zu müssen, eignet sich zum Beispiel ein Mittel, das den übermäßigen Flüssigkeitseinstrom in den Darm reduziert, dabei aber die Darmtätigkeit nicht drosselt. Der Apotheker gibt hier gerne Rat.

Rohe Produkte vermeiden

Durchfallerkrankungen auf Reisen werden durch verschiedene Viren, Bakterien oder Parasiten verursacht. Sie geraten über kontaminierte Lebensmittel oder durch unzureichende Handhygiene in den Organismus. „Für den Umgang mit Lebensmitteln hat sich die Regel ‚Brate es, schäle es, koche es – oder vergiss es‘ bewährt“, so Jelinek. Rohe, ungeschälte Früchte, Gemüse und Salate sowie offene Säfte und Eiscreme sollten demnach gemieden werden. Auch bei Rohmilchprodukten, nicht vollständig durchgegarten Fleisch- oder Fischgerichten oder Speisen aus dem Straßen- oder Strandverkauf ist Vorsicht geboten.

Trinkwasser sollte in tropischen und subtropischen Ländern immer gekauft werden – in verschlossenen, industriell abgefüllten Flaschen. Auf Eiswürfel in Getränken sollten Reisende verzichten. Durch regelmäßiges und gründliches Händewaschen – vor allem vor dem Verzehr von Speisen – kann das Risiko einer Infektion mit Durchfallerregern zusätzlich verringert werden.

Eingestellt am: 27. Mai 2017