Radreisen mit Kindern: Tipps für einen entspannten Urlaub

Bei Radreisen mit Kindern gibt es einiges zu beachten.
Foto © www.pd-f.de/Lucia Rau

Für Familien ist das Verreisen mit dem Fahrrad eine praktische und günstige Urlaubsmöglichkeit, die allen Spaß macht. Über ihre reichhaltigen Erfahrungen bei Radreisen mit Kindern berichten zwei Eltern, die schon auf unterschiedliche Art und Weise mit ihrem Nachwuchs unterwegs waren.

Wenn Lucia Rau Freund*innen von ihrem Vorhaben erzählte, mit ihrem kleinen Sohn eine mehrwöchige Radreise zu unternehmen, bekam sie immer wieder den Satz zu hören: „Das ist aber mutig!“ Für die junge Mutter erfordern Radreisen mit Kindern allerdings keinen besonderen Mut. „Die mutigste Stelle war die Entscheidung, loszufahren“, findet Rau.

Mittlerweile hat die Schauspielerin mit ihrem Sohn zwei mehrwöchige Touren absolviert: 2024 von München zum Nordkap, 2025 von München nach Paris. Während der Junge die erste Tour komplett im Anhänger saß, fuhr er auf der zweiten Reise bereits immer wieder ein paar Kilometer selbst. Für Lucia Rau dann doch eine Herausforderung: „Ich konnte am Anfang nicht wissen: Wie viele Kilometer am Stück fährt er selbst? Wie lange hält er durch? Wie oft macht er das mit?“ Fragen, die sich erst während einer Tour klären lassen. Deshalb war es für Rau wichtig, behutsam zu starten und Erfahrungen zu sammeln.

Schon früh den Spaß an Bewegung vermitteln

Dass man erst mit der Zeit einen gewissen Erfahrungsschatz aufbaut, weiß auch Philipp Elsner-Krause. Er unternimmt seit Jahren unterschiedliche Radreisen mit Kindern – seien es längere Wochenendtrips im Umland seiner Heimatstadt Berlin oder mehrwöchige Touren im Ausland. Mittlerweile sind seine Kinder im jugendlichen Alter und gehen sogar schon eigenständig auf Radreisen. „Man muss bereits früh den Kindern den Spaß an Bewegung vermitteln. Dann bleiben sie auch später dran“, erklärt der Geschäftsführer eines Anbieters von Fahrrad-Zubehör.

Wichtig ist aus seiner Sicht, dass die Strecken nicht zu lang sind. Erwachsene dürften sich selbst dabei nicht als Maßstab nehmen. Ebenfalls wichtig seien Pausentage, an denen man etwas abseits des Fahrrads unternimmt. „Es soll ja trotzdem ein Urlaub sein und die Kinder sollen keinen Druck verspüren, unbedingt jeden Tag Rad fahren zu müssen“, so der Familienvater.

Ein Zelt gehört bei Radreisen mit Kindern dazu

Hinsichtlich der Übernachtungen sprechen sich die beiden Radreisenden für Campingplätze und Übernachtungen bei privaten Anbietern aus, die man über diverse Apps finden und buchen kann. Alternativ gibt es auch zertifizierte Radreiseunterkünfte des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Spontaneität ist aber ein wichtiger Faktor bei Familienreisen, denn oft weiß man am Morgen nicht, wie lang die tägliche Reiseroute wird. Gerade mit kleinen Kindern sind immer wieder Überraschungen möglich, die Änderungen oder Abkürzungen der Route nötig machen. Und dann kann es schwer sein, einen alternativen Übernachtungsplatz zu finden.

Ein Zelt im Reisegepäck ist deshalb eine praktische Option, um immer einen Schlafplatz zu haben, auch wenn einmal etwas dazwischenkommt. Ein Cargo- oder Kinderanhänger bietet sich zum Lastentransport an, oder man wählt ein Lastenrad als Reisefahrzeug. Campingplätze sind im Vergleich zu Ferienwohnungen oder Hotels die günstigere Alternative. Natürlich sind die Anschaffungskosten für Zelt, Schlafsäcke und Isomatten mit einzukalkulieren. Diese Ausgaben rechnen sich meistens erst, wenn man mehrere Radreisen mit Kindern macht.

Bei der Verpflegung ist Minimalismus angesagt

Der Satz „Nudeln geht immer“ ist für radreisende Familien gesetzt, da das Essen schnell gekocht ist, zur Not auf einem Campingkocher zubereitet werden kann und viele Kalorien liefert. Das ist wichtig, denn Kinder verbrauchen beim Radfahren verhältnismäßig viel Energie und müssen die leeren Speicher regelmäßig füllen. Daher gehören Riegel, Nüsse und Obst zum täglichen Proviant für eine Tour. „Ein gutes Frühstück mit Müsli ist ebenfalls wichtig“, sagt Elsner-Krause.

Ein Vorteil für Radreisende, wenn sie im Sommer unterwegs sind: Oft finden sich am Wegesrand Obstbäume oder Sträucher, deren reife Früchte den Proviant ergänzen. Zudem hat es sich bewährt, bei der Streckenplanung auf Einkehrmöglichkeiten wie Eisdielen, Cafés und Supermärkte zu achten.

Positive Erlebnisse schaffen

Eine kindgerechte Streckenplanung bedeutet: möglichst auf Radwegen oder verkehrsberuhigten Nebenstraßen fahren. Bei den Rastplätzen gehören Spielplätze auf alle Fälle dazu – nicht nur, damit die Kinder Abwechslung bekommen, sondern auch, weil dort Kontakt mit anderen Kindern möglich ist. Grundsätzlich sollte immer eine gewisse Flexibilität für spontane Erlebnisse bleiben. „Wir kamen einmal an einem Traktorfriedhof im Nirgendwo vorbei. Das war für meinen Sohn ein echtes Highlight, und wir machten eine ungeplante, lange Pause“, erzählt Lucia Rau.

Schlechte Infrastruktur, gefährliche Verkehrssituationen oder Extremwetter können bei Kindern das Bild der Radreise negativ prägen. Für Eltern ist es deshalb wichtig, für viele positive Erlebnisse zu sorgen. Das können Mutmacher durch besondere Leistungen sein, aber auch Begegnungen mit anderen Kindern oder eine besondere Übernachtung. Rau und Elsner-Krause würden immer wieder Radreisen mit Kindern unternehmen. Sie animieren andere Familien ebenfalls dazu: „Es entsteht eine enge Bindung zu den Kindern. Das stärkt einen als Familie“, betont Philipp Elsner-Krause. Lucia Rau ergänzt: „Die Kinder wachsen über sich hinaus und trauen sich mehr zu – auch wenn sie sonst schüchtern sind.“