Psychotherapie hilft – doch Sparpläne gefährden die Versorgung

Eine gute Versorgung mit Psychotherapie muss gewährleistet sein
Foto © Finn Sanders

„Psychotherapie in Gefahr“, „Wir helfen - ihr kürzt“ oder „Diese Politik braucht eine Therapie“: Auf vielen Demonstrationen protestierten Tausende gegen Honorarkürzungen bei der Psychotherapie. Schon jetzt leiden Menschen mit seelischen Problemen unter mangelnder Versorgung und teils monatelangen Wartezeiten. Die Sparpläne der Gesundheitsministerin drohen eine gute und schnelle Behandlung psychisch kranker Menschen weiter zu erschweren.

Nach Ansicht der Bundesregierung sind die Deutschen zu oft krank. Sie sollte dann eigentlich mehr tun, um die Gesundheit der Menschen zu stärken. Aber die Gesundheitsministerin will bei der medizinischen Versorgung sparen - und auch bei der Psychotherapie.

Psychische Erkrankungen zählen jedoch zu den häufigsten und besonders folgenschweren Krankheiten. Sie verursachen große persönliche Belastungen für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Sie führen außerdem zu langen Zeiten der Arbeitsunfähigkeit und sind die häufigste Ursache für Erwerbsminderungsrenten.

An Psychotherapie zu sparen, wird langfristig teuer

Eine gute Versorgung psychisch erkrankter Menschen ist daher eine zentrale gesellschaftliche Verpflichtung. Der schnelle Zugang zu einer ambulanten Psychotherapie spart außerdem tatsächlich Geld - denn lange Krankengeldzahlungen und Rentenausgaben bedeuten hohe volkswirtschaftliche Kosten. Doch leider gibt es schon jetzt erhebliche Versorgungsengpässe und teils monatelange Wartezeiten auf eine Psychotherapie.

Besserung ist nicht in Sicht: Das von der Bundesregierung geplante "GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz" werde "die Behandlung psychisch erkrankter Menschen unausweichlich und unvertretbar reduzieren" - so die Einschätzung der psychotherapeutischen und psychiatrischen Organisationen, Berufsverbände und Fachgesellschaften.

Die Versorgung ist gefährdet

Hinzu kommt: Die Honorare für ambulante psychotherapeutische Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung wurden bereits zum 1. April 2026 um 4,5 Prozent gekürzt. Das heißt, ambulant tätige Psychotherapeut*innen verdienen mit der Behandlung gesetzlich versicherter Patient*innen weniger bei steigenden Kosten. Schon diese Kürzungen gefährden die psychotherapeutische Versorgung. Insbesondere für Kinder und Jugendliche sind die Wartezeiten auf eine Psychotherapie alarmierend hoch.

„Wir sehen aktuell eine gefährliche Schieflage: Der Bedarf wächst – gleichzeitig geraten zentrale Strukturen der psychotherapeutischen Versorgung unter Druck“, sagen die Bundesvorsitzenden der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), Dr. Christina Jochim und Dr. Enno Maaß. "Wenn die Rahmenbedingungen der psychotherapeutischen Versorgung geschwächt werden, trifft das unmittelbar die Patient*innen“, so Maaß und Jochim weiter.

Was können Betroffene und ihre Angehörigen tun? Zum Beispiel eine Petition unterzeichnen, die aktuell gegen die Kürzungen bei der Psychotherapie läuft. Oder auf die Straße gehen - weitere Demonstrationen sind angekündigt.