Inklusion: Teilhabe statt Ausgrenzung
Wie gelingt die bestmögliche Versorgung und Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen? Antworten darauf gab es Anfang Februar 2026 auf dem rehaKIND Kongress in Dortmund.
"Inklusion bedeutet, sich in die Lebenswelten anderer hineinzuversetzen – und Lösungen zu ermöglichen." Kongress-Keynotespeaker Janis McDavid brachte seine Sicht eindrücklich auf den Punkt: Der Fokus auf Problemorientierung allein sei „Zeitverschwendung“ – vielmehr komme es darauf an, mit Kreativität und Mut in konkrete und auch unkonventionelle Lösungen zu investieren.
Janis McDavid weiß, wovon er spricht: Er wurde 1991 ohne Arme und Beine geboren. Der Motivationstrainer und Vortragsredner ist heute eine der bekanntesten Stimmen für Inklusion und Gleichberechtigung in Deutschland. "Es gibt kein Naturgesetz, nach dem Menschen mit einer Behinderung ausgegrenzt werden müssen", betont Janis McDavid. "Wie wir als Gesellschaft mit ihnen umgehen, entscheiden wir selbst." In seinem neuen Buch* "All Inclusive" erklärt der rastlose Speaker, wie wir Job und Alltag barrierefrei machen können.
Versorgung gelingt nur gemeinsam und auf Augenhöhe
Der rehaKIND Kongress brachte 2026 bereits zum dritten Mal alle Akteurinnen und Akteure zusammen, die an der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen beteiligt sind – und vor allem jene, um die es geht: die Familien selbst. Kindermedizin, Therapie, Hilfsmittelversorgung und Teilhabe lassen sich nicht getrennt denken. Sie gelingen nur interprofessionell, evidenzbasiert und gemeinsam mit Familien.
Dies ist ein zentrales Merkmal des Kongresses: Alle Beteiligten begegnen sich als gleichberechtigte Akteure. Eltern, Jugendliche, Wissenschaftlerinnen, Ärzte, Therapeutinnen, Techniker, Pädagoginnen, Pflegende und Kostenträger arbeiten gemeinsam an Lösungen – nicht nebeneinander, nicht hierarchisch, sondern partnerschaftlich. Kongresspräsidentin Dr. Carmen Lechleuthner betonte diesen Anspruch in ihrer Rede: „Wir müssen Eltern und deren betroffene Kinder in den Mittelpunkt all unserer Überlegungen stellen", so die Ärztin und Mutter eines schwerst-mehrfachbehinderten Sohnes. "Unsere Kinder passen in keine Norm – aber die Strukturen unseres Systems verweigern sich konsequent ihren Bedarfen. Bei diesem Kongress schaffen wir eine Verbindung zwischen Familien und Medizin.“
"Inklusion ist ein Menschenrecht"
Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, übernahm die Schirmherrschaft für den Kongress: „Inklusion ist keine Gnade, sondern ein Menschenrecht. Es gibt laute Stimmen, die Inklusion zurückdrängen wollen – dabei bedeutet
Inklusion Demokratie. Unsere Rechtslage ist nicht schlecht, aber die Umsetzung kommt bei den Betroffenen nicht an. Wir brauchen eine Sozialstaatsreform und müssen das große Rad drehen.“
Auch Stefan Schwartze, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, betonte bei der Eröffnungsveranstaltung den notwendigen Kulturwandel: „Wir brauchen mehr Patientenorientierung. Aktuell werden oft die Lautesten gehört, während Patientenvertretung vielfach ehrenamtlich und ohne echte Mitspracherechte stattfindet. Wir brauchen mündige, gut informierte Patientinnen und Patienten, die ernst genommen werden.“ Der Kongress sendete eine eindeutige Botschaft: Der Sozialstaat ist aktuell mit echter Inklusion überfordert, Bürokratie ersetzt zu oft Qualität. Doch verspätete, verweigerte oder kaputt gesparte Versorgung wird am Ende teurer – menschlich wie ökonomisch.
Was ist rehaKIND?
Die Internationale Fördergemeinschaft Kinder- und Jugendrehabilitation rehaKIND e.V. wurde als Verein im Jahr 2000 gegründet. Als Netzwerk für alle Beteiligten setzt sich rehaKIND gemeinsam mit seinen aktuell über 180 Mitgliedern für die speziellen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit Handicap und Hilfsmittelbedarf ein. Dabei beobachtet rehaKIND aufmerksam die Vertragsgestaltung diverser Krankenkassen mit Blick auf die Qualität der Kinder-Hilfsmittelversorgung.
* Janis McDavid, All Inclusive. Haufe Verlag Freiburg 2025
