Deutscher Sozialpreis 2025 zeichnet beeindruckende Medien-Beiträge aus

Der Sozialpreis 2025 zeichnete beeindruckende Beiträge aus.
Die Preisträger*innen des diesjährigen Sozialpreises und ihre Laudator*innen © U. Lentze

Mit dem Deutschen Sozialpreis 2025 wurden Journalistinnen und Journalisten für ihre herausragenden Arbeiten zu sozialen Themen ausgezeichnet. Die Beiträge aller vier Preisträger sind höchst eindrucksvoll und bewegend.

Florian sucht das Glück: Von Liebe, Lernbehinderung und Lebenslust“ – dieser Film von Tabea Hosche gewann den Deutschen Sozialpreis 2025 in der Kategorie Bewegtbild. Ein wahrlich berührendes Porträt: Es erzählt die Geschichte von Florian, einem Menschen mit Beeinträchtigung, der ein ehrgeiziges Ziel verfolgt. Florian möchte nämlich nicht Zeit seines Lebens in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) arbeiten. Er traut sich mehr zu, er glaubt, dass er auch einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt ausüben kann. Doch die Hürden sind hoch: Weniger als ein Prozent aller Menschen, die in einer WfbM arbeiten, schaffen den Sprung auf einen normalen Arbeitsplatz.

Wie Florian schließlich das Unwahrscheinliche gelingt und eine feste Anstellung sogar als Dozent an einer Hochschule bekommt, zeigt Tabea Hosche in ihrem Film. Dafür hat sie Florian über vier Jahre sehr sensibel und respektvoll begleitet. "Ein herausragendes Beispiel für dokumentarisches Erzählen mit sozialer Relevanz", so die Jury in ihrer Begründung für die Preisvergabe.

Bericht von der Kinderintensivstation

"Station 67" – so heißt die Reportage von Nico Schnurr und Dominik Stawski. Sie erschien im Juni 2024 im Magazin stern; und gewann den Deutschen Sozialpreis 2025 in der Kategorie Text. Ein alarmierender Bericht: Er zeigt, dass die Folgen der Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen inzwischen dramatisch sind. Auf Station 67, so heißt die Kinderintensivstation an der Medizinischen Hochschule Hannover, herrscht chronischer Personalmangel. Weil Ärzt*innen und Pflegekräfte dauerhaft überlastet sind, können nicht mehr alle Kinder bestmöglich behandelt werden.

Schlimmstenfalls könnten Kinder sogar sterben. Denn immer öfter kommt es vor, dass Station 67 einem lebensbedrohlich erkrankten Kind keine Versorgung anbieten kann: Von den eigentlich vorhandenen 18 Betten sind maximal noch neun belegt – mehr schafft das Personal einfach nicht. "Das Pflegeteam der 67 wurde über die Jahre immer kleiner. Es fehlen nicht die Stellen, es fehlen die Menschen, die diesen Job machen wollen", heißt es in dem Text. Und die Jury urteilt: "Eine intensive, über viele Monate geführte Recherche, die im Bereich einer Kinderintensivstation besonders sensibel für alle Beteiligten geführt wurde und die ein gesellschaftlich hochrelevantes Thema mit großer Tiefe und Nähe beleuchtet."

Die Missstände in der Fleischindustrie

"Für manche Deutsche sind wir Müll. Aber sie brauchen uns." Das sagt ein junger Mann aus Rumänien, der in der Radioreportage „Nach der Arbeit hängen die Kleider ihre Menschen auf“ zu Wort kommt. In dem Feature von Senta Höfer geht es um die Situation von Arbeiter*innen in der deutschen Fleischindustrie. Die Autorin gewann dafür den Deutschen Sozialpreis 2025 in der Kategorie Audio. Der im vergangenen Jahr auf Deutschlandfunk Kultur gesendete Beitrag liefert empathische Porträts seiner Protagonist*innen, die zwischen Deutschland und Rumänien pendeln und mit teilweise menschenverachtenden Arbeits- und Lebensbedingungen umgehen müssen.

In der Preisbegründung der Jury heißt es unter anderem: "Mit großer journalistischer Tiefe gelingt es der Autorin, die Menschen hinter den Missständen der Fleischindustrie sichtbar zu machen. Die lange und sorgfältige Recherche trägt dazu bei, die Stimmen der Betroffenen authentisch und ungeschönt hörbar zu machen. Dieses Audio-Projekt berührt, klärt auf und gibt jenen eine Bühne, die sonst kaum Gehör finden. Ein herausragender Beitrag zu gesellschaftlicher Gerechtigkeit."

Der Sozialpreis 2025 vergibt auch einen Sonderpreis

Den Deutschen Sozialpreis 2025 in der Kategorie Sonderpreis gewann das Team des SWR Data Lab für die interaktive Datenstory "Herzstillstand kann alle treffen - jede Sekunde zählt". Das Webprojekt erklärt, in welchen Regionen innerhalb Deutschlands Missstände bei der Notfallrettung bestehen und was das für die Bürger*innen bedeutet.

Wo kommt der Rettungswagen zu spät? In welchen Rettungsdienstbereichen fehlt ein Qualitätsmanagement? Personalisiert klärt die interaktive Webstory über Herzstillstände, geschlechtsspezifische Besonderheiten und Vorsorgemaßnahmen auf – die Nutzer*innen müssen dazu Vorname, Geschlecht, Alter und ihren Wohnort angeben. Mit dem Sonderpreis würdigt die Jury nach ihren eigenen Worten "ein innovatives journalistisches Projekt, das Maßstäbe setzt: Das Team des Data Labs hat durch umfassende Recherchen eine bislang einzigartige Vernetzung mit anderen Journalist*innen ermöglicht. Die Webstory überzeugt durch ihre persönliche Ansprache, hohe Aufklärungskraft und handlungsorientierte Darstellung."