Ratgeber
Startseite
Gesundheit
Wissenschaft
Kultur
Diäten
Rezeptarchiv
Gewinnspiel
Heftbezug
Kontakt
Sitemap
Impressum

Magazin - Wissenschaft

Mit Licht und Wellen den Schmerz besiegen

Mit Licht und Wellen den Schmerz besiegen
© Degio

Irgendwann trifft es nahezu jeden zwischen 30 und 60: Stechende Schmerzen im Arm, in der Schulter oder unter den Füßen. Tennisarm, Kalkschulter und Fersensporn machen den Betroffenen das tägliche Leben zur Qual.

Wo beispielsweise bei einem verhärteten Schultergelenk bisher nur die Operation half, sorgen jetzt 120 bis 240 ungefährliche Ultraschallstöße pro Minute für Linderung. Das Zauberwort heißt Stoßwellentherapie. 20 bis 30 Minuten dauert die Behandlung, bis zu 2500 „Schüsse“ gibt das mobile Ultraschallgerät dabei auf betroffene Körperteile ab. Die als kleine Nadelstiche fühlbaren Wellen merzen den Schmerz aus. „Nach drei bis vier Sitzungen“, bestätigt der Remscheider Orthopäde Dr. Thomas Holtz, „sind viele Beschwerden verschwunden oder erheblich gelindert.“ 3500 Patienten hat der Spezialist bisher behandelt, „die Erfolgsquote“, so berichtet das Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Innovative Orthopädie (Degio), „liegt bei über 80 Prozent.“ Das Verfahren wird meist dort eingesetzt, wo alle konventionellen Methoden mit entzündungshemmenden Medikamenten und Krankengymnastik erschöpft sind und eine Operation als kaum vermeidbar erscheint. „Bisher“, schätzt Holtz, „landet jeder zehnte Patient mit Kalkschulter auf dem OP-Tisch.“

Unerträgliche Schmerzen

Zwei Jahre lang quälte sich Ulrike Schatton (43) mit Schmerzen in der Schulter. „Anfangs“, erzählt die Juristin, „dachte ich an eine Verrenkung beim Tennis.“ Doch die Schmerzen blieben trotz intensiver Krankengymnastik – und wurden bei jeder Anstrengung stärker. „Nach dem Fensterputzen hatte ich tagelang Beschwerden.“ Als die Schmerzen selbst im Schlaf „wie Messerstiche durch die Schulter“ fuhren und die begeisterte Sportlerin „nicht einmal mehr die Kafeetasse halten konnte“, entschloss sie sich zur Stoßwellentherapie. „Gegen Spritzen, Schmerzmittel und eine Operation hatte ich gewisse Vorbehalte.“ Der Erfolg stellte sich bereits nach der zweiten Behandlung ein. „Die massiven Beschwerden waren wie verflogen.“ Drei Monate nach der ersten Stoßwellenbehandlung spielte Ulrike Schatton schon wieder Tennis. „Das hätte ich nie für möglich gehalten.“ Eine sogenannte Kalkschulter kann jeder bekommen – „die meisten Patienten aber sind zwischen 30 und 55 Jahre alt“, sagt Dr. Holtz. Die Entstehung ist für die Mediziner noch nicht vollständig erforscht. „Wir glauben, dass Belastungs- und Stoffwechselfaktoren dafür verantwortlich sind.“

 

Erfolgreiche Kombination

 

Rainer Herrmann (46) aus Rengsdorf litt an einem Fersensporn: „Das sind wahnsinnige Schmerzen.“ Einlagen und Kortisonspritzen „brachten nichts“, von einer Operation wollte der Westerwälder nichts wissen. Viermal legte er den Fuß deshalb unter die Ultraschallkuppel – danach konnte er ohne Leidensdruck mit der Verhärtung unter dem Fersenknochen leben. „Ich laufe 25 Kilometer ohne Probleme“, berichtet der Unternehmer. Zertrümmert ist der Fersensporn nicht, aber die Schmerzen sind wie weggeblasen. Zur Verstärkung des Behandlungserfolges setzt der Neuwieder Orthopäde Dr. Hans-Ulrich Corzilius zusätzlich Laserlicht ein. „In besonders schwierigen Fällen haben wir mit der Kombination gute Erfolge erzielt.“

Treppensteigen kein Problem mehr

Das 240 000 Euro teure Stoßwellen-Gerät funktioniert ähnlich wie ein Nierenstein-Zertrümmerer. Hoch energetische Ultraschallwellen werden dabei gebündelt auf die schmerzenden Stellen „geschossen“ und Kalkablagerungen abgebaut. Behandelte Nervenenden leiten die Schmerzimpulse nicht mehr weiter, Sehnenverhärtungen (Schmerzauslöser beim sogenannten Tennisarm) lösen sich in vielen Fällen auf. Patient Herrmann: „Je genauer der Schmerzpunkt fixiert wird, desto größer ist der Erfolg.“ Den lobt auch Bernhild Pickardt aus Remscheid. Jahrelang litt die 50-Jährige unter stechenden Schmerzen in der Hüfte – auch in ihrem Fall sorgten Kalkablagerungen für Dauerpein. Nach vier Sitzungen war der Schmerz weg, das Treppensteigen kein Problem mehr.

Obwohl die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung nicht bezahlen, sind viele Patienten gerne bereit, die Kosten aus eigener Tasche zu tragen. „In einigen Fällen“, weiß der Orthopäde Holtz, „haben sogar Arbeitgeber die Rechnung übernommen, weil die Mitarbeiter arbeitsfähig blieben und nicht vier bis sechs Wochen nach einer Operation ausfielen.“ Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat die Stoßwellenbehandlung des Fersensporns zwischenzeitlich als Behandlungsmethode anerkannt, viele deutsche Privatkassen erstatten ebenfalls die Kosten.

Wo die Stoßwelle hilft

Mit der Stoßwellentherapie lassen sich vor allem Erkrankungen durch Kalkablagerungen, aber auch Sehnenentzündungen besonders erfolgreich behandeln. Da die Stoßwelle von außen eingesetzt wird, sprechen die Mediziner von einer „nicht invasiven“ Behandlung. Auf Wunsch erhalten besonders empfindliche Patienten vor der Behandlung eine sanfte Anästhesie, damit das während der Sitzung auftretende leichte Pieksen und Kribbeln nicht mehr wahrgenommen wird.

 

Bei folgenden Beschwerden hilft die Stoßwellentherapie besonders:

 

  • Kalkschulter oder „Periarthritis calcarea“: darunter verstehen Laien und Mediziner eine schmerzhafte Entzündung und Versteifung der Schulterkapsel. Häufig wird die Erkrankung durch feine Kalkablagerungen hervorgerufen. Fast unerträgliche Nacht- und Bewegungsschmerzen sind typische Kennzeichen für eine „Kalkschulter“.
  • Tennisellbogen: eine häufige, sehr schmerzhafte, oft chronisch verlaufende Knochenhautreizung. Hervorgerufen wird diese Krankheit durch Überbeanspruchung von Muskelansätzen am Ellbogen. Der Begriff „Tennis“ steht nur beispielhaft für verschiedene mögliche Ursachen. Typisch für das Krankheitsbild ist ein starker Schmerz beim Zufassen, der meist vom Ellbogen bis zur Hand ausstrahlt.
  • Fersensporne: Die kleinen und spitzen knöchernen Ausbildungen unter dem Fersenbein lassen jeden Schritt zur Qual werden. Die genaue Ursache, warum sich ein Fersensporn bildet, ist häufig unklar. Mediziner machen in erster Linie Übergewicht und Fußfehlformen dafür verantwortlich. Oft werden die Beschwerden so intensiv, dass Patienten nur noch mit Gehstützen laufen können. Ähnliche Symptome werden durch eine Entzündung der Sehne unter der Fußsohle hervorgerufen, ohne dass ein Fersensporn vorliegt. Auch diese Beschwerden lassen sich mit Stoßwellen behandeln.

 

Weitere Patienten-Infos erteilt die Deutsche Gesellschaft für Innovative Orthopädie (DEGIO), Postfach 120143, 56567 Neuwied.

(08.10.2002)

Startseite  Vorherige Seite  Impressum
Ratgeber
Zum Inhalt
Der Pfiffikus aus deiner Apotheke
Zum Inhalt
Apotheken Rätselmagazin
Zum Inhalt