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Was ist eigentlich ein Arzneimittel?

Was ist eigentlich ein Arzneimittel?
© www.ikk.de
Von den Anfängen bis heute

Wie bei fast allem in Deutschland gibt es natürlich ein Gesetz, welches definiert, was ein Arzneimittel ist. Das so genannte Arzneimittelgesetz (AMG), eigentlich "Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln", schreibt in seinem Paragraph 2:

Arzneimittel sind Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen, die dazu bestimmt sind, durch Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper "Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhafte Beschwerden zu heilen, zu lindern, zu verhüten oder zu erkennen".

So weit, so gut. Es gibt also Arzneimittel für Menschen und für Tiere. Ein Arzneimittel besteht aus Stoffen, also Wirkstoffen und eventuell Trägerstoffen die speziell zubereitet sind. Sie sollen Krankheiten heilen oder Leiden und Beschwerden lindern. Darüber hinaus sollen sie Krankheiten vorbeugen. Das trifft zum Beispiel auf Impfstoffe zu, denn die Impfung soll vor der entsprechenden Krankheit schützen (Schutzimpfung).

Es kann sich aber auch um ein Medikament handeln, das Folgeerkrankungen verhindert. So kann ein mit Acetylsalicylsäure (Aspirin) behandelter Patient vor einem Herzinfarkt geschützt werden.

Dann ist ein Arzneimittel aber auch dazu da, um Krankheiten und Leiden sowie die Beschaffenheit, den Zustand oder die Funktion des Körpers oder seelische Zustände zu erkennen und gegebenenfalls zu beeinflussen. Ein klassisches Beispiel hier für sind Röntgenkontrastmittel.

Das AMG regelt auch, wo man welches Arzneimittel kaufen kann und wer zum Verkauf und zur Abgabe berechtigt ist. Das sind Regelungen, die die Verbraucher schützen sollen. So dürfen in der Regel verschreibungspflichtige Stoffe nicht außerhalb von Apotheken an Patienten abgegeben werden.

Die frühe Geschichte des Arzneimittels

Lange vor unserer Zeit und somit auch lange vor der Zeit der industrialisierten Forschung hat man sich aber schon auf die Suche nach heilenden Stoffen gemacht.

So finden sich erste Hinweise auf Heilpflanzen und ihre Wirkung bereits in vor-und frühgeschichtlicher Zeit (ca. 70.000 bis 40.000 Jahren). Aus der jüngeren Steinzeit sind uns heute eine Reihe von Funden bekannt, die auf die Anwendung von Heilpflanzen schließen lassen.

Schriftliche Überlieferungen gibt es für Assyrien und Ägypten. Diese frühen Hochkulturen kannten zahlreiche Arzneien. Hunderte von pflanzlichen, tierischen und mineralischen Arzneimitteln wurden zur Heilung und Linderung verwendet.

In der westlichen Welt finden sich einige bedeutende Abhandlungen über Arzneimittel. Die in fünf Büchern abgefasste Arzneimittellehre "De materai medica" eines römischen Militärarztes erschien um 78 nach Christus und wirkte bis ins Mittelalter. In ihr werden 813 pflanzliche, 102 mineralische und 101 tierische Arzneimittel beschrieben.

Das Arzneimittel erobert die Welt

Neben zahlreichen Lehrgedichten über Heilpflanzen werden im Mittelalter Schriften der Antike bekannt. An der Grenze zur Neuzeit, 1485, wird die erste Ausgabe des "Gart der gesuntheit", eines der einflussreichsten Kräuterbücher der Zeit, gedruckt.

Neben den antiken und arabischen Erkenntnissen, die den deutschen Arzneischatz bereichern, werden aber auch eigenständige Beobachtungen gemacht. Einen herausragenden Platz nehmen dabei die "Physica" der Hildegard von Bingen und eine Schrift von Albertus Magnus mit dem Titel "De vegetabilibus" ein.

Mit der Entdeckung neuer Seewege und Kontinente zu Beginn der Neuzeit und der damit verbundenen neuen Handelsdimension finden Heilpflanzen und Drogen ihren Weg nach Deutschland, die bis dahin vollkommen unbekannt waren.

Die pharmazeutische Chemie als Wegbereiter der industriellen Arzneimittel-Produktion

Die Alchemie war der wichtigste Wegbereiter für den Einsatz chemischer Präparate in der Medizin. Als herausragendste Persönlichkeit ist hier Paracelsus zu nennen. Er war für die innerliche Anwendung von Chemikalien. Aus diesem Gedanken entwickelte sich der Weg zur pharmazeutischen Chemie.

Der Erkenntniszuwachs in der Chemie führte im 19. Jahrhundert dazu, dass eine Vielzahl von wirksamen Inhaltsstoffen aus Arzneipflanzen isoliert wurden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden von der Teerfarbenindustrie die Herstellungsverfahren von organisch-synthetischen Arzneimitteln entwickelt. Damit entstand die industrielle Produktion von Arzneimitteln in abgabefertigen Packungen in der heutigen Zeit.

(11.05.2006)

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