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Magazin - Wissenschaft

Warum deutsche Wissenschaftler Ultraschallgeräte auf den Mount Everest brachten

Warum deutsche Wissenschaftler Ultraschallgeräte auf den Mount Everest brachten
© Siemens AG

Während in den vergangenen Wochen die ganze Welt das 50. Jubiläum der Erstbesteigung des Mount Everest feierte, hat eine Forschergruppe der Uni Gießen den höchsten Berg der Welt mit einem ganz anderen Ziel erklommen.

In ihrem Gepäck befanden sich zwei Siemens Ultraschallgeräte. Der Grund: Die Erforschung des Einflusses extremer Höhe auf die Herz- und Lungenfunktion. Die Resultate kommen dabei nicht nur Bergsteigern zu Gute. Vielmehr leiden 10 bis 15 Prozent aller Menschen unter einem Lungenhochdruck (genannt Pulmonale Hypertension, PHT), und gerade diese Erkrankung kann durch den Sauerstoffmangel im Hochgebirge besonders anschaulich simuliert und mit Hilfe der Siemens-Geräte analysiert werden.

Experiment unter extremen Bedingungen

Bei ihrer Expedition wurden die Giessener Forscher von konditionsstarken Bergsteigern begleitet, die den Medizinern als Probanden dienten. Kernstück der Expedition waren jedoch zwei so genannte Cypress-Ultraschallsysteme von Siemens, die Dank ihres Gewichts von nur acht Kilogramm je Gerät optimale Voraussetzungen für die Durchführung des Versuchs boten. Ursprünglich für den mobilen Einsatz in der Notaufnahme eines Krankenhauses oder direkt am Krankenbett gedacht, stellten die Geräte auch unter extremen Bedingungen ihre hohe Belastbarkeit unter Beweis.

 

Suche nach optimiertem Medikament

 

Nach erfolgreichem Abschluss der Expedition müssen nun die gesammelten Daten ausgewertet werden. Prof. Dr. Friedrich Grimminger, der das Forscherteam auf dem Mount Everest leitete, hofft „durch unsere Forschung ein optimiertes Medikament zu finden, das in der Lage ist, die übersteigerte Lungengefäßreaktion bei PHT-Patienten abzuschwächen und die Sauerstoffaufnahme durch eine gezielte Gefäßerweiterung der Lunge zu verbessern.“

Zusatzinfo zu PHT

Lungenhochdruck (genannt Pulmonale Hypertension, PHT) ist ein medizinisches Phänomen, unter dem 10 bis 15 Prozent der Erdbevölkerung leiden, insbesondere Patienten mit chronischen Herz- und Lungenkrankheiten. Bei PHT und verschiedenen anderen Lungenkrankheiten kommt es zu chronischen Umbauvorgängen der Lunge mit Auswirkungen auf die rechte Herzkammer. Hieraus resultiert für die betroffenen Patienten eine dauerhafte Einschränkung der Leistungsfähigkeit, der Lebensqualität und der Lebenserwartung.

 

Reaktionen wie im Zeitraffer

 

Zur Erforschung der Krankheit eigneten sich die Bergsteiger am Mount Everest optimal, denn sie setzten sich freiwillig einem durch den Sauerstoffmangel hervorgerufenen Lungenhochdruck aus. Innerhalb weniger Wochen wurden bei ihnen wie im Zeitraffer Reaktionen im Gefäßsystem ausgelöst, die sich bei Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen über Jahre und Jahrzehnte entwickeln. Während sich die Organe bei den Bergsteigern jedoch aufgrund des nur vorübergehenden Lungenhochdrucks wieder erholen, bleiben die Krankheitsprozesse bei PHT-Patienten in Ermangelung einer gezielten Therapie bisher unumkehrbar.

(23.06.2003)

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