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Ich bin noch gar nicht müde - Einschlaftipps für Kinder

Ich bin noch gar nicht müde - Einschlaftipps für Kinder
© Taunus BKK

„Da ist eine Mücke in meinem Zimmer" -„Ich bin noch gar nicht müde" -„Darf ich in eurem Bett einschlafen?" Wenn es darum geht, abends noch ein paar Minuten länger aufzubleiben, sind Kinder sehr erfinderisch. Was aber, wenn aus den wenigen Minuten eine halbe oder sogar eine Stunde wird? Wenn das Kind nach dem Zubettbringen einfach nicht zur Ruhe kommt, durch die Flure geistert und klagt, es könne nicht einschlafen?

Warum Kinder abends oft nicht einschlafen können und wie Sie die Einschlafprobleme Ihres Kindes in den Griff bekommen können, verrät Dr. Christoph-Gerard Stein, beratender Arzt bei der TAUNUS BKK.

 

Bei Babys und Kleinkindern ist unruhiges Schlafverhalten für die Eltern zwar oftmals anstrengend, aber relativ normal. Weiß man doch, dass die Kleinen erst ihren Rhythmus finden müssen. Treten Schlafprobleme dagegen bei Schulkindern auf, sind Eltern zu Recht besorgt. Grundschüler benötigen in der Regel um die zehn, elf Stunden Schlaf. Weniger kann zu Konzentrations- und Leistungsschwächen führen. Und nicht nur das.

„In der Tiefschlafphase werden die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt und das für Kinder so wichtige Wachstumshormon ausgeschüttet", so Dr. Stein. „Wenn Kinder nicht ausreichend schlafen, können Immunschwäche und Wachstumsstörungen bzw. Stimmungsschwankungen mit Reizbarkeit, Ängsten oder erhöhter Aggressivität die Folge sein."

Wann man bei Kindern von ernsthaften Einschlafproblemen spricht

Zum Glück hat nicht jedes Kind, das behauptet nicht einschlafen zu können, gleich eine Einschlafstörung. Von ernsthaften Einschlafproblemen sprechen Experten erst, wenn über mindestens vier Wochen die Nachtruhe gestört und der Tag dadurch beeinträchtigt ist, d.h. das Kind unkonzentriert und nervös ist oder sich schlapp und antriebslos fühlt. Ist es tagsüber fit, reicht ihm der Schlaf. „Viele Eltern glauben fälschlicherweise, ein Kind, das zu wenig Schlaf erhält, müsse tagsüber müde sein. Oft ist es ganz im Gegenteil völlig überdreht", weiß der beratende Arzt. Nach Expertenschätzungen leidet inzwischen jedes vierte bis fünfte Kind in den Industriestaaten an echten Schlafstörungen - Tendenz steigend.

Auslöser von Einschlafproblemen bei Kindern

Morgens Gameboy, nachmittags ein Computerspiel, abends noch ein Stündchen Fernsehen - ständig wechselnde Reize lassen das Gehirn auf Hochtouren laufen. Kommt dann noch ein unruhiger Tagesablauf mit vielen Terminen hinzu, erhält der Kopf keine Chance, die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten. „Die meisten Schlafstörungen sind Ausdruck einer Tagstörung", fasst Dr. Christoph-Gerard Stein zusammen. Neben der Reizüberflutung zählt er mangelnde körperliche Auslastung zu den Hauptursachen für Schlafprobleme. Ein Kind, das sich tagsüber nicht ausgetobt hat, fühlt sich abends meist nicht müde.

 

Nicht zu unterschätzen sind Ängste, unter denen das Kind leidet. „Im Schrank sitzt ein Monster" mag auf uns lächerlich wirken, für Kinder sind Fantasiegestalten oft sehr real und sollten mit dem nötigen Ernst besprochen werden. „Man muss dem Kind klar machen, dass seine Welt sicher ist und dass es kein Monster gibt, das nicht besiegt werden kann", rät der Experte weiter. Etwa mit Hilfe eines Teddys, der magische Kräfte hat."

Schwerwiegende seelische Probleme, Stress oder Leistungsdruck können das Kind ebenfalls am Einschlafen hindern, so dass es sich lohnt, die Familiensituation näher zu betrachten: Hat es Veränderungen gegeben? Einen Umzug, einen Trauerfall? Oder liegen die Probleme im Schulbereich? Manchmal steckt auch einfach nur die Angst, etwas zu verpassen, hinter der abendlichen Unruhe. Und nicht nur Sorgen können Kindern den Schlaf rauben. Die Vorfreude auf ein spannendes Ereignis kann den gleichen Effekt erzielen, ist dann jedoch meist zeitlich begrenzt.

Rituale erleichtern Kindern das Einschlafen

Einschlafrituale helfen Kindern, zur Ruhe zu kommen und erleichtern Kindern damit das Einschlafen. Zu diesen Einschlafritualen zählen u.a.:

  • eine regelmäßige Zubettgeh-Zeit
  • der stets gleiche Ablauf mit z.B. Gute-Nacht-Geschichte oder ruhiger Musik
  • den Tag in Ruhe besprechen (Belastet etwas das Kind?)
  • ein Nachtlicht an- oder die Tür offen lassen (gegen Angst vor der Dunkelheit)
  • Tee, warme Milch oder Baldrian (ab 6 Jahren unbedingt vom Arzt oder Apotheker beraten lassen); Schlaftabletten sind für Kinder tabu!
  • eine Stunde vor dem Zubettgehen kein Fernsehen oder aufregendes Spiel; denn vor allem jüngere Kinder brauchen etwa 60 Minuten, um „runterzufahren".

Hat Ihr Kind dennoch Probleme beim Einschlafen, können Entspannungs­methoden helfen:

 

  • Fantasiereisen leben von Sinneseindrücken und harmonischen Inhalten. Die Geschichten werden mit gleichmäßiger Stimme vorgelesen. Das Kind liegt dabei mit geschlossenen Augen im Bett. Es soll die Atmosphäre nachempfinden, zum Beispiel den Sand zwischen den Zehen, das Rauschen der Blätter. Im Buchhandel finden Sie hierzu viele Anregungen.
  • Autogenes Training zielt darauf ab, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen und zu beeinflussen. Das Kind lernt durch positive Gedanken und Vorstellungen, seine Gefühle und Ängste zu steuern. So kann es sich z.B. beruhigen, indem es sich selbst gut zuspricht: „Ich bin ganz entspannt", „Mein Körper wird müde". Auch hierzu findet sich ausreichende Literatur.
  • Bei der Progressiven Muskelrelaxation oder „fortschreitenden Muskel-Entspannung" werden nacheinander Muskelpartien (im Gesicht, Arme, Beine, Po, Bauch) sehr stark angespannt und dann wieder gelockert, so dass die Glieder warm und schwer werden. Der Trick: Mit der Muskelentspannung kommt auch der Geist zur Ruhe.

Alle Methoden können etwa ab dem vierten, fünften Lebensjahr angewandt werden. Kurse bieten Volkshochschulen und Familien-Beratungsstellen an.

(01.07.2008)

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